Heiko Zander hat noch nicht entschieden, welche Partei er bei der kommenden Bundestagswahl wählen wird. Er nimmt an der Wahlparty des Blauen Kamels teil, ein Berliner Aktionsbündnis für Menschen mit Behinderungen. Zander hört den Kandidaten der verschiedenen Parteien aufmerksam zu. Ab und zu nickt er. Beim Applaus hält er sich meistens zurück. 

Nur als die Politiker auf das Thema gerechtes Wohnen zu sprechen kommen, kann er nicht still sitzen bleiben. Er stützt sich auf den Vorderstuhl und steht auf – ein stämmiger Mann mit Brille und einem weißen Stirnband. Er und die anderen Bewohner seiner Wohngemeinschaft wollten sich eine neue Wohnung suchen, erzählt er. Sie würden gerne zentraler wohnen, denn es sei schwierig, vom südlichen Rand Berlins am Leben der Stadt teilzunehmen. Doch die Vermieter würden eine Weile um den heißen Brei reden, bis sie zu verstehen geben, dass sie keine Behinderten in ihrem Haus wollten.

Lars Zimmermann, der Kandidat der CDU, zeigt sich empört: Diese Form der Diskriminierung dürfe es in Deutschland überhaupt nicht geben, sagt er. Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Gregor Gysi, empfiehlt Herrn Zander, rechtlich gegen den Vermieter vorzugehen. Die Beauftragte für Inklusion und Menschen mit Behinderung der Piraten, Ulrike Pohl, und die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, pflichten ihm bei.

Eine Klage einleiten? Kaum zu schaffen

Herr Zander bedankt sich und setzt sich kopfschüttelnd wieder hin. Solche Sprüche hört er oft. Er ist schon mehrmals auf den Wahlpartys des Blauen Kamels gewesen, zu dem sich Berliner Träger der Behindertenhilfe zusammengeschlossen haben. "Die Politiker sagen uns gerne, wir sollen unsere Stimme hörbar machen. Wissen sie aber, was das für uns heißt, eine Klage einzuleiten? Die Gesetze, die Bürokratie… Selbst mithilfe eines Betreuers ist das kaum zu schaffen. Nein. Wir bleiben, wo wir sind."

Im Publikum der Wahlparty geht es vielen wie Herrn Zander. "Klar gehe ich wählen!", steht auf den Ansteckern, die bei der fünften Wahlveranstaltung des Blauen Kamels verteilt werden. "Klar gehe ich wählen", sagt auch Christiane Bracht, die mit ihrem E-Rollstuhl durch das Kesselhaus der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg fährt. Sie ist eine Veteranin dieser Veranstaltung. Ob Bundestagswahl oder Abgeordnetenhaus, Frau Bracht ist gerne dabei.