Ein neues Gutachten zum Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh stellt fest, dass ein unbekannter Täter an dem Brand beteiligt war. Das sagte ein Sprecher der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh. Diese präsentierten ein neues Brandgutachten, das aus ihrer Sicht die These widerlegt, wonach der Asylbewerber das Feuer in seiner Zelle selbst gelegt haben soll.

Jalloh war am 7. Januar 2005 in einer Zelle der Dessauer Polizeiwache gestorben, weil dort ein Feuer ausgebrochen war. Jalloh soll in der Gewahrsamszelle mit einem Feuerzeug eine Matratze entzündet haben, obwohl er an Händen und Füßen gefesselt war.

Diese Theorie sei nun widerlegt worden, als Gutachter die Ereignisse nachstellten, sagte der Sprecher. Die Initiative habe nun beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe Strafanzeige wegen Totschlags eingereicht. Die Anzeige richte sich gegen unbekannte Polizeibeamte, sagte der Sprecher weiter.

Der Dessauer Oberstaatsanwalt Folker Bittmann sprach von "sehr ernsten, überraschenden und zum Teil erschreckenden Informationen". Voraussichtlich müsse jetzt ein neues Gutachten durch die Ermittlungsbehörden gestellt werden.

Bittmann wies die Vorwürfe zurück, dass die Ermittler absichtlich Erkenntnisse ignoriert hätten. Die Justiz hatte in mehreren Prozessen keine Anhaltspunkte für eine Fremdbeteiligung am Tod des Asylbewerbers im Januar 2005 gefunden.

Im vergangenen Jahr war ein Polizist in dem Fall wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro verurteilt worden. Die Nebenklage, welche die Familie Jallohs vertritt, hatte eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Freiheitsberaubung gefordert.