Nach Kritik : Weltkrieg-Magazin "Der Landser" wird eingestellt

Die Bauer Media Group stoppt nach Kritik des Simon Wiesenthal Centers die umstrittene Zeitschrift "Der Landser". Vorwürfe der Nazi-Verherrlichung wurden zurückgewiesen.

Die Heft-Reihe Der Landser wird nach Kritik des Simon Wiesenthal Centers eingestellt. Eine unabhängige Prüfung habe zwar ergeben, dass die Publikation im Einklang mit deutschen Gesetzen stehe, teilte die Bauer Media Group mit. Man habe jedoch entschieden, sie nicht fortzuführen.

Die Geschäftsleitung habe die Prüfung zum Anlass genommen, die Hefte mit Soldatengeschichten aus dem Zweiten Weltkrieg unter dem Aspekt der Portfolio-Strategie zu bewerten. Bauer hatte die Publikation Der Landser 1970 mit dem Erich Pabel Verlag erworben und seitdem weitergeführt.

Die jüdische Menschenrechtsorganisation Simon Wiesenthal Center hatte ein Verbot der Landser-Hefte gefordert. Sie verherrlichten den Krieg und verstießen gegen die gesetzlichen Verbote von Nazi-Propaganda und Holocaust-Leugnung.

Die Bauer Media Group erklärte dagegen, der Hamburger Strafrechtler Otmar Kury sei in einem Gutachten zu dem Ergebnis gekommen, dass in den Heften der Nationalsozialismus weder verherrlicht noch verharmlost werde. Auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien habe die Publikation wiederholt überprüft und seit mehr als 25 Jahren nicht beanstandet. 

Das Simon Wiesenthal Center bezeichnete die Einstellung des Heftes als "großen Sieg" und die richtige Entscheidung. Weil darin SS-Kämpfer porträtiert worden seien, wären Innen- und Justizministerium andernfalls bald dagegen vorgegangen.

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

136 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Wien.

Das 'Simon Wiesenthal Center' sitzt mitnichten in Wien, sondern in Los Angeles - siehe http://de.wikipedia.org/w... (weitere Niederlassungen sind dort ebenfalls verzeichnet). Es ist nur dem Namen nach, ansonsten aber nicht verwandt oder verschwägert mit dem Dokumentationszentrum des Simon-Wiesenthal-Archivs in Wien; dieses finden Sie hier: http://www.simon-wiesenth...

Ja, genau, das haben die Deutschen ganz alleine gemacht...Hahaha

"Außer vielleicht von den Alliierten war nach Niedergang des Nazi-Deutschland schlichtweg kein Druck irgendwelcher Organisationen nötig, den haben sich die überlebenden nach WK II. selber gemacht, niemand sonst."

Meinen Sie die Fraktion "Wir haben von nichts gewusst", oder die Fraktion "Wir wurden alle gezwungen"? Vielleicht sprechen Sie auch von der Fraktion "Auschwitz ist eine Lüge." oder der Fraktion "Hitler hat auch Autobahnen gebaut" oder auch der Fraktion "Ein bischen waren die Juden schon selbst schuld."

Wer von diesen Fraktionen war denn nun maßgeblich für schonungslose Aufarbeitung des Dritten Reichs verantwortlich?

Oder meinen Sie die große Fraktion "Schlusstrich", die das Dritte Reich bereits wieder vergessen möchte obwohl noch immer einige Täter und Opfer leben, v.a. Opfer, die sich diese leidige "Schlusstrich-Debatte" anhören dürfen.

Schonungslose Aufarbeitung aus intrinsischen Motiven des deutschen Volkes.

Wenn das als Ironie vorgebracht worden wäre, hätte ich herzlich lachen können, aber so...

Ohne Druck von außen, von den Alliierten und von den Opferverbänden, die genug Macht haben hätte sich in Deutschland in Punkto Aufarbeitung genau nichts gerührt.

Daher bin ich Organisationen wie dem SWC sehr dankbar für ihr Engagement.

AW 136. Ja, genau, das haben die Deutschen ganz alleine gemach

Ah ja, und das alles, was Sie aufgezählt haben, bringt Sie dann zu Ihrer Erkenntnis? Auch das gehört zu dem, was ich "Fanatismus" nenne.
Ich habe nirgends behauptet, dass dieser Vorgang "Aufarbeitung" schnell gegangen, abgeschlossen oder sonst etwas ist.
Ich behaupte allerdings weiterhin, dass zu all dem der Druck vor allem von den Überlebenden selber kam, denn genau deren Aufgabe war ja auch die schonungslose Konfrontation mit den Ursachen des Desasters "Hitler-Deutschland" und letztlich WK II. und den Folgen, alle Scheußlichkeiten eingeschlossen.
Wenn Sie jetzt glauben, dass die von Ihnen genannten Klientel wie "Wir haben von nichts gewusst" oder "Wir wurden alle gezwungen", von denen übrigens auch aus der EX-DDR noch genug vorhanden sind, auch nur irgendeinem Druck nachgegeben hätten, um sich von ihren Selbstbesch... zu befreien, täuschen Sie sich aber.
In dieser Hinsicht benehmen sich Organisationen wie SWC wie übergriffige Eltern, die behaupten, dass ihre Kinder alles und jedes "Gute" nur ihnen zu verdanken hätten und alles "Schlechte" von außen käme.
Das beleget doch nur einmal mehr meine Vermutung, dass hinter dem Tohuwabohu, den der SWC um solche Kinkerlitzchen wie "Der Landser" weiter nichts als Aufmerksamkeits-Geheische steht...das soll mit Aufarbeitung des Hitler-Reiches zutun haben?
Man kann das natürlich "Engagement" solcher Organisationen nennen...na ja, wenn's denn einem selbst hilft ;-)

AW 138. Nicht interessant, was Sie wie bezeichnen

Ich danke Ihnen für das Statement, es gibt nämlich Menschen wie mir allen Grund zu der Annahme, dass Menschen wie Sie, auch Organisationen wie das SWC, an 1. Stelle überhaupt nicht Nationalsozialismus meinen, wenn sie Literatur wie "Der Landser" an den Pranger stellen und auf den Index setzen wollen.
Vielmehr zeigen Sie ganz offenbar mit dem Finger primär auf Deutschland, sonst nirgend wo hin.
Genau das ist einer der Gründe, warum der Schoß immer noch fruchtbar ist, aus dem es kroch.
Genau das, neben anderen Dingen, haben Hitler, Goebbels und Co trefflich für sich nutzen können, um damals ganz Deutschland zu Trotzreaktionen aufzustacheln, denn mehr als Trotz war die Nazi-Bewegung in Deutschland zunächst überhaupt nicht.
Und genau das ist auch einer der Gründe, warum die "braune Pest", wie ich dieses Nazi-Gedankengut (und nicht etwa die Menschen, die darauf hereinfallen) nenne, nach wie vor aus vielen Köpfen nicht wegzubekommen ist.
Solange Organisationen, die sich gezielt mit "Anti-Nazi" befassen, sich primär auf genau ein Land einschießen (Nazis gibt's nämlich immer noch überall, nicht nur in Deutschland, nicht nur in Europa) anstatt auf das eigentliche Übel loszugehen, nämlich diese hermetische Denke, diese Sündenbocksuche, nur um selber nicht tätig werden zu müssen, solange werden Leute wie Sie und Organisationen wie eben das SWC sich den Vorwurf auch einer gewissen Doppelmoral gefallen lassen müssen.
Durch das Verschwinden des "Landser" werden die Nazis nicht weniger.

Ich bin nicht das SWC

Vielleicht ist Ihnen nicht aufgefallen, dass ich nicht das SWC bin, sondern eine, huuuch, Einzelperson. Und zwar ein aus Deutschland stammender deutschsprachiger Deutscher mit deutscher Bildung. Vielleicht leuchtet Ihnen daher mein primärer Fokus auf Deutschland ein.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Bekämpfen von Rassismus und Faschismus in Burkina Faso und Bali. Die haben vermutlich noch auf Sie gewartet.

Warum nun das SWC? Vielleicht kommen Sie selbst darauf wo deren Bezug zu Deutschland ist.

AW 140. Ich bin nicht das SWC

>>(..) nicht das SWC bin, sondern eine, huuuch, Einzelperson<<
Darauf bin ich eingegangen, und da Sie Deutsche Bildung haben und lesen können, darf ich unterstellen, dass Sie das überlesen haben...bewusst?
>>Vielleicht leuchtet Ihnen daher mein primärer Fokus auf Deutschland ein.<<
Mir leuchtet ein, dass Ihr primärer Fokus auf Deutschland liegt, und gerade weil Sie, Zitat "ein aus Deutschland stammender deutschsprachiger Deutscher mit deutscher Bildung" sind, sollten Sie doch wirklich nicht einbahnstraßenhaft denken, wie es z. B. die Nazis tun, sondern ein wenig mehr über den Tellerrand schauen, finden Sie nicht auch?
Sie gehören nicht zum SWC, aber Ihrem Ausdruck nach fahren Sie exakt dessen Linie.
Einstellung der Groschenromanserie "Der Landser" ein "großer Sieg" (über die Nazis), nicht wahr?
Weil ja "Der Landser" einen so ungeheuren Einfluss gehabt hat, oder?
Was wäre dann der nächste "Große Sieg"? NPD-Verbot, nein?
Womit dann das Nazi-Problem in Deutschland gelöst wäre, endgültig, nicht wahr?
Bei allem Respekt, werter Mitposter, u. a. das ist, was die Kritiker an dieser Kurz-Denke-Aktion des SWC auszusetzen haben, nämlich u. a. eine nicht ganz ungefährliche Naivität...und Tunnelblick.
Die Welt, und damit auch nationalistische Auswüchse, finden nicht nur hier statt, und letzteren, vor allem deren eigentliche Ursachen, ist überall entgegenzutreten, nicht nur in Deutschland...womit sich Ihre respektlos lesende Bemerkung bezügl. "Burkina Faso und Bali" auch erledigt hätte.

Aus der Geschichte lernen!

Die Kritik des Simon Wiesenthal Centers finde ich bezüglich der Hefte DER LANDSER maßlos und von Unkenntnis geprägt, eher peinlich! Wie jedes Land
sollen wir aus der Geschichte der letzten 2000 Jahre lernen. Dazu benötigen wir
Kommunikation und Literatur um uns über die Grausamkeit der Kriege grund-
sätzlich und speziell des 2. WK zu informieren - es nicht zu vergessen, nie zu
vergessen. Das sind wir unseren Gefallenen, Väter und Söhne, schuldig. Nicht jeder wird Ernst Jünger lesen (für SWC sicher auch kriegsverherrlichend?), vielleicht aber den LANDSER. Die Freiheit in unserer Demokratie ist ein schwerwiegendes Gut und gerade für einen Verlag wie die Bauer Media Group sollte es Grundsatz sein, Einschätzungen von Publikationen nicht von externen Gruppen beeinflussen zu lassen. Die leidvolle Geschichte des 2. WK fegt man nicht vom Redaktions-Tisch wie Müll - Millionen Tote haben das nicht verdient. Für die Bauer Media Group kann ich mich nur schämen.

AW 124. Landser

Jetzt muss man fast schon mitleidig lächeln *zwinker*

Dieses Schundblatt ist während der Hitlerzeit entstanden...
- woraus folgt, dass das einzige, was diskussionswürdig ist und schon mehrfach angesprochen wurde, die Frage ist, warum Bauer den nicht schon lange hat verschwinden lassen, es hätte niemand bemerkt -
...welcher Krieg also soll da denn sonst "vermarktet" werden als der WK II. und dessen "spezielle Gesichtspunkte"? Das machen übrigens fast alle bekannten Kriegsfilme ;-)

zu 3. Gute Entscheidung

Ich denke auch, das Heft stand früher unter dem Schutz der Geschäftsführung, hat aber mittlerweile bestimmt keinen Schutzpatron mehr. Da hat dann mal das Controlling hart und kräftig zuschlagen dürfen. Und die Entscheidung sieht dann eher politisch korrekt aus, als betriebswirtschaftlich einfach kühl kalkuliert. Die Leser sterben aus und der Sprung in Geschichten von Golf- und anderen Kriegen wurde versäumt. Damit hat man sich selbst in eine ideologisierte Weltsicht gegeben, die irgendwann den Tod des Produktes nach sich zieht.