Bei einem bewaffneten Überfall auf ein Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi sind mindestens 39 Menschen getötet worden. Mehr als 150 weitere wurden verletzt, wie der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta mitteilte. Die meisten Opfer waren Kenianer, dem französischen Präsidenten François Hollande zufolge sind auch zwei Franzosen getötet worden. Der Überfall auf das Einkaufszentrum war der schwerste Terroranschlag in Kenia seit einem Sprengstoffanschlag auf die US-Botschaft vor 25 Jahren.

Die maskierten Angreifer waren zur Mittagszeit in das Luxus-Einkaufszentrum Westgate im Bezirk Westlands eingedrungen und hatten um sich geschossen. Sie sollen mit automatischen Gewehren und Granaten bewaffnet gewesen sein und Geiseln genommen haben. Augenzeugen berichteten von einer schweren Explosion. Fernsehbilder zeigten, wie Menschen in Panik aus dem Einkaufszentrum stürmten.  

Das Militär umstellte die Shoppingmall. Ein Sprecher sagte, die Angreifer seien in einem der Stockwerke isoliert und dort eingekreist worden. Über dem Komplex seien Hubschrauber unterwegs, auch Maschinen der Luftwaffe seien im Einsatz, teilte das Verteidigungsministerium mit. Eine Antiterroreinheit sei vor Ort. Präsident Kenyatta sagte, oberste Prioriät sei, das Leben der verbleibenden Geiseln zu schützen. Inzwischen seien schon Hunderte Menschen aus dem Einkaufszentrum in Sicherheit gebracht worden.

Am Abend hatte sich die islamistische Al-Shabaab-Miliz aus Somalia via Twitter zu dem Anschlag bekannt. Die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündeten Aufständischen verbreiteten über den Kurznachrichtendienst die Mitteilung: "Was die Kenianer im Westgat erleben, ist ausgleichende Gerechtigkeit für Verbrechen, die ihre Armee verübt hat."

Muslime wurden verschont

Zur Zeit des Angriffs fand in dem Einkaufszentrum eine Veranstaltung für Kinder statt. Die Angreifer gaben vor dem Gebäude zunächst Gewehrsalven ab und eröffneten dann das Feuer auf Menschen im Eingangsbereich, berichtete ein Augenzeuge. "Sie gingen einfach da rein und warfen eine Granate. Wir rannten weg und sie eröffneten das Feuer", sagte der junge Mann. Er habe sich zwei Stunden lang im Parkhaus versteckt, bevor er geflohen sei. Ein anderer Augenzeuge berichtete, die Bewaffneten hätten gesagt, dass diejenigen unter den Menschen im Einkaufszentrum, die Muslime seien, gehen dürften.

Schon seit Langem warnen Sicherheitsbehörden vor möglichen Terroranschlägen in Einkaufszentren in Kenia. Auch im Westgate werden alle Fahrzeuge vor der Fahrt aufs Parkdeck oder in die Tiefgarage kontrolliert, an den Eingängen werden die Besucher in der Regel mit Metalldetektoren untersucht. 

Das Einkaufszentrum, das Geschäfte, ein Kino und ein Kasino beherbergt, gilt als beliebter Treffpunkt für wohlhabende Kenianer und Ausländer. In der Vergangenheit hatte die militante somalische Gruppe al-Shabaab damit gedroht, die Mall anzugreifen. Kenianische Streitkräfte waren vor zwei Jahren in das Nachbarland Somalia eingedrungen, um dort bei der Bekämpfung islamistischer Gruppen zu helfen. Seitdem gibt es Anschlagsdrohungen.