Der führende innerkirchliche Kritiker des Bischofs von Limburg, der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz, bemängelt grundsätzlich die Auswahl und Amtsführung katholischer Bischöfe. "Es gibt ein identitäres Amtsverständnis, das die Erhabenheit der eigenen Amtsperson ins Irrwitzige steigert", sagte der Geistliche in einem Interview, das DIE ZEIT in ihrer am Donnerstag erscheinenden Ausgabe veröffentlicht. "Wenn solche Leute systematisch gefördert werden, dann ist das System Kirche krank. Es zieht Narzissten an."

"Die Not einer narzisstischen Grundstörung lässt sich traumhaft befriedigen im Bischofsamt", sagte zu Eltz, der als Stadtdekan von Frankfurt am Main für 150.000 Katholiken zuständig ist. Ein Defizit an normalen menschlichen Beziehungen werde durch ein Übermaß an Autorität kompensiert: "So ist das kolossale Scheitern vorprogrammiert."

Wer von dieser Höhe des Amtes herabfalle, der "zerschelle" wie jetzt Franz-Peter Tebartz-van Elst. Papst Franziskus hat den Bischof von Limburg am Mittwoch auf unbestimmte Zeit von seinem Amt suspendiert. Tebartz-van Elst soll nach dem Willen des Papstes "eine Zeit außerhalb der Diözese" verbringen; er könne sein Amt zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben, teilte der Vatikan mit.

Selbstkritik übte zu Eltz in Bezug auf die Karriere von Tebartz-van Elst: "Wir haben diesen Bischof gewählt. Wir können nicht so tun, als sei er vom Himmel gefallen." Das Limburger Domkapitel, das Tebartz-van Elst 2008 zum Bischof wählte, müsse sich fragen: "Wo haben wir Mitschuld? Wo haben wir versagt?" Der größte Fehler sei gewesen, den Bischof gewähren zu lassen: "Wir sind seufzend oder verärgert zur Tagesordnung übergegangen."