Es ist eine Geschichte wie aus einem Agententhriller. Sie beginnt 1996 in Tschechien und endet 2011 in der Asservatenkammer des Bundeskriminalamtes. Sie handelt von klandestinen Transporten und rechtsextremen Seilschaften. Am Ende sind neun Menschen tot.

Am Mittwoch befasst sich der NSU-Prozess mit dem Transport der Pistole Ceska 83, mit der Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt laut Anklage in Deutschland lebende Migranten erschossen. Nur so viel ist bisher gesichert: Die Waffe kam über die Schweiz nach Deutschland. Wie sie in die Hände der mutmaßlichen Terroristen gelangte, wurde vor Gericht erst zum Teil behandelt.

Auf der Münchner Anklagebank sitzt auch der letzte Mittelsmann auf dem Transportweg, der Angeklagte Carsten S. Er hat gestanden, sie im Auftrag des ebenfalls angeklagten Ralf Wohlleben in einem rechten Szeneladen in Jena gekauft und später nach Chemnitz gebracht zu haben. Dort übergab er sie an Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.

1996 in der Schweiz registriert

Was zuvor geschah, hat die Bundesanwaltschaft rekonstruiert. Drei Schweizer aus der Nähe von Bern waren an Kauf und Transport beteiligt – der Waffenhändler Franz S., sein Kunde Peter Anton G. und dessen Bekannter Hans-Ulrich M., der sie nach Deutschland gebracht haben soll. Alle drei sind als Zeugen geladen, doch G. und M. erscheinen erst einmal nicht – die Sitzung am Donnerstag fällt deswegen aus.

Das Gericht kann sich also vorerst nur auf Franz S. stützen, der bis 2005 sein Waffengeschäft führte. Heute arbeitet er als Transportunternehmer. Den Ermittlungsergebnissen zufolge wurde die Ceska 1996 zusammen mit mehreren gleichen Modellen aus Tschechien an einen Großhändler in der Schweiz exportiert, im April erhielt sie Franz S.

Der Händler trug die Waffe in sein Registerbuch ein: Ceska Zbrojovka 83, Kaliber 7,65 mm Browning, Seriennummer 034678. Zum Lieferumfang gehörte nicht nur die Pistole an sich, sondern auch ein Schalldämpfer. "Waffen mit Schalldämpfer verkauften sich gut", erinnert sich S. Die Ceska habe es ausschließlich im Set zu kaufen gegeben.

Die Aussage passt zu den Angaben von Carsten S., der zu Prozessbeginn gesagt hatte, der Schalldämpfer sei bei der Pistole "halt dabei" gewesen. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mittelsmann dagegen vor, gerade der Schalldämpfer hätte ihn skeptisch machen müssen, dass die drei Untergetauchten die Waffe eben nicht nur zu ihrer Verteidigung brauchten.

Schon einen Tag, nachdem die Ceska bei Franz S. angekommen war, wechselte sie wieder den Besitzer. Peter Anton G. aus Steffisburg hatte zwei Exemplare bestellt und dafür den in der Schweiz nötigen Waffenerwerbsschein vorgelegt. Ein legaler Kauf, gut 1.000 Franken werde das Paket Pistole plus Schalldämpfer gekostet haben, schätzt der ehemalige Waffenhändler. Ob G. auch Munition bestellt hatte, weiß er nicht mehr. S. trug den Namen des Käufers ins Register ein und gab die Pistolen in die Post, dann war der Fall für ihn erledigt.

Dass die Waffe, die später bei den mutmaßlichen Terroristen landete, ausgerechnet aus der Schweiz kam, dürfte kein Zufall gewesen sein: Die Waffengesetze im Kanton Bern waren damals mehr als liberal. Als sie später verschärft wurden, wurde der Handel für S. so unrentabel, dass er seinen Laden aufgeben musste. Unter anderem erlaubten die Vorschriften vorher noch, dass Besitzer ihre Waffe an jemand anderes weitergeben konnten, ohne sich eine Berechtigung zeigen lassen zu müssen.