HolocaustGeschichtsnachhilfe für Chinesen

Zum ersten Mal zeigt eine Ausstellung in Peking die Realität im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Für viele Chinesen sind die Bilder ein Schock.

Bilder in einer früheren Baracke im Konzentrationslager Auschwitz

Bilder in einer früheren Baracke im Konzentrationslager Auschwitz  |  © Peter Andrews/Reuters

Fotos ausgemergelter Juden, die Verbrennungsöfen der Krematorien, gestreifte Häftlingskleider. Eine Ausstellung in Peking zeigt die Grauen des Holocaust im Lager Auschwitz-Birkenau. Es ist die erste Ausstellung dieser Art in China – und viele Besucher sind entsetzt. 

"Die meisten sind schockiert, dass die Nazis Frauen und Kinder in die Gaskammern schickten", sagt Vize-Kurator Li Zongyuan. Viele sehen die Grausamkeiten zum ersten Mal, denn der Holocaust wird in der chinesischen Gesellschaft kaum thematisiert.

Anzeige

In der kollektiven Erinnerung der chinesischen Bevölkerung stehen die Verbrechen der Japaner an den Chinesen während des Zweiten Weltkriegs im Mittelpunkt. Mehr als 200 Museen und Gedenkstätten in der Volksrepublik widmeten sich den Gräueltaten der japanischen Armee, sagt Li. Der Holocaust hingegen spiele in den Schulen und selbst an den Universitäten kaum eine Rolle, sagt Hu Dekun von der chinesischen Gesellschaft zur Erforschung des Zweiten Weltkriegs.  

Im Jahr 2012 hätten nur 7.000 Chinesen die Gedenkstätte Auschwitz besucht, sagt Vize-Kurator Li. "Das ist wenig im Vergleich zu der Zahl chinesischer Touristen in Europa."

Zwei Vorfälle in den vergangenen Monaten zeigen, wie groß Unkenntnis und Desinteresse am Holocaust in Teilen Asiens sind. Ein Indonesier betrieb in Bandung zwei Jahre lang ein mit Hakenkreuzen und Hitler-Porträt dekoriertes Kaffee – er musste schließen, nachdem die internationale Presse darüber berichtet hatte. Und der japanische Vize-Regierungschef Taro Aso schlug vergangenen Monat vor, sein Land solle sich bei der Verfassungsreform ein Beispiel an Nazi-Deutschland nehmen.

Für den Holocaust sensibilisieren

Die Ausstellung Todeslager Auschwitz im Museum zum Widerstandskrieg des chinesischen Volkes gegen die japanische Aggression am Rand der Hauptstadt will für das Thema sensibilisieren. In weniger als zwei Monaten zog sie mehr als 70.000 Besucher an. 

Die Ausstellung zeigt, wie in Auschwitz-Birkenau etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet wurden. Außerdem beleuchtet sie die Rolle Shanghais als Zufluchtsort europäischer Juden und des chinesischen Diplomaten He Fengshan, der tausende Juden rettete, indem er ihnen zwischen 1938 und 1940 Visa für China ausstellte.

Yan Jikai ist aus der Provinz Shanxi im Norden ins Museum gekommen. Von den Verbrechen der Deutschen habe er erst durch den US-Film Gesprengte Ketten mit Steve McQueen erfahren – "den habe ich mir gleich zweimal angesehen", sagt Yan. Er lobt den Kniefall des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt am Ehrenmal für das Warschauer Ghetto 1970. "Die Japaner hingegen haben ihre Fehler nie wirklich eingestanden."  

Das Museum steht am Ende der Marco-Polo-Brücke. Hier fand am 7. Juli 1937 ein Scharmützel zwischen chinesischen und japanischen Truppen statt, das den Japanern als Vorwand diente, Peking einzunehmen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Denen bleibt aber auch nichts erspart.

    Bitte bemühen Sie sich um einen konstruktiven und differenzierten Kommentarstil, um zu einer sachlichen Diskussion beizutragen. Die Redaktion/mak

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Suryo
    • 12. September 2013 13:11 Uhr

    Wer außer Rechtsextremen schreibt so einen Kommentar und wer findet sowas gut?

    • Atan
    • 12. September 2013 12:28 Uhr

    formulieren: das Interesse am Holocaust erfährt einen weltweiten Boom.

    Der "economist" hatte letzten Monat einen guten Artikel dazu, in welchem dieser "Boom" beschrieben und analysiert wurde.
    http://www.economist.com/...

    Ausnahme ist zwar noch die muslimische Welt, allerdings gibt es auch hier kleine Fortschritte zu beobachten. Gleichzeitig findet natürlich auch eine Historisierung des Phänomens statt, d.h. es wird als inzwischen relativ weit zurückliegendes Ereignis auch popularisiert und natürlich durch die Besucher in Bezug zu Ereignissen der eigenen Geschichte gesetzt.

    Die traditionelle Holocaust-Forschung wird dadurch ein Stück ihrer Deutungshoheit verlieren, aber wenn ein Ereignis wirklich in der "Weltgeschichte" ankommt, wie es hier zu beobachten ist, bleibt so etwas unvermeidlich. Zumindest können Europäer, Amerikaner und vor allem Israel auch immer noch mit ihrer langen Expertise intervenieren, wenn die Interpretationen zu exotisch oder gewagt werden.

  2. ...mal ganz gut. Und in diesem Zusammenhang sind die Chinesen ja wirklich auch als Opfervolk zu betrachten.

    Und dazu wäre eine diesbezügliche Ausstellung auch in Indien ganz sinnvoll. Was ich dort oft für "Fehleinschätzungen" bezgl. Hitler et.al. erlebt habe. Die "haben ja schließlich auch gegen die Engländer gekämpft". So wie Subhas Chandra Bose http://de.wikipedia.org/w..., "Netaji", in Indien der dritte Freiheitskämpfer neben Gandhi und Nehru, im Westen gerne totgeschwiegen. Und es ist vielleicht auch diesem Hakenkreuz geschuldet, welches in Indien ein uraltes heiliges Symbol ist.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aus diesem "arisch" "indogermanischen" Denken?

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich differenziert und sachlich. Die Redaktion/mak

  3. Selbstverständlich interessiert der japanische Genozid an den Chinesen diese umso mehr, immerhin waren sie selbst davon betroffen und auch von den Opferzahlen (geschätzt etwa 3,7 Millionen Chinesen wurden Opfer japanischer Kriegsverbrechen) erreicht der Völkermord an den Chinesen ansatzweise die Dimensionen des Holocausts.
    Im Austausch zur Holocaust-Ausstellung in Peking würde ich mir wünschen, dass die Geschehnisse in Ostasien während des 2. Weltkrieges auch in Europa stärker berücksichtigt würden.

    15 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich kann Ihnen nur zustimmen. Bez. der Zahl der Opfer des 2. sino-japanischen Krieges in China möchte ich ergänzen, dass man in der PRC offiziell von ca. 20 Mio Toten spricht. Westliche Historiker geben zumeist 15 Mio an, wobei einige ihrer chinesischen Kollegen sogar von bis zu 50 Mio Toten ausgehen. Genau wird sich die Zahl der Opfer wohl nie bestimmen lassen, es ist jedoch sicher, dass diese enorm hoch war. Hinzu kommen noch einige Millionen Tote der japanischen Okkupation in Südostasien, die gern von der Statistik "übersehen" werden. Der Krieg in Asien beschränkt sich in der Wahrnehmung der meisten Europäer zumeist aber auf Schlächtereien und Banzai charges auf sandigen kleinen Atollen.

    Was darüber hinaus geht ist In Europa leider im gleichen Masse wenig bekannt wie der europäische Teil der Geschichte in China. Ich kann daher ihre Schlussfolgerung/Forderung nur unterstützen.

  4. aus diesem "arisch" "indogermanischen" Denken?

    Antwort auf "Finde ich..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sehr alt - man kann es schon bei den alten Wikingern finden.

    • Zigarre
    • 12. September 2013 12:47 Uhr

    Verwundern tut das naütrlich nicht angesichts der Tatsache, dass im hiesigen Geschichtsunterricht China praktisch ausgeklammert ist. Mir wurde über die Region damals so gut wie nichts erklärt.

    Der zweitletzte Absatz des Artikels gefällt mir allerdings nicht besonders, da gerät man doch nur in den unendlich großen Sumpf der gegenseitigen Wutreden japanischer und chinesischer Nationalisten, dass man sich genug oder zu wenig entschuldigt habe bislang. Niemandem geht es um die Opfer und deren Nachfahren, sondern bloß um den moralischen Triumph.

    Auch zur Geschichte der Juden in Shanghai gibt es viel Interessantes zu lesen, sofern man den entsprechenden Geschichtsrevisionismus umschiffen kann. Leseempfehlung: Martin Kaneko: Die Judenpolitik der japanischen Kriegsregierung, Berlin 2008. Er beschäftigt sich umfassend mit dem Phänomen.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Was wissen wir schon über chinesische Geschichte?"

    Sicherlich mehr als die Chinesen selbst.
    Denn aus eigener Erfahrung kann ich ihnen sagen das in China die Untaten anderer Nationen mehr behandelt als die eigenen, und die guten Seiten der Geschichte werden außer acht gelassen, der Lehrplan ist noch immer streng kommunistisch gefärbt. Ähnlich wie in der ehem. DDR in der man den Aufstieg und des Dritten Reiches und den Holocaust nur mal eben erwähnt hat, und setzte wieder an bei der, Zitat "Glorreichen Erstürmung und Befreiung durch die rote Armee und Genosse Stalin, und nur durch sie." Auf Nachfragen bezüglich des stalinistischen Terrors wurde man des Raumes verwiesen, gefolgt von Extrastunden Staatbürgerkunde und einen Aufsatz für die FDJ.
    Durch den D-Day erfuhr ich erst nach der Wende in einer Doku.

    Und ähnlich ists auch in China.
    Vernichtung durch Arbeit gabs nur in Nazi-Deutschland
    Der große Sprung nach vorn hat nur gutes gebracht, niemand musste leiden.
    Kulturrevolution war eine friedliche.

    Auch gibt es Themen mit denen man ganz scnell von der Schule fliegt, wie etwa 4. Juni, unabhängiges Taiwan oder Tibet.

    Ein chinesischer Mitstudent war damals ganz schockiert als ich ihm sagte das man in europäischen Schulen Mao als Unmensch und Völkermörder behandelte, in einer Reihe mit Hitler, stalin und Pol Pot.

  5. 7. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich differenziert und sachlich. Die Redaktion/mak

    Antwort auf "Finde ich..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    gegeneinander aufzurechnen.
    Ich habe mich noch zuwenig mit China befasst, um eine Meinung dazu zu haben, ob man Mao eher zu Stalin oder zu Lenin "rechnen" kann.
    Die eigenen Leute umbringen ist so etwas wie Bürgerkrieg, Leute als Fremde auszugrenzen und zu vernichten, ohne dass diese in irgendeinem erkennbaren Gegensatz zum "deutschen Volk" standen ist grundsätzlich ein Verbrechen.
    Wie gesagt bei Mao weiss ich noch nicht.

    ...die 30 Millionen Menschen, die die Japaner auf den Gewissen haben; darunter 23 Millionen Chinesen.
    In dem Kontext des WWII ist China tatsächlich als "Opfervolk" zu betrachten; gänzlich unabhängig davon welche Vebrechen von eigener Seite folgten. Und auch da bleibt das chinesische Volk ein "Opfervolk", denn im großen Sprung nach vorn ist ebenfalls das chinesische Volk dem Kommunismus zum Opfer gefallen.

    • deDude
    • 12. September 2013 13:29 Uhr

    ... at it's best.

    • Rend
    • 12. September 2013 14:06 Uhr

    Maria Maier? Nicht zufällig der nächste Account von "Monika Maier" die schon 2 mal gelöscht wurde, zuletzt gestern oder vorgestern? Wie schaffen sie das nur immer wieder, naja aller guten Dinge sind Drei

  6. Er lobt den Kniefall des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt [...]"Die Japaner hingegen haben ihre Fehler nie wirklich eingestanden."

    Die formulierung finde ich unglücklich. Als deutscher muss ich sagen das ich keine Schlud an den Verbrechen meiner Urgroßeltern habe. Ja, selbst die Taten meiner Eltern habe ich nicht zu verantworten. Zu behaupten willy brandt hätte durch seinen Kniefall einen Fehler deutschlands eingestanden halte ich für äuserst...interessant... Die Taten in nazi deutschland waren schlecklich und, wie niemand müde wird zu betonen, dürfen sich auf keinen fall wiederholen. Aber weder wir noch die japaner sind schlud an der Vergangenheit.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ihre Argumentation käme hin, wenn Willy Brandt ein Täter des Dritten Reiches gewesen wäre - war er aber nicht.
    Sein Kniefall war ein Symbol für die Anerkennung der Verantwortung des "Tätervolkes" (ganz bewusst in Anführungszeichen!), deren Kanzler er war.

    Darum geht's.

    Wenn Sie allerdings mal aus Deutschland rauskommen sollten, werden Sie sehr schnell feststellen, dass Ihnen die Untaten der Generation Ihrer Groß- und Urgroßeltern sehr wohl um die Ohren gehauen werden.

    Und zwar zu Recht, es war Ihr Land, das diese Untaten begangen hat, und als heutiger Deutscher hat man sich dieser Diskussion zu stellen.

    Viel Spaß bei dem Versuch, einen Angehörigen eines der damaligen Opfervölker vom Gegenteil zu überzeugen.

    • Anarion
    • 12. September 2013 14:52 Uhr

    Aber man muss bereit sein sich der Vergangenheit des eigenen Landes zu stellen und sich damit auseinanderzusetzen und letztendlich Verantwortung zu übernehmen. Uns trifft keine persönliche Schuld, aber wir müssen uns der Schuld bewusst sein. Japan hat das nie getan.
    Hierzu auch der vor kurzem veröffentlichte Artikel über "Trostfrauen":
    http://www.zeit.de/wissen...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, sdo
  • Schlagworte Holocaust | Willy Brandt | Aggression | Ausstellung | Gedenkstätte | Museum
Service