Vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Nach dem Untergang eines Boots mit rund 500 Flüchtlingen an Bord seien bisher 94 Leichen aus dem Wasser geborgen worden, sagte ein Sprecher der Küstenwache. 151 Menschen seien bislang gerettet worden, es gebe aber kaum Hoffnung, weitere Überlebende zu finden.

Das Boot mit vor allem somalischen und eritreischen Flüchtlingen hatte nach Behördenangaben etwa einen Kilometer vor der Küste Feuer gefangen und war untergegangen. Unter den Todesopfern waren zwei Kinder und mehrere Frauen. "Die Überlebenden sind in einem Schockzustand", sagte die Bürgermeisterin Giusi Nicolini.

Nicolini sagte, Überlebende hätten selbst ein kleines Feuer angezündet, um die Küstenwache zu alarmieren, nachdem ihr Schiff eine Panne gehabt habe. Doch das Feuer habe sich ausgebreitet, die Flüchtlinge seien in Panik geraten und das Boot sei dann umgekippt. 

Zwei Fischerboote hatten den Alarm gegeben, woraufhin die Küstenwache und der Zoll jeweils ein Schiff entsandten. Auch mehrere Helikopter waren im Einsatz. "Die Menschen sind seit den frühen Morgenstunden im Wasser", sagte Nicolini. 

Papst Franziskus fordert stärkeres Engagement

Italiens Ministerpräsident Enrico Letta beklagte "eine immense Tragödie" und sagte wichtige politische Termine in Rom kurzfristig ab. Papst Franziskus reagierte empört auf die Nachricht. Dass schon wieder Flüchtlinge bei einem Schiffbruch ums Leben gekommen seien, könne nur als "Schande" bezeichnet werden. "Wir müssen uns zusammenschließen, damit diese Tragödien aufhören", sagte er. Franziskus hatte im Juli erst bei seinem Besuch auf Lampedusa die Gleichgültigkeit gegenüber Flüchtlingen kritisiert.

Auch die EU-Kommission reagierte bestürzt auf den Schiffbruch vor Lampedusa. "Es ist wirklich eine Tragödie, ganz besonders, weil auch Kinder betroffen sind", sagte EU-Regionalkommissar Johannes Hahn. Die zuständige Innenkommissarin Cecilia Malmström kündigte via Twitter einen Kurswechsel in der europäischen Einwanderungspolitik an.  

Kampf gegen Schleuser

"Wir müssen unsere Anstrengungen verstärken im Kampf gegen kriminelle Netzwerke, die die Verzweiflung von Menschen ausnutzen", sagte Malmström. Die Schleuser dürften keine Menschenleben in "kleinen, überfüllten und seeuntauglichen Booten" riskieren.  Dafür solle der Kontinent enger mit den Herkunftsländern zusammenarbeiten.  

Letztlich müsse die EU mehr Menschen eine legale Einwanderung ermöglichen und Asyl gewähren. "Dies [...] würde dabei helfen, die Zahl der Menschen zu vermindern, die ihr Leben in der Hoffnung aufs Spiel setzen, europäische Küsten zu erreichen", sagte Malmström.

Malmströms Sprecher in Brüssel forderte dafür eine bessere Zusammenarbeit der EU-Staaten. "Kein Land kann das Problem von Migrationsströmen alleine lösen." Aus innenpolitischen Gründen wehrten sich viele Länder gegen eine bessere europäische Zusammenarbeit. "Oft sieht man die Einwanderung noch als Bedrohung", sagte der Sprecher. "Man betont nicht die positiven Gesichtspunkte, die sie für die europäische Gesellschaft und Wirtschaft haben kann."    

Erst am Montag waren 13 Ägypter ertrunken, als ihr Schiff vor der Küste von Sizilien unterging.