Die Tierärztin Nicole Tschierse hat im Juli per Facebook innerhalb weniger Tage mehrere Tausend Euro an Spenden gesammelt, um zwei Kühe zu kaufen und sie so vor der Schlachtung zu retten. Ich bin eine Freundin von Nicole und habe sie bei der Rettungsaktion unterstützt. Wir sind beide Veganerinnen aus Überzeugung.

Anfang Juli untersucht Nicole Tschierse auf einem Schlachthof bei Augsburg Rinder, die noch am selben Tag geschlachtet werden sollen. Dabei fällt ihr eine braun-weiße Kuh auf, die laut schreit, sobald sie außer Sicht ist, sich aber sofort beruhigt, wenn sie sich ihr zuwendet. Nicole fragt den Landwirt, der die Kuh angeliefert hat, ob sie trächtig sein könnte. Der Landwirt zuckt mit den Schultern. Als Nicole ihn bittet, das Tier zu verschonen und wieder mitzunehmen, willigt er überraschenderweise ein.


Nicole will die Schlachtung der Kuh nicht nur aufschieben, sondern verhindern. Aber wie? 1.400 Euro kostet sie – so viel, wie der Bauer vom Schlachthof bekommen würde. Hinzukommen Kosten für den Unterhalt, denn auf Nicoles kleinem Tiergnadenhof ist kein Platz mehr.

Sie initiiert eine Facebook-Veranstaltung, um auf die Situation der Kuh aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln. Die Aktion wird ein voller Erfolg: Innerhalb von drei Tagen melden sich mehr als 600 Menschen und spenden mehrere Tausend Euro. Die Spender sind nicht nur Tierschutzaktivisten und Veganer, es ist zum Beispiel auch ein Schulkind dabei, das die letzten zwei Euro seines Taschengeldes gibt. Ein Spender postet: "Ich habe zum ersten Mal ein lebendes Stück Rind gekauft. Das war plötzlich ein gutes Gefühl."

In der Facebook-Gruppe wird auch über einen Namen für die gerettete Kuh diskutiert. Die Wahl fällt auf Chaya. Der Name kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie "Mutter des Lebens". Weil so viel Geld zusammengekommen ist, kann Nicole noch eine zweite Kuh aus dem Bestand des Bauern kaufen. Sie entscheidet sich für ein zierliches schwarz-weißes Tier mit Hörnern und tauft es Dani, nach der Administratorin der Facebook-Gruppe.


Auch einen gemeinsamen Platz für die beiden Kühe finden wir mithilfe von Facebook: Hof Butenland in Butjadingen, in der Nähe von Bremerhaven. Weit entfernt zwar, aber ein idealer Ort für Chaya und Dani. Der Hof verfügt über 30 Hektar Land und gehört einer Stiftung, die sich als Botschafterin einer neuen Mensch-Tier-Beziehung versteht. Das Töten von Tieren ist auf dem Gelände verboten.

Ende Juli werden Chaya und Dani mit einem geräumigen Transporter zum Hof Butenland gefahren. Zum ersten Mal sehen sie dort grüne Weiden, denn ihr bisheriges Leben haben sie im Stall verbracht. Die beiden Tiere fühlen sich sofort wohl und sind seit ihrer Ankunft richtig aufgeblüht.

Unsere Aktion zur Tierrettung geht indessen weiter: In den letzten Wochen hat unsere Facebook-Gruppe einen Ochsen und ein Kälbchen vor dem Schlachter gerettet. Außerdem haben wir einen kurzen Film produziert und auf YouTube bereitgestellt, in dem die Spender für Chaya und Dani ihre Motivationen deutlich machen.