Sturmtief ChristianSieben Menschen sterben durch Herbststurm Christian

Schweres Sturmtief über Deutschland: In Gelsenkirchen und Schleswig-Holstein sind sieben Menschen gestorben, in Hamburg herrscht Ausnahmezustand.

Ein Sturm mit Orkanböen hat in Deutschland und Europa schwere Schäden angerichtet. Sieben Menschen wurden in Nord- und Westdeutschland getötet, in vielen Regionen kommt es seit Montagnachmittag zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Auf einer Landstraße bei Schortens in Niedersachsen stürzte ein Baum auf das Auto einer Frau, teilte ein Polizeisprecher mit. Auch in Flensburg wurde ein Autofahrer von einem Baum erschlagen. Der Sturm hatte dort auch schon einen Segler und einen Angler getötet. In Göhl bei Oldenburg in Holstein wurde eine Frau in ihrem Garten von einer umstürzenden Mauer erschlagen.

In Gelsenkirchen wurden zwei Menschen getötet. Ein Baum erschlug nach Polizeiangaben einen Autofahrer und den minderjährigen Beifahrer. Der Wagen sei am Montag von Essen nach Gelsenkirchen gefahren, als er außerhalb der geschlossenen Ortschaft von einem großen Baum mitten auf dem Dach getroffen wurde. Zwei weitere Kinder seien verletzt worden.

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In Hamburg hat die Feuerwehr am Nachmittag dem Hamburger Abendblatt zufolge den Ausnahmezustand ausgerufen. Zwar sei die Feuerwehr noch nicht an ihrer Leistungsgrenze angelangt, die Situation sei aber deutlich schlimmer als erwartet, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Der S-Bahn-Verkehr hat den Betrieb fast komplett eingestellt, auf dem Flughafen herrscht seit 15 Uhr beinahe Stillstand. Dort wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern gemessen. 

Am Flughafen Düsseldorf fielen ebenfalls mehrere Flüge aus. In Thüringen kam der Verkehr am Mittag auf der Autobahn 71 zwischen Ilmenau-West und Gräfenroda in beiden Fahrtrichtungen zum Erliegen, zuvor hatten sich mehrere Lastwagen quergestellt. Auch der Verkehr auf der A2 in Niedersachsen bei Helmstedt war zeitweise lahmgelegt. 

Für die nordfriesische Küste und das Elbegebiet im Norden gab das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie eine Sturmflutwarnung heraus. Vielerorts fegten Sturmböen durch Städte wie Frankfurt am Main oder Bremen, wo das Volksfest Freimarkt geschlossen wurde.

In Schleswig-Holstein wurde der komplette Regionalverkehr der Deutschen Bahn wetterbedingt eingestellt. Auch auf den Strecken von Berlin nach Hannover und von Berlin nach Hamburg kam es nach Angaben der Bahn wegen orkanartiger Windböen zu Verspätungen und Ausfällen im Regional- und Fernverkehr.

Starke Beeinträchtigungen gibt es auch in Niedersachsen, teilte die Deutsche Bahn mit. Linien des Regionalverkehrs in Mecklenburg-Vorpommern fahren nur eingeschränkt. Das schlimmste sei aber inzwischen überstanden, teilte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes mit.

In den Niederlanden kam es zu zahlreichen Unfälle. In Amsterdam wurde eine Frau in der Innenstadt an einer Gracht von einem umstürzenden Baum getötet, teilte die Polizei mit. Zwei Menschen seien in einem Auto zudem schwer verletzt worden, nachdem ein Baum auf sie gefallen war. Die Behörden der Stadt riefen die Bürger auf, in ihren Wohnungen zu bleiben.

In weiten Teilen des Landes ist der Verkehr behindert. Am Flughafen Schiphol wurden Dutzende Flüge annulliert. Eine Fähre aus dem englischen Newcastle mit rund 1.000 Passagieren an Bord konnte den nordniederländischen Hafen in Ijmuiden nicht mehr erreichen. Der Zugverkehr rund um die niederländische Hauptstadt wurde wegen umgefallener Bäume stillgelegt.

Am schlimmsten traf der Sturm Großbritannien. Dort wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometern gemessen. Damit war der Sturm einer der schwersten seit Jahren. Mindestens vier Menschen starben, zwei weitere gelten als vermisst, teilten Rettungskräfte mit.

In Kent im Süden Englands wurde eine 17-jährige Jugendliche in ihrem Wohnwagen im Schlaf von einem umstürzenden Baum erschlagen. In Hertfordshire meldete die Polizei den Tod eines Mannes um die 50, auf dessen Auto in Watford ebenfalls ein Baum fiel. Ein weiterer Mann kam offenbar bei einer Gasexplosion in seinem Londoner Apartment ums Leben. In East Sussex wurde schon am Sonntag ein Jugendlicher vom Strand ins offene Meer hinausgerissen. Die Suche nach ihm wurde mittlerweile eingestellt.

In Südengland wurden in einem Atomkraftwerk aus Sicherheitsgründen beide Reaktoren automatisch heruntergefahren. Nach Angaben des Energieversorgers UK Power Networks waren im Südwesten bis zu 270.000 Haushalte ohne Strom. Am Flughafen London-Heathrow wurden mindestens 130 Flüge im Inland und zu europäischen Zielen gestrichen.

Tote in Frankreich und Dänemark

An den beiden Flughäfen Gatwick und Stansted war die Schnellzugverbindung in die Londoner Innenstadt unterbrochen. Zwei Fähren mit über 450 Menschen an Bord saßen über zwei Stunden lang vor der englischen Küste fest, nachdem der Hafen von Dover geschlossen worden war. Auch beim Schnellzug Eurostar, der unter dem Ärmelkanal verkehrt, gab es Verspätungen.

Tote gab es auch in Frankreich und Dänemark. Auf der französischen Insel Belle-Île vor der Westküste des Landes stürzte eine Frau wegen einer Sturmböe ins Meer und ertrank. In Dänemark wurde ein Mann vor herabfallenden Dachziegeln erschlagen.

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Leserkommentare
  1. ich störe mich gerade ungemein an der Verwendung des Wortes "töten" im Zusammenhang mit einem Unwetter.

    als Definition von töten habe ich folgendes gefunden:
    "Unter Töten ist das zurechenbare Verursachen des Todes zu verstehen"

    und für zurechenbar steht im Duden folgendes:
    "die Tat muss dem Verdächtigen objektiv zurechenbar sein"

    Und ich das trifft offensichtlich nicht zu. Das vermittelt mir leider ein niedriges Niveau (Bild), auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist.

    fehlt nur noch: "darunter x Deutsche" ...

    Ich würde begrüßen, wenn Sie auf so etwas mehr acht geben.

    4 Leserempfehlungen
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    allein in Deutschland, das ist ein Fakt.

    Ihre haarspalterischen Definitionen zum Bergriff töten sind deshalb mehr als überflüssig und den bedauernswerten Angehörigen der Toten werden Ihre "Weisheiten" zum Thema töten sehr egal sein.
    Ursächlich für Ihren Tod war das Unwetter Punkt !

    Oder wollen Sie das "wegdiskutieren" ?!
    Sollten die Medien zu diesem Thema am besten schweigen das ein schweres Unwetter in Europa ursächlich für den Tod von Menschen in verschiedenen Ländern war, u.a. in Deutschland ?!

    Ich befürchte, sie haben nicht verstanden, was der User gemeint hat. Er hat nicht kritisiert, dass berichtet wurde, sondern wie und das völlig zurecht. Auch wenn es in ihren Augen noch so unscheinbare Fehler sind, so sind es doch vermeidbare Fehler und dürfen daher auch kritisiert werden.

  2. allein in Deutschland, das ist ein Fakt.

    Ihre haarspalterischen Definitionen zum Bergriff töten sind deshalb mehr als überflüssig und den bedauernswerten Angehörigen der Toten werden Ihre "Weisheiten" zum Thema töten sehr egal sein.
    Ursächlich für Ihren Tod war das Unwetter Punkt !

    Oder wollen Sie das "wegdiskutieren" ?!
    Sollten die Medien zu diesem Thema am besten schweigen das ein schweres Unwetter in Europa ursächlich für den Tod von Menschen in verschiedenen Ländern war, u.a. in Deutschland ?!

    10 Leserempfehlungen
  3. ...und der kann tödlich sein: Todesursache ist in der Regel Leichtsinn. In puncto Stärke hatten wir schon sehr viel stärkere und schlimmere Stürme. So den Orkan Quimburga vom 13.11.1972 oder den Adolph-Bermpohl-Orkan vom 23.2.1967 oder den Capella-Orkan vom 3.1.1976.

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    >Todesursache ist in der Regel Leichtsinn.<

    Todesursache sind in der Regel umstürzende Bäume oder herabstürzende Gegenstände, die zufällig und unvermutet Menschen treffen.

    Mit Verlaub, saudämlicher Kommentar!

    • mikonn
    • 28. Oktober 2013 19:50 Uhr

    Da beginnt mann Häuser häßlich anzuziehen, damit Mutternatur uns in Zukunft nicht ihre böse Seite zeigt , und was macht das olle Mistvieh, es zieht sie einfach wieder aus.
    Ein tolles Bild für Klimawandelfetischisten jeglicher Art.

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    Beinhaltet ein Artikel auch nur die geringsten Anknüpfungspunkte zum Thema Klimawandel, so stürzen sich die notorischen Gegner wieder darauf. Was die Fassade der Uni Göttingen damit zu tun hat, bleibt ein Geheimnis. Aber freilich, ein solcher Sturm ist ja ein wahrhaftiges Totschlagargument für alle Anti-Klimawandelfetischisten-Fetischisten.

  4. 5. Warum

    sind Segler und Angler bei einer Sturmwarnung unterwegs? Hier im Süden NRWs war der Sturm nicht so schlimm, ich kann mir kaum vorstellen, wie dabei ein Baum entwurzelt werden kann. Natürlcih eine üble Sache, aber ich frage mich auch, ob diese Aufzählung von Unglücksfällen nicht eher dem Voyeurismus als der Information geschuldet ist.

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    "... aber ich frage mich auch, ob diese Aufzählung von Unglücksfällen nicht eher dem Voyeurismus als der Information geschuldet ist."

    Ich wünsche Ihnen viel Glück dabei dass Ihnen nie ein Baum auf den Kopf fällt und Sie die Meldung darüber als Voyeurismus bezeichnen müssen.

    • redslug
    • 28. Oktober 2013 20:09 Uhr

    ..sieht mir nach angeklebter Wärmedämmung aus, die dort weggeweht wurde.

    • übel
    • 28. Oktober 2013 20:13 Uhr
    Antwort auf "Wollt doch meinen..."
  5. "... aber ich frage mich auch, ob diese Aufzählung von Unglücksfällen nicht eher dem Voyeurismus als der Information geschuldet ist."

    Ich wünsche Ihnen viel Glück dabei dass Ihnen nie ein Baum auf den Kopf fällt und Sie die Meldung darüber als Voyeurismus bezeichnen müssen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Warum"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sre
  • Schlagworte Deutsche Bahn | Autofahrer | Fernverkehr | Feuerwehr | Gelsenkirchen | Verkehr
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