IrakDutzende Tote bei Anschlag auf schiitische Trauerfeier

Bei der Explosion mehrerer Bomben sind in Bagdad mindestens 65 Menschen getötet worden. Das Ziel waren trauernde Schiiten. Seit Monaten nimmt die Gewalt im Irak zu.

Trauernde Frauen auf einer Beerdigung in Bagdad

Trauernde Frauen auf einer Beerdigung in Bagdad  |  ©Thaier Al-Sudani /Reuters

Bei einem Anschlag auf einer Beerdigung in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind 65 Menschen getötet worden. Mindestens 120 weitere sollen verletzt worden sein. Der Polizei und Sanitätern zufolge explodierte zunächst eine Autobombe neben einem Zelt mit Trauernden in dem schiitisch dominierten Stadtteil Sadr City. Kurz darauf habe sich ein Selbstmordattentäter in einem Auto in die Luft gesprengt. Als sich Polizei, Sanitäter und Feuerwehr am Ort des Anschlags einfanden, sei ein dritter Sprengsatz explodiert. 

Auch in anderen Städten gab es Angriffe. In der 200 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Baidschi griffen fünf Selbstmordattentäter in Polizeiuniformen eine Polizeiwache an und töteten die vier anwesenden Beamten. In der nordirakischen Provinz Niniweh erschossen bewaffnete Angreifer zwei Gefängniswachen, einen Soldaten und einen Leibwächter des Gouverneurs, zwei weitere Soldaten wurden von einem am Straßenrand versteckten Sprengsatz getötet. In der Provinz Kirkuk entführten und erschossen Bewaffnete einen Lokalpolitiker.

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Eineinhalb Jahre nach dem Abzug der US-Truppen hat die Gewalt im Irak in den vergangenen Monaten wieder massiv zugenommen. Vor allem sunnitische Extremisten, teils mit Verbindungen zur Islamlistenorganisation Al-Kaida, verüben Anschläge. Sie versuchen so, die Spannungen zwischen den muslimischen Glaubensrichtungen zu verstärken und die schiitisch dominierte Regierung von Ministerpräsident Nur al-Maliki zu stürzen.

Beobachter fürchten, dass das Land wieder in einen dauerhaften Konflikt zwischen religiösen Gruppen rutschen könnte. Den Vereinten Nationen zufolge wurden allein von April bis August 2013 ungefähr 4.000 Menschen Opfer von Gewalttaten. Allein im August wurden 800 Iraker getötet, im September gab es bislang mehr als 400 Tote.

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Leserkommentare
  1. 1. […]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Aussagen. Danke, die Redaktion/jp

  2. vor dem Einmarsch des Westens hinsichtlich Säuglingssterblichkeit, medizinischen Versorgung, Drogenabhängigkeit, Trinkwasserversorgung, Nahrungsmittelversorgung und Frauenrechten deutlich besser.

    Danke an demokratisch gewählten Herren: Bush, Blair und Konsorten, die die muslimische Welt ins Mittelalter katapultiert haben.

    9 Leserempfehlungen
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    Ins Mittelalter haben die sich schon selber katapultiert! Der Kampf und Hass zwischen Sunniten und Schiiten beginnt mit dem Tode Mohammeds und der Entstehung beider Richtungen.

    Bei aller Kritik an den USA, den Irakern wurde Selbstbestimmung gegeben und sie haben sich zu einem beträchtlichen Teil für Terror entschieden.

    der Westen ist im Zweifel an allem Schuld...

    Ich empfehle folgendes Interview

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/interview-mit-dem-pakistanischen-a...

    • Tawalis
    • 21. September 2013 22:38 Uhr

    Entfernt, da pauschalisierend. Danke, die Redaktion/jp

    Ohne Zweifel ist an dem voelkerrechtswidrigen Angriff der USA und GBs nichts schoen zu reden, auch ich wuerde mir wuenschen Herrn Blair in Den Haag vor Gericht zu stellen, was mit Herrn Bush aus juristischen Gruenden nicht machbar waere. Aber Tony Blair waere kein Problem und auch sehe hier eine durch nichts zu rechtfertigende Doppelmoral auch unserer Politiker am Werk. Aber nichts desto trotz, toeten derzeit Muslims im Irak andere Muslims, und mutmasslich werden die Sunnitischen Attentaeter von arabischen Golfstaaten unterstuetzt. Den Amerikanern jetzt die Schuld fuer alle Attentate in die Schuhe zu schieben und fuer die Konflikte zwischen Muslims verantwortlich machen zu wollen, geht zu weit. Denn unter Hussein wurde schlicht die schiitische Mehrheit unterdrueckt, die jetzt wiederum die sunnitische Minderheit unterdrueckt. Das Problem ist also nicht neu.

    "Danke an demokratisch gewählten Herren: Bush, Blair und Konsorten, die die muslimische Welt ins Mittelalter katapultiert haben."

    Sie tun so, als ob Muslime Kinder seien, nach dem Motte: Wenn Papa Bush ihnen Freiheit gibt, dann sprengen sie sich natürlich in die Luft. Dafür können sie nichts, sie sind ja unzurechnungsfähig...

    Merken sie nicht, wie rassistisch das ist?
    Die sunnitischen Täter im Irak sind erwachsene Menschen. Sie können andere Menschen töten oder sie können es sein lassen. Sie können im 21. Jahrhundert oder im Mittelalter leben. Mit Bush hat das wenig zu tun.

  3. Bezeichnenderweise sind so gut wie immer, oder immer, schiitische Gruppen das Ziel dieser Bombenanschläge auf Zivilisten. Da assoziiert man sofort ausser AlKaida auch die Saudis und die uns verbündeten Gruppen in Syrien. Obwohl sich sicher nicht immer ein direkter Zusammenhang herstellen lässt, finde ich es äusserst problematisch, dass wir mit diesen Machtansprüchen, und vor allem den Methoden, unter einer Decke stecken.

    Und all diese Entwicklung im Irak geht darüber hinaus auf den unverantwortlichen Überfall der USA zurück. Aber gelernt haben sie nicht, wollen sie wohl auch gar nicht. Denn sie wollen jetzt in Syrien, wie auch in Libyen geschehen, diesen Kampf der Religionsgruppen sofort auslösen, indem sie nicht einmal versuchen wollen, die Situation mit einer befristeten Militärdiktatur zu beruhigen. Zugegebenermassen wäre dies erwiesenermassen vergebene Mühe, denn klappen tuts eh nicht. Insgesamt ist diese Menschenrechtspolitik mit Bomben ein totaler Reinfall.

    2 Leserempfehlungen
  4. Ins Mittelalter haben die sich schon selber katapultiert! Der Kampf und Hass zwischen Sunniten und Schiiten beginnt mit dem Tode Mohammeds und der Entstehung beider Richtungen.

    Bei aller Kritik an den USA, den Irakern wurde Selbstbestimmung gegeben und sie haben sich zu einem beträchtlichen Teil für Terror entschieden.

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    Antwort auf "Da gings den Menschen"
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    "Bei aller Kritik an den USA, den Irakern wurde Selbstbestimmung gegeben"
    Lächerlich unreflektiert, diese Aussage. Was soll denn bitte "Selbstbestimmung" heissen?

  5. der Westen ist im Zweifel an allem Schuld...

    Ich empfehle folgendes Interview

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/interview-mit-dem-pakistanischen-a...

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Da gings den Menschen"
  6. "Bei aller Kritik an den USA, den Irakern wurde Selbstbestimmung gegeben"
    Lächerlich unreflektiert, diese Aussage. Was soll denn bitte "Selbstbestimmung" heissen?

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nanana!"
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    Was Nanana geschrieben hat ist richtig, man muss es nur verstehen können.
    Sie müssen das nicht als lächerlich bewerten, halten Sie sich an die Nettikette.
    Sie können ja Ihre andere Meinung begründen, anstatt die Meinung eines Kommentatoren nur diffamierend zu bewerten.

    • Tawalis
    • 21. September 2013 22:38 Uhr
    7. […]

    Entfernt, da pauschalisierend. Danke, die Redaktion/jp

    Antwort auf "Da gings den Menschen"
  7. sagte mir eine deutsche Lehrerin, die mit einem irakischen Prof, für Stadtentwicklung verheiratet ist, man könne im Irak ganz gut leben.

    Die Familie und Nachbarschaft spielen eine große Rolle. Man werde dort freundlich aufgenommen, auch als blonde Norddeutsche, die nicht Muslima ist..
    Die Politik von Saddam sei grenzwertig, es seien einige Menschen aus dem Land geflohen vor den brutalen Nachstellungen von Saddam..

    Und was ist jetzt?

    Chaos in dem Land. Die Politik der Destabilisierung greift . Jeden Tag Opfer von Anschlägen. Gewollt ?

    Bürgerkrieg, der täglich Menschenleben fordert.

    Es q

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, fin
  • Schlagworte Irak | Anschlag | Auto | Feuerwehr | Hauptstadt | Konflikt
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