Papst Franziskus hat den aus Italien stammenden Diplomaten Pietro Parolin zum neuen Kardinalstaatssekretär des Vatikans ernannt. Der Erzbischof soll Mitte Oktober das Amt von Tarcisio Bertone übernehmen. Der Staatssekretär ist eine Art Regierungschef des Kirchenstaates, er gilt in der vatikanischen Hierarchie als die Nummer zwei nach dem Papst.

Der 58-jährige Parolin ist derzeit vatikanischer Botschafter in Venezuela und seit mehr als 30 Jahren Priester. Der Norditaliener drückte Franziskus seinen "tiefen und herzlichen Dank" für sein Vertrauen aus.   

Ein Wechsel in dem Amt war erwartet worden. Der 78 Jahre alte Bertone hatte sich zum Rücktritt entschieden und Franziskus die Bitte akzeptiert. Er war 2006 von Papst Benedikt XVI. zum Kardinalstaatssekretär ernannt worden.      

Bertone war seit dem VatiLeaks-Skandal im Jahr 2011 umstritten. Die damals veröffentlichten Geheimdokumente offenbarten Grabenkämpfe von Anhängern und Gegnern Bertones. Ihm wurden Fehler, Fehlbesetzungen und Günstlingswirtschaft vorgeworfen.     

In Bertones Amtszeit fällt zudem der Skandal um die Vatikanbank IOR. Beobachter werfen ihm vor, dass er die Aufklärung der Geldwäsche- und Korruptionsvorwürfe gegen das Geldinstitut behindert habe.