Deutschland ist im Lesen und Rechnen mal wieder nur Mittelmaß. Das betrifft nicht nur die deutschen 15-Jährigen, die im Pisa-Test untersucht wurden. Seit heute ist klar: Die Erwachsenen zwischen 16 und 65 können es nicht besser. Dies hat eine Untersuchung der OECD ergeben. Sieger des neuen Tests sind Finnland und Japan, Verlierer Spanien und Italien. Im Lesen liegen die Deutschen sogar unter dem Durchschnitt der 24 untersuchten Industrieländer, bei den Mathematik-Kenntnissen ein wenig darüber. 17,5 Prozent der Deutschen können nur kurze Texte mit einfachem Vokabular lesen und ihnen nur wenige Informationen entnehmen. 18,5 Prozent können in Mathematik nicht viel mehr als zählen und sortieren. Am Computer konnten die meisten nur einfache Aufgaben erledigen: E-Mails in bereits angelegte Ordner einsortieren, zum Beispiel.

Der OECD-Erwachsenentest PIAAC (Programme for the International Assessment of Adult Competencies) ist darauf ausgerichtet, Wissen in Alltagssituationen zu testen. Zum Beispiel sollten die Teilnehmer Preisnachlässe in Sonderangeboten im Supermarkt überschlagen, Grafiken über die Geburtenraten verstehen oder eine Temperatur von Grad Celsius in Fahrenheit umrechnen.

Warum eine Erwachsenenstudie? Reicht es nicht, die Schüler zu testen, um herauszufinden, wo Schwächen und Stärken des Bildungssystems liegen, was Lehrer können müssen, wie man die Chancen der Schüler verbessern kann?  Die Studie zeigt, dass Erwachsene weiter lernen – und lernen müssen. Gerade in Krisenländern wie Spanien und Italien werden die Menschen es schwer haben, wieder in der Berufswelt mitzumischen, wenn sie nicht die nötigen Kompetenzen haben. Zumal die heutige Arbeitswelt nur noch wenige Routineaufgaben und Arbeiterjobs benötigt. Zwar haben im Vergleich viele Spanier und Italiener einen Uniabschluss, aber etliche Niederländer und Japaner zwischen 25 und 34 Jahren schneiden mit nur einem Sekundarabschluss in den Tests besser ab als spanische und italienische Hochschulabsolventen.

Finnische 15-Jähre sind so gut wie die Erwachsenen

Trotz der enormen Unterschiede zwischen den Ländern hat die formale Schulbildung überall einen großen Einfluss darauf, wie gut Erwachsene lesen und rechnen. Und wer gut lesen kann, hat meist ein höheres Einkommen, ist politisch und sozial engagierter, ist seltener arbeitslos und krank. Die Qualität der Schulbildung spiegelt sich ebenfalls in den Testergebnissen: Die finnischen 15-Jährigen schneiden regelmäßig auch in den Pisa-Tests hervorragend ab – so wie nun die Erwachsenen.

Aber die Schule allein stellt nicht alle Weichen. Die jetzige Erwachsenen-Untersuchung zeigt, dass besonders junge Menschen bis 30 Jahre noch mal richtig viel dazulernen können: Was sie im Job brauchen, üben und lernen sie. Fort- und Ausbildungen helfen ihnen weiter. Aber natürlich ist da dieser Teufelskreis: Wer nur einen niedrigen Schulabschluss oder gar keinen hat, bekommt in vielen Ländern auch selten die Chance auf einen Job, in dem er seine Fähigkeiten weiterentwickeln kann.