Und dann ist da natürlich die Sache mit dem Geld. Zahlt der Steuerzahler also auch noch die Bischofsgehälter! Das stimmt zwar nicht ganz, aber alleine der Gedanke taugt schon zum Aufreger. Wie alles, was irgendwie als echter oder vermeintlicher Beleg dafür herhalten kann, wie eng die Kirchen noch immer mit dem Staat verquickt sind.

Da hilft auch der Abwehrreflex vieler Kirchenleute nichts, die aufs Grundgesetz verweisen, wo in Artikel 140 der einfache Satz zu lesen ist: "Es besteht keine Staatskirche." Was heißen soll: Staat und Kirchen sind in Deutschland getrennt.

Denn das stimmt und stimmt doch nicht. Weshalb es an der Zeit wäre, endlich einen klaren Schnitt zu machen. Damit beide wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen: die Kirchen in ihrer Verkündigung, der Staat als weltanschaulich neutraler und unparteiischer Vermittler zwischen den gesellschaftlichen Gruppen.

Stattdessen schlingern die Kirchen hin und her. Einerseits wollen sie sich als eine unter anderen gesellschaftlichen Gruppen in den demokratischen Rechtsstaat einordnen. Wenn es beispielsweise um staatliche Zuschüsse für soziale Einrichtungen geht, vergleichen sie sich mit den übrigen freien Trägern wie der Arbeiterwohlfahrt oder dem Roten Kreuz. Andererseits beanspruchen die Kirchen Sonderrechte. Sie machen Ansprüche auf staatliche Leistungen aus Rechtstiteln geltend, deren Ursprung in Zeiten zu suchen ist, in denen Kirche und Staat noch nahezu eins waren.

Der Staat schlingert genauso. Im Grundgesetz hat er sich von der Kirche abgekoppelt. Aber in der Tagespolitik sind beide weiterhin eng verbunden. Zwar fordert die freiheitliche Demokratie geradezu, Religion als Privatsache zu betrachten und ihre Institutionen vom Staat zu trennen. Doch über Jahrhunderte geprägte Mentalitäten und Gewohnheiten verhindern, dass sich im politischen Raum eine Mehrheit findet, die das auch konsequent durchsetzt.

Besonders gut lässt sich am Beispiel der Staatsleistungen erklären, was die Sache so schwierig macht. Staatsleistungen bedeutet Geld in Millionenhöhe, das die Bundesländer den Kirchen jedes Jahr überweisen und mit dem diese unter anderem einen Teil der Gehälter ihrer Geistlichen bezahlen. Mit Kirchen sind hier die katholischen Bistümer und die evangelischen Landeskirchen gemeint.

So mächtig sind die Kirchen: Die Infografik erklärt, wie Staat und Kirche zusammenhängen © ZEIT ONLINE

Warum gibt es diese Leistungen? Es ließe sich jetzt ein ausführlicher historischer Exkurs einschieben, ein Rückblick auf den Augsburger Religionsfrieden von 1555, den Westfälischen Frieden von 1648, auf Napoleon und den Reichsdeputationshauptschluss.

Wichtig daran sind eigentlich nur einige Gedanken:

Im Zuge der verschiedenen Säkularisierungen eigneten sich damals die weltlichen Gewalten geistliches Vermögen beträchtlicher Höhe an. Im Gegenzug übernahmen die Herrscher die Verantwortung für die finanzielle Sicherheit der Kirchen.