Wieso ist eigentlich immer noch nicht bekannt, ob der Limburger Bischof Tebartz-van Elst auf seinem Ryanair-Flug nach Rom ein Essen bestellt hat? Und wenn ja: Hat das Bistum bezahlt? Ein Hotdog an Bord kostet immerhin fünf Euro. Wäre das nicht verschwenderisch? Man kann sich schließlich auch selbst etwas mitbringen.

Kein Detail ist zu klein in dieser aufgeheizten öffentlichen Debatte, kein Randaspekt zu banal, um nicht mit einem Aufwand darüber zu berichten, als hinge Deutschlands Zukunft von Tebartz-van Elst ab. Nichts scheint seit Tagen wichtiger als die Frage, wie es zum Bau der Limburger Bischofsresidenz kam und wer dabei wann genau über die Kosten Bescheid wusste. Architekten werden befragt, Kirchenräte aufgesucht, selbst Angela Merkel äußert sich. Mit einer Akribie, die ihresgleichen sucht, wühlt sich die Öffentlichkeit durch das Leben eines bizarren Bischofs, als handle es sich um den Bauherr des Berliner Flughafens, von Stuttgart 21 oder der Elbphilharmonie.

Das ist Franz-Peter Tebartz-van Elst aber nicht. Was in Limburg geschieht, betrifft weder die meisten Deutschen noch ihr Geld. Sicherlich, man kann sich darüber echauffieren, dass ein Bau zu teuer wird. Man kann sich auch darüber aufregen, dass dabei offenbar die Kosten lange Zeit verheimlicht wurden. Und dass es sich dabei um einen Bischof handelt, dem das achte Gebot vorschreibt, er solle nicht falsch aussagen, macht es auch nicht besser. Doch nichts von all dem rechtfertigt den Platz und die Fülle, die das Thema in der öffentlichen Debatte einnimmt.

Bei den tatsächlichen Kosten dürfte die Aufregung eigentlich noch am geringsten sein. Es ist für den gemeinen Steuerzahler irrelevant, ob in Limburg fünf oder dreißig Millionen verbaut werden. 15.000 Euro für eine Badewanne, Modell Duravit Starck, mit Fußgestell und Nackenstützen? 100.000 Euro für einen hängenden Adventskranz?  Dort werden Kirchengelder eingesetzt, keine öffentlichen Mittel. Selbst wer Kirchensteuer zahlt, ist kaum betroffen: Solange man nicht unter den 669.271 Katholiken im Bistum Limburg ist, wird von der gezahlten Steuer kein Euro in den Bau fließen.

Es kann der Öffentlichkeit also ziemlich egal sein, wer da protzt. Sie profitiert sogar durch ein von allen Seiten als architektonisch stimmig gelobtes Gebäude. Auch für den Kölner Dom war schließlich ein gerüttelt Maß an Größenwahn nötig. 

Auf der moralischen Ebene wird es schon komplizierter. Die Kosten wurden offenbar verheimlicht, der Vorwurf der Lüge wiegt schwer. Doch für wen ist die katholische Kirche denn eine moralische Instanz? 24 Millionen Mitglieder hat sie in Deutschland. Doch selbst davon gehen nur etwa zehn Prozent jeden Sonntag in den Gottesdienst.

Sehr viele Menschen halten von der Moral der Kirche nicht viel. Ihre Positionen zu Fragen der Abtreibung, der gleichgeschlechtlichen Ehe oder der Sterbehilfe – geschenkt. Doch dann kommt einer wie Tebartz-van Elst und plötzlich soll die Kirche gefälligst der Hort des moralischen Handelns sein? Das passt nicht zusammen.  

Es geht hier nicht darum, den Limburger Bischof zu verteidigen. Es geht auch nicht darum, die Geheimnistuerei und die Lüge gutzuheißen. Es geht um die Frage, wie wichtig dieses Thema ist. Ist es tatsächlich das Top-Thema, wie Deutschlands Medien derzeit suggerieren? Eher nicht.

In jeder neuen Berichterstattung schwingt ein großes Maß an Häme mit: "Sieh her, auch der Bischof ist nicht besser". Dieses Grundgefühl wird von der Öffentlichkeit mit Wonne ausgekostet. Dabei wusste auch vor Tebartz van-Elst jeder, dass ein Bischof sicherlich nicht qua Amt ein besserer Mensch ist. Ja, die Kirche hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Und eine Kirche ohne Glaubwürdigkeit hat ihre Grundlage verloren. Doch wen die Kirche bisher nicht interessiert hat, dem sollten auch Limburg, Protz und Millionen herzlich egal sein.