In ihren Anfangsjahren waren die Grünen anfällig. Sie waren damals besonders bemüht, Anliegen von Minderheiten und Randgruppen ernst zu nehmen. Oft haben sie sie ungefiltert übernommen. So gelang es Pädophilengruppen, ihre Ideen in die Programme der jungen Partei einzuschleusen. Doch waren die Grünen längst nicht die einzigen, die unkritisch mit diesen Forderungen umgingen. Das steht in dem vorläufigen Zwischenbericht des Instituts für Demokratieforschung unter der Leitung des Göttinger Parteienforschers Franz Walter zur Pädophiliedebatte bei den Grünen.

Im ersten Grundsatzprogramm von 1980 wollten die Grünen die Paragraphen 174 und 176 im Sexualstrafrecht ändern. Nur Gewalt oder Missbrauch sollten bestraft werden. Sie übernahmen eine Zeit lang die heute erschreckend wirkende Idee, es könne einvernehmlichen Sex zwischen Kindern und Erwachsenen geben.

Wie aber agierten damals diejenigen, deren Arbeit sich damals um den Kinderschutz drehte? Auch in den Reihen des Kinderschutzbundes und von Pro Familia waren Pädophilen-Vertreter. Zum Beispiel trat der Präsident des Kinderschutzbundes der achtziger Jahre, Walter Bärsch, während seiner Amtszeit der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität (AHS) bei, die offen für die Legalisierung von Sex zwischen Kindern und Erwachsenen eintrat. Walter Wilken, der damalige Bundesgeschäftsführer und Kollege Bärschs, wusste davon und sagt, er hätte ihn aufgefordert, wieder auszutreten.

Aber sowohl Wilken als auch der heutige Präsident des Kinderschutzbundes Heinz Hilgers versichern, es wären im Kinderschutzbund zu keiner Zeit, Beschlüsse gefasst worden, die Sex mit Kindern gerechtfertigt hätten. Laut Wilken habe auch Bärsch nie etwas anderes vertreten, als dass es einvernehmlichen Sex zwischen Erwachsenen und Kindern nicht geben könne und dass es Gewalt sei. Wilken ist überzeugt, dass deshalb von einer Unterwanderung des Kinderschutzbundes keine Rede sein könne. Der Zwischenbericht der Göttinger Forscher mahnt jedoch eigene Forschungsanstrengungen an.

Der Tabubruch stand im Vordergrund

Liest man Zeitungsartikel aus den siebziger und achtziger Jahren, verstärkt sich der Eindruck, dass nur wenige die Pädophilen sonderlich ernst nahmen. Die einen, wie die Grünen, integrierten die Forderung nach Legalisierung von Sex mit Kindern in ihr Programm und erkannten dabei nicht den Kindesmissbrauch. Ihr Ziel war es, Tabus zu brechen, weil zum Beispiel Homosexuelle und andere Randgruppen noch immer als kriminell angesehen wurden. Pädophile wurden im Zuge dessen ebenfalls als Opfer betrachtet, nicht als Täter. Die links-liberale Szene hatte den berechtigten Wunsch, sich selbst und die nächste Generation sexuell aus düsterer Ahnungslosigkeit und Verschämtheit zu befreien. Andere, wie zum Beispiel Wilken, sahen in den Pädophilen bloß pubertäre Schreihälse, aber keine ernst zu nehmende Gefahr für Kinder. Irritierend fanden auch Franz Walter und seine Kollegen in ihrem Zwischenbericht, dass andere Parteien wie die CDU zwar vielen an den Grünen kritisierten – aber ausgerechnet das Pädophiliethema nicht.

Laut Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch begann erst in den 1980er Jahren ein lautloser kultureller Wandel des Begriffs Sexualität. Nach 1968 wurde Sexualität im linken Milieu lange positiv mystifiziert, "als Rausch, Ekstase und Transgression".  Deshalb wurde über Missbrauch und Vergewaltigung kaum geredet. Das passte nicht ins Konzept. Und beim Kinderschutzbund galt die Maxime "Hilfe vor Strafe". Selbst misshandelnde und missbrauchende Eltern sollten nicht kriminalisiert werden, man wollte ihnen helfen.