Katholische Kirche : Taube, Adler, Spatz – Franziskus

Papst Franziskus reißt die katholische Kirche aus der permanenten Selbstbeschäftigung. Niemand weiß, ob seine Kirche das überlebt – oder er selbst. Ein Kommentar
Ein Papst, der selber leben will: Franziskus © Tony Gentile/Reuters

Ist dieser Papst überhaupt katholisch? Oder ist er eher Buddhist? Franziskus, der Jesuit, hat der Zeitschrift des Jesuitenordens ein Interview gegeben. Frage-Antwort. Doch der da gefragt wird, hat gar nicht auf alles eine Antwort. Wie umgehen mit Homosexuellen? Mit Menschen, die zum zweiten, dritten, vierten Mal verheiratet sind? Mit Frauen, die verzweifeln, weil sie ein Kind erwarten? Er denkt nach, setzt neu an, erst nach vielen Sätze benutzt er zum ersten Mal das Wort "müssen": "Man muss immer die Person anschauen", sagt er. 

Hinsehen, hinhören, mitfühlen, begleiten, den Menschen vertrauen will Franziskus. Das klingt eher nach dem Dalai Lama als nach dem Oberhaupt der katholischen Kirche. Bisher war die Kirche ein fein ziseliertes Herrschaftssystem aus Schuld und Strafe, aus Denunziation der Lauen und Belohnung der Strammen, aus Ämterhuberei und Demutsbekundungen. Ginge es nach diesem Papst, dann wäre es damit bald vorbei.

Noch ist unklar, wie viel Franziskus inmitten der alten Seilschaften des Vatikans tatsächlich zu sagen hat, auch deshalb spricht er mit Journalisten. Er umgeht die traditionellen Netzwerke. Er will raus, er will unter Leute, er will leben und nicht von purpurnen Eminenzen gelebt werden. 

Niemand weiß, ob seine Kirche das überleben wird und ob Franziskus lange im Vatikan überlebt. Denn viel zu viele haben sich komfortabel in den Schützengräben permanenter Selbstbeschäftigung eingerichtet: die Linken und die Rechten, die Laien und die Geweihten, die Prälaten und die Kirchenhasser, die Rebellen und die Duckmäuser.    

Was die Kirche heute brauche, sei die Fähigkeit, "die Wunden zu heilen und Herzen der Menschen zu wärmen", sagt Franziskus. Er sehe sie wie "ein Feldlazarett nach einer Schlacht". Franziskus nimmt allen ihre Lieblingswaffen weg, den einen die edelsteinbesetzten Kreuze, den anderen die Reformpapiere. Und er hofft, dass unter güldenen Gewändern und Bergen von Beschlussvorlagen ein anderer Katholizismus zum Vorschein kommt: einer, der die Welt gerechter, friedlicher und freier macht. Einer, der fragt:  Wie kann ich dir helfen? Und nicht: Selbst schuld, dass du am Boden liegst!

Franziskus taugt nicht zum Feindbild

Ein frommer Wunsch. Mit der Bergpredigt könne man nicht regieren, sagte dereinst Helmut Schmidt. Das mag für den Staat stimmen, für die Kirche aber nicht. Wo, wenn nicht dort, sollte Jesus etwas zu melden haben?

Dieser Jesus sagte auch: "Seid klug wie die Schlangen." Franziskus hält sich auch daran. Er erweist sich als gewitzter und gewiefter Interviewpartner. Er umarmt verbal den emeritierten Papst, damit er die Benedikt-Verehrer nicht gegen sich aufbringt. Er verspricht den Frauen mehr Einfluss, damit auch sie mit ihm zufrieden sind. Er erwählt Kardinäle zu seinen Beratern, damit sich der hohe Klerus nicht völlig verprellt fühlt. Er lässt durchblicken, dass er belesen ist, aber am liebsten liest er das Testament seiner mutigen Großmutter Rosa. Um ein Christ zu sein, darf man Theologie studiert haben, aber man muss es nicht, heißt das. Ein Glaube, der das Leben fürchtet, ist keiner, heißt das auch.    

Natürlich lässt sich dieses Interview mit den üblichen kirchenkritischen Instrumenten auseinandernehmen: Nein, er hat den Frauen nicht die Weihe versprochen. Nein, er hat nicht angekündigt, alle Kunstschätze des Vatikan für die Armen zu verkaufen. Das Vermögen der Vatikanbank hat er auch noch nicht nach Burkina Faso überwiesen. 

Aber zum Feindbild taugt dieser Papst nicht. Gemeinhin werden jedem Pontifex alle Verbrechen des Christentums angelastet. Franziskus schützt sich entwaffnend davor, für Kreuzzüge, Inquisition und Hexenverbrennung verantwortlich gemacht zu werden: "Ich bin ein Sünder, den der Herr angeschaut hat", sagt er. Wer will so einem böse sein?

Mit jedem Telefonat, mit jeder Predigt, mit jedem Interview macht Franziskus seinen Kardinälen klar: Ihr habt einen schrägen Vogel zum Papst gewählt, eine wilde Mischung aus Taube, Adler und Spatz. Man könnte auch schlicht sagen: Vielleicht hat den Mann der Himmel geschickt.   

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Kommentare

37 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Permanente Selbstbeschäftigung?

Es sind wohl eher andere als die Kirche, die sich permanent mit den für Außenstehenden "kritischen" Punkten beschäftigen. Da liegt lediglich eine Wahrnehmungsverzerrung vor. Beispiel: die angeblich sensationellen Äußerungen von Franz zur Homosexualität. Ein Blick in den Katechismus hätte genügt, um festzustellen, dass der heilige Vater nichts tat, als die katholische Lehre wiederzugeben, aber auf einmal überschlagen sich alle vor Freude. Es hat sich nichts verändert; der Papst ist eine Projektionsfläche. Warum die Unfehlbaren des Zeitgeistes auf ihn, der nichts anderes sagt als sein Vorgänger, ihre Wunschvorstellungen projezieren, während sie ihre Abgründe auf seinen Vorgänger projezierten, mag verstehen wer will. Es ist und bleibt ihre eigene Befindlichkeit. Daran wird Franziskus in ihren Augen scheitern, und an nichts anderem.
Der Papst selbst ist und bleibt, was seine Vorgänger waren und seine Nachfolger sein werden. Es war vielleicht ein Fehler, sich den Namen eines der größten Heiligen auferlegt zu haben. Das zeugt von mangelnder Demut, daran könnte Franz in seinen eigenen Augen scheitern, aber das muss er mit seinem Gewissen ausmachen.

Franziskus taugt nicht als Reformator II

Er fürchtet sich vor einer Männlichkeit im Rock [nicht aber vor Männern in Kleidern], denn die Frau habe eine andere Struktur als der Mann, Reden zur Rolle der Frau in der Kirche seien oft von einer Männlichkeitsideologie geprägt. (http://www.zeit.de/gesell...). Das heißt nichts anderes, als dass die Frau hübsch bei ihrem Leisten zu bleiben hat. Frauen können nicht ordiniert werden, weil Gott selbst Mann und Frau bestimmte Rechte und Pflichten zugewiesen hat, die ihrer jeweiligen Natur gerecht werden. Und der Mann ist und bleibt das Haupt der Frau, wie Jesus das Haupt der Kirche ist. Der Priester nimmt bei der heiligen Messe Christi Platz als dessen Stellvertreter ein. Wo kämen wir denn hin, wenn eine nicht gebenedeite Frau, also alle Frauen außer Maria, am Altar stünde? Noch nicht mal Maria wurde ordiniert, wie viel weniger können dann gemeine Frauen zur Priesterin geweiht werden.

Franziskus hat den Frauen nicht mehr Einfluss versprochen, er hat nur versucht, weibliche Würde von Funktion zu entkoppeln, um behaupten zu können, Frauen das Priesteramt zu verweigern, sei kein Indiz für mangelnden Respekt.

Frauen als Prieser geht gar nicht...

...das würde der Bibel wiedersprechen: Epheser 5:22-24:
"22 Die Weiber seien untertan ihren Männern als dem HERRN. 23 Denn der Mann ist des Weibes Haupt, gleichwie auch Christus das Haupt ist der Gemeinde, und er ist seines Leibes Heiland. 24 Aber wie nun die Gemeinde ist Christo untertan, also auch die Weiber ihren Männern in allen Dingen."

Weiter Bilbestelle:

"Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still. Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen" (1. Tim 2,12-14)
Und wenn einer sagt, das sei altmodisch, widerspreche dem Zeitgeit, kann ich nur erwiedern:" Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen." (Apg 5,29).

schade daß Ihre Bibelstellen so einseitig, also gelogen, sind

neben vielen! anderen (die Frauen hatten mit Jesus offenbar kein Problem, er war auch ein zu 100% gesunder Mann, körperlich, geistig, psychisch, emotional und charakterlich, also etwas was wir nicht kennen :( )

http://www.bibleserver.co... ff

Zur damaligen Zeit hatten Frauen ohne Männer kaum eine Überlebenschance.
Harte Feldarbeit, Schwerterschwingen zum Schutz (ist auch heute noch so, wer sich auf die Uno verläßt ist offensichtlich meistens verlassen) etc.
Mal eine solche Szene überlegen, die Feinde stehen vor der Stadt (normal), wollen sie ausplündern und alle massakrieren etc: Schatz gehst Du raus und verteidigst die Stadt und ich passe auf die Kinder auf oder andersrum?

Mausschubsen ist echter Männlichkeit nicht wirklich förderlich (hab neulich gelesen daß Holzhacken Testosteron maximal fördert, und letzteres fördert auch die Ehrlichkeit, für Wahrheit braucht man einen gesunden Rücken ;))
Es geht hier um Verantwortung! und Schutz der Familie nach außen hin, nicht um Herrschaft und Unterdrückung.

Wer seine Frau liebt liebt sich selbst....
Liebe schließt jede Form von Gewalt und Manipulation aus.

PS die Bibel ist alles andere! als trivial.
Sie ist sehr als alt (größtenteils "Bronzezeit"), sehr dick (der Koran hat ca den Umfang des NT), sehr! komplex und sehr!!! komprimiert
Nach 5-10maligem gesamten! Lesens (zB HfA) beginnt man erstmals langsam zu ahnen um was es eigentlich geht und daß sie etwas mit der real world zu tun hat...

Es steht ALLES in der Bibel

also auch das Gegenteil zu der von Ihnen zitierten Stelle aus dem Epheser-Brief. Lesen Sie z.B. Mt. 28, 5 -7: "Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten." Der Auftrag, den die Kirche für sich in Anspruch nimmt, Jesus Auferstehung zu verkündigen, richtet sich ursprünglich also an FRAUEN! Und dann sollen die keine priesterliche Funktion wahrnehmen können? Einfach lächerlich!!!