Papst Franziskus bei der Friedensandacht in Rom © Filippo Monteforte/AFP/Getty Images

Zehntausende Menschen sind dem Aufruf von Papst Franziskus gefolgt und bei einer Friedenswache auf dem Petersplatz in Rom für ein Ende der Gewalt in Syrien eingetreten. Im gemeinsamen Gebet rief Franziskus vor bis zu 100.000 Gläubigen zu einer friedlichen Lösung im Syrien-Konflikt auf. Christen, Muslime und Juden in vielen Teilen der Welt unterstützten die Initiative.

"Heute Abend bitte ich den Herrn, dass wir Christen und unsere Brüder und Schwestern aus anderen Religionen (...) mit aller Kraft ausrufen: Gewalt und Krieg sind niemals der Weg zum Frieden!" "Möge das Waffenrasseln aufhören", mahnte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Krieg bedeute immer das Scheitern des Friedens, er sei immer eine Niederlage für die Menschheit. "Wir haben unsere Waffen vervollkommnet, unser Gewissen ist eingeschlafen, und wir haben ausgeklügeltere Begründungen gefunden, um uns zu rechtfertigen."

Die Andacht im Vatikan gilt als eine der größten Massenveranstaltungen in einem westlichen Land gegen einen möglichen Militäreinsatz der USA in Syrien. Zugleich war die Friedenswache ein Novum in der katholischen Kirche. Nie zuvor gab es ein ähnliches Ereignis auf dem Petersplatz, obschon mehrere Päpste entschieden gegen Krieg und Gewalt gepredigt haben. Dennoch hob der Vatikan hervor, dass die Andacht rein religiöser Natur sei und kein politisches Ereignis.

Großmufti appelliert an Muslime

Flaggen in Regenbogenfarben flatterten über den Köpfen der Gläubigen. Bischöfe auf der ganzen Welt griffen die Initiative des Papstes auf und veranstalteten ähnliche Friedenswachen in ihren Bistümern, verbunden mit einem Tag des Fastens. Auch in Syriens Hauptstadt Damaskus versammelten sich Christen. Der Großmufti von Damaskus dankte dem Papst und rief die Muslime auf, sich ebenfalls an dem Tag des Fastens zu beteiligen.

Bereits in den vergangenen Wochen hatte Franziskus sich immer wieder für Dialog und Versöhnung in dem Bürgerkriegsland Syrien stark gemacht und ein militärisches Einschreiten strikt abgelehnt. Wesentlich ist dabei sein Friedensaufruf "Nie wieder Krieg" vom 1. September: "Wir wollen, dass in unserer von Spaltungen und Konflikten zerrissenen Gesellschaft der Frieden ausbricht." Zudem hatte Franziskus in einem Brief an den russischen Präsidenten und Vorsitzenden des G20-Gipfels, Wladimir Putin, dafür geworben, den Bemühungen um Frieden für Syrien eine Chance zu geben.

Der päpstliche Aufruf zum Gebetstag hatte ein starkes Echo ausgelöst, und auch aus den nichtchristlichen Religionen kam dafür viel Zustimmung. Muslime und Juden beteiligten sich an dem Gebet für den Frieden. Der Vatikan wertete die Initiative des Papstes als das "Herzstück" seines Einsatzes gegen Gewalt und Krieg, so wie Johannes Paul II. einst gegen den Golfkrieg mobil zu machen versucht hatte.