Auch Aktionen wie der "Topless Jihad" wurden von muslimischen Frauenrechtlerinnen kritisiert, die sich von Femen bevormundet und nicht befreit fühlen.  Entsprechend groß ist die Häme, die sich jetzt über die Aktivistinnen ergießt: Ein Spruch von Femen lautete damals, hinter jeder verschleierten Frau stehe ein bärtiger Mann mit einem Messer. Nun steht hinter Femen ein herrschsüchtiger Macho.

Häme kommt genauso von vielen westlichen Feministinnen, die die Nacktproteste schon lange ablehnen, weil sie den weiblichen Körper als Objekt präsentierten, Schönheitsnormen unterstützten und keineswegs gegen das Patriarchat kämpften. Ironisch wirkt nun das Femen-Mantra, die Aktivistinnen würden sich selbstbestimmt für ihre politischen Ziele entblößen. Und natürlich können auch Antifeministen feiern – seht her, eine Gruppe Frauen, die für ihre Rechte kämpfen will und es nur unter der strengen Führung eines Mannes schafft.

Aus Unterdrückung wird Selbstbefreiung

Dass Femen mit dem Dokumentarfilm nun das Thema selbst auf die Tagesordnung setzt, ist auf den ersten Blick überraschend. Doch ihr Konzept ist die sorgsam geplante Provokation. Was Inna Schewschtenko über ihre Auseinandersetzung  mit Viktor Swjatski sagt, klingt, als solle daraus eine Heldinnengeschichte über die Gruppe werden, die es nun aus eigener Kraft geschafft hat, ihren Unterdrücker loszuwerden. Der Fakt, von einem Mann geführt worden zu sein, wird umgedeutet in den erfolgreichen Kampf gegen ihn. Aus Unterdrückung wird Selbstbefreiung.   

Ob sich Femen mit dieser Offenbarung für künftige Aktionen die Glaubwürdigkeit geraubt hat oder dies der Punkt ist, an dem der eigentliche, selbstbestimmte Kampf für die Frauenrechte beginnt: Es geht auch hier darum, wessen Wahrheit man betrachtet.

Für die Vergangenheit gilt das nicht, hier ist das Bild eindeutig: Die Frauen, die stets von sich behaupteten, ihre Nacktheit aus eigenen Stücken für ihre Ziele zu instrumentalisieren, ließen sich in Wahrheit von ihrem Ideologen herumkommandieren – und haben wenn nicht seine Existenz, dann zumindest das Maß seines Einflusses verschwiegen.  

Aus gutem Grund: Waren sie doch angeblich angetreten, um die Macht und Deutungshoheit über die weibliche Nacktheit den Machos, Sexisten und Männern generell zu entreißen. Das ist nun konterkariert dadurch, dass sie sich bei dieser vermeintlichen Selbstermächtigung von einem Mann befehligen ließen.