JustizVergewaltiger von indischer Studentin schuldig gesprochen

Vier Inder sind in Neu-Delhi wegen Vergewaltigung und Mordes einer 23 Jahre alten Studentin schuldig gesprochen worden. Ihnen droht jetzt die Todesstrafe.

Die vier volljährigen Angeklagten im Fall der Gruppenvergewaltigung einer indischen Studentin sind schuldig gesprochen worden. Das Gericht in Neu-Delhi sah es als erwiesen an, dass die Männer die 23-jährige Frau im Dezember 2012 in einem Bus entführten, vergewaltigten und so schwer verletzten, dass sie später starb. Das Strafmaß wird erst für Mittwoch erwartet. Den Männern droht die Todesstrafe durch Erhängen.  

Die zwischen 19 und 26 Jahre alten Männer – ein Taxifahrer, ein Helfer in Bussen, ein Fitnessstudio-Mitarbeiter und ein Obstverkäufer – hatten ihre Schuld bestritten. Erst gegen Ende des Prozesses erklärte einer von ihnen laut seinem Anwalt, er habe den Bus gefahren, aber von den Vorgängen auf der Rückbank nichts mitbekommen. Nun wurden die Männer laut Staatsanwalt in allen Anklagepunkten wie Mord, Gruppenvergewaltigung, Entführung und Zerstörung schuldig gesprochen. 

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Die Familie des Opfers hatte bei der Urteilsverkündung Tränen in den Augen. Zuvor hatten die Angehörigen erneut die Todesstrafe für die Täter gefordert. "Die einzig mögliche Strafe für diese Männer, die solch ein brutales, abscheuliches Verbrechen begangen haben, ist die Todesstrafe. Wir werden nichts anderes akzeptieren, auch keine lebenslange Haftstrafe", sagte der 20 Jahre alte Bruder. Nur so könnten sie mit dem Tod des Familienmitglieds abschließen.

Bereits vergangene Woche war ein erster Angeklagter wegen der Gruppenvergewaltigung verurteilt worden. Da er zur Tatzeit erst 17 Jahre alt war, hatte er sich vor einem Jugendgericht verantworten müssen. Er erhielt drei Jahre Haft in einer Besserungsanstalt. Der sechste Verdächtige starb im Gefängnis. Der Hauptverdächtige war im März tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden worden, die Hintergründe sind noch unklar.

Die Gruppenvergewaltigung war das erste einer ganzen Reihe solcher Verbrechen, über die die indischen Medien ausführlich berichtet hatten. Nach landesweiten Demonstrationen verschärfte die indische Regierung die Strafen für Vergewaltigung. Die Polizei, die in der Vergangenheit oft Vergewaltigungsopfer fortschickte, nimmt jetzt mehr Fälle auf. Es gibt mittlerweile spezielle Notrufnummern für Frauen und Schnellgerichte, die sich mit Sexualstraftaten befassen.


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Leserkommentare
  1. Warum wird dieses Thema hier nur so groß aufgezogen? Hat darauf jemand eine Antwort?Urteile in Mord- und Vergewaltigungssachen gibt es bei uns auch und nur in den seltensten Fällen berichtet darüber Zeit Online. Was soll das also?

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    • hubermi
    • 10. September 2013 9:58 Uhr

    Meint die Zeit etwa auch auf diesen lächerlichen "Eilmeldung"-Hype aufspringen zu müssen, nur um aktuell zu wirken?
    Die Nachricht ist zwar durchaus positiv, aber was bitte ist daran eine Eilmeldung wert?

    Warum wird das Thema so groß aufgezogen? (abseits von der Eilmeldung)
    Weil es vor ein paar Monaten in Indien ein riesiges Thema war und aus diesem Grund auch hier als durchaus relevant aufgeschlagen ist. Mich hat das sehr interessiert - und ja, auch die Details.
    Wenn Sie darauf keine Lust haben, lesen Sie doch die Artikel, die Sie mehr interessieren....

    • lamara
    • 10. September 2013 19:02 Uhr

    wenn in einer Gesellschaft wo die Frau nichtsgilt, die Täter für eine Vergewaltigung die Todesstrafe bekommen, kann man nur hoffen dass die dann auch vollstreckt wird. Sollten wir in Europa auch mal drüber nachdenken denke ich.

    • hubermi
    • 10. September 2013 9:58 Uhr

    Meint die Zeit etwa auch auf diesen lächerlichen "Eilmeldung"-Hype aufspringen zu müssen, nur um aktuell zu wirken?
    Die Nachricht ist zwar durchaus positiv, aber was bitte ist daran eine Eilmeldung wert?

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    Antwort auf "Eilmeldung?"
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    • hubermi
    • 10. September 2013 13:24 Uhr

    Nur mal zur Klarstellung, damit ich nicht in die falsche Schublade gesteckt werde:

    Heute morgen war für ca. 45. min ein Banner "Eilmeldung: Vergewaltiger von indischer Studentin schuldig gesprochen" zu sehen.
    Zu dem Zeitpunkt gab es noch keinen Artikel dazu.

    Meine Kritik richtet sich ausschliesslich gegen diese Eilmeldung. Das finde ich, bei aller Tragik des Verbrechens, unangebracht.

    Dass darüber berichtet wird, finde ich jedoch durchaus richtig, aber bitte ohne Effekthascherei mit Eilmeldung.

  2. wegen Vergewaltigung seiner Ehefrau schuldig gesprochen, wäre dies auch eine Meldung wert gewesen. Es kommt immer darauf an, wie weit fortgeschritten eine Gesellschaft ist. Heute wird so etwas in Deutschland natürlich nicht mehr gemeldet.
    Würde hier allerdings die Todesstrafe wieder eingeführt (unabhängig von der rechtlichen Unmöglichkeit) und jemand zum Tode verurteilt werden, bin ich davon überzeugt, dass auch dies gemeldet würde, auch, wenn die Todesstrafe in Deutschland bis 1945 (bzw. in der DDR bis 1981, glaube ich) noch gang und gäbe war.

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  3. kann man nicht mehr von Vergewaltigung reden. Das war Folter, ein Massaker.

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    die dann in den Medien merkwürdigerweise fast verschwiegen werden, während um diese Fälle in Indien, am anderen Ende der Welt, ein Riesen-Hype veranstaltet wird. Woran liegt es? Da stimmt die Verhältnismäßigkeit nicht.

    • Rend
    • 10. September 2013 10:30 Uhr

    Da sind Horrorfilme harmloser, und das hier ist die Realität. Da kommt es einem einfach nur hoch.
    Wenigstens wird jetzt das Problem der Vergewaltigungen angegangen, wie mir scheint.

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    Mit der Todesstrafe...

  4. die dann in den Medien merkwürdigerweise fast verschwiegen werden, während um diese Fälle in Indien, am anderen Ende der Welt, ein Riesen-Hype veranstaltet wird. Woran liegt es? Da stimmt die Verhältnismäßigkeit nicht.

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    Grausamkeit - es geht darum, das dies in Indien bislang niemanden wirklich gekratzt hat. Und das scheint sich nunmehr zu ändern.
    Und das ist eine Meldung wert.

  5. Grausamkeit - es geht darum, das dies in Indien bislang niemanden wirklich gekratzt hat. Und das scheint sich nunmehr zu ändern.
    Und das ist eine Meldung wert.

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    Das behaupten Sie einfach so. Können Sie das auch belegen?

  6. Das behaupten Sie einfach so. Können Sie das auch belegen?

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    Der Fall dieser jungen Studentin wurde bereits im Frühjahr auf ZEIT-Online unter den Foristen diskutiert, also interessiert es viele <em>sehr wohl</em>, wie der Prozess in Indien ausgeht.

    Wenn Sie dieses Verbrechen nicht interessiert, ist das Ihr Problem.

    In Indien werden insbesondere in den ländlichen Regionen sowie in den Armenvierteln der Städte Frauen immer noch wie Waren gehandelt und verkauft. Knackpunkt ist dabei die sogenannte "Morgengabe". Diese wird von der Familie des Bräutigams in Form großer Geldzahlungen an die Familie der Braut entrichtet. Erfüllt die gekaufte Frau nicht den Erwartungen, passiert es oft, dass sie bei einem "Unfall" am Herd verbrennt. Wer sich die "Morgengabe" nicht leisten kann, kann auch nicht heiraten.

    Hinzu kommt, dass Frauen in vielen Religionen als "Unrein" gelten und der "Wert" einer Frau an Hand uralter Bücher bemessen wird. Es bleibt zu hoffen, dass auch in Indien ein Umdenken einsetzt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AP, dpa, AFP, mpi
  • Schlagworte Medien | Bus | Demonstration | Entführung | Gefängnis | Mord
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