Der Mann, der sich im NSU-Prozess an den Zeugentisch setzt, ist ein bulliger Typ. Seine Seitenhaare sind abrasiert, im Ohr steckt ein goldener Ring, vorne wächst ein kleiner Kinnbart. Thomas D. aus Dortmund ist ein Mann, dem eine Flecktarnhose stehen würde. Vielleicht sogar jemand, den man für einen Skinhead halten könnte.

Das tat jedenfalls D.s Nachbarin Veronika von A.. Anfang April 2006 beobachtete sie eines Nachmittags zwei Männer und eine Frau, ganz in schwarz gekleidet, auf dem Grundstück nebenan. Eine beunruhigende Erscheinung, sagte sie. Neben dem Grüppchen habe ein weiterer Mann gestanden und seinen Garten präsentiert – ein Skinhead in Flecktarnhose. Die Leute in Schwarz identifizierte A. später als Beate Zschäpe und ihre Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, vergangene Woche sagte sie im NSU-Prozess aus.

Damit wurde die kurze Beobachtung zu einer aufregenden Episode im Verfahren. Denn in derselben Woche, am 4. April 2006, wurde in Dortmund der Kioskbetreiber Mehmet Kubasik erschossen. Die Aussage könnte ein Beweis für die Mittäterschaft von Beate Zschäpe sein. Bisher ist in keinem Fall erwiesen, dass Zschäpe sich in der Nähe eines der Tatorte aufgehalten hätte.

Flecktarn als Mode

Thomas D. lebte von 2003 bis 2010 in dem Haus im Ortsteil Brackel. Am Dienstag ist der Handwerker in München als Zeuge geladen. Lud er sich mutmaßliche Terroristen nach Hause ein? Seine Vernehmung
liefert darauf keine Hinweise.

Denn D. liefert eine Reihe von plausiblen Erklärungen für das, was seine Nachbarin aus dem Dachfenster erspäht haben will. "Das wird Besuch gewesen sein", sagt er. Am 31. März 2006 hatte er Desiree kennengelernt. Im April besuchte sie ihn, nur wissen beide nicht mehr genau, wann. Auch D.s Schwager und Neffe kamen vorbei. Der Schwager sei rund 1,80 Meter groß, trage die Haare kurz und sei sehr schlank – eine Beschreibung, die auch auf Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zutrifft.

Auch zwischen D.s heutiger Frau und Beate Zschäpe lassen sich durchaus Ähnlichkeiten feststellen: Zu ihrer Aussage kommt sie mit zusammengebundenen Haaren und Brille in den Gerichtssaal. Nicht auszuschließen, dass man sie in der Dämmerung mit Zschäpe verwechseln kann. Und ja, sagt D., er habe damals eine Flecktarnhose besessen – "das war eine Zeitlang Mode".

A. hatte noch weitere Auffälligkeiten erwähnt: Spätabends habe ihr Nachbar auf dem Grundstück "Grabungen" vorgenommen, sie habe gar vermutet, dass dort Mitglieder der rechten Szene Beweise verklappen wollten. Zudem habe im Garten eine Schaukel gestanden, auf der niemand schaukeln konnte, weil sie direkt an die Grundstücksmauer stieß. D. erzählt, er habe damals einen Teich angelegt. Diesen habe er jedoch wieder zugeschüttet, weil der Baum vom Nachbargrundstück so viel Laub abwarf. Die Schaukel habe er im Garten verschoben, um überall den Rasen mähen zu können.