Mitglieder der Gewerkschaft Solidarność demonstrieren in Warschau. © Janek Skarzynski/AFP/Getty Images

Mehr als 100.000 Gewerkschafter haben in der polnischen Hauptstadt Warschau gegen die Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk protestiert. Die Regierung hatte zuvor mehrere unpopuläre Entscheidungen getroffen. So hatte sie das Renteneinstiegsalter angehoben und die Arbeitszeitbeschränkungen gelockert.

Die Demonstranten warfen Rauchgranaten und zogen mit Trillerpfeifen zum Schlossplatz. Sie trugen Banner und Schilder, auf denen sie unter anderem den Rücktritt von Tusks Regierung forderten. Die Gewerkschafter waren aus verschiedenen Teilen des Landes nach Warschau gekommen. Einige Demonstranten zelteten bereits seit Mittwoch vor dem Parlament.

Die Gewerkschaften Solidarność und OPZZ warfen der Regierung vor, den Interessen von Arbeitnehmern und deren Familien zu schaden. OPZZ-Chef Jan Guz sagte, die Proteste seien eine Warnung an die Regierung. Wenn diese die Arbeitsbedingungen nicht verbessere, "werden wir das ganze Land blockieren, wir werden jede Autobahn blockieren, jede Straße", so Guz, "Wir werden keine Politik akzeptieren, die zu Armut führt."

Nach Angaben der Behörden nahmen an den Protesten 100.000 Menschen teil, die Gewerkschaften gingen von 120.000 Demonstranten aus. Diese kritisierten unter anderem die kürzliche Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre. Zuvor hatte es für Frauen bei 60 und für Männer bei 65 gelegen. Zudem kritisierten die Gewerkschafter, dass in Polen massenhaft Menschen entlassen würden. Das Wirtschaftswachstum ist im vergangenen Jahr von 4,5 Prozent auf 1,9 Prozent zurückgegangen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 13 Prozent.

Die Regierungskoalition aus Tusks liberal-konservativer Bürgerplattform und der Bauernpartei hatte zuletzt deutlich an Popularität eingebüßt. Davon profitiert vor allem die nationalistische Partei für Recht und Gerechtigkeit des früheren Ministerpräsidenten Jarosław Kaczyński.