Katholische Kirche : Papst will Kirchenreformen "auf allen Ebenen"

Papst Franziskus will Reformen der Kirche. Auch sein eigenes Amt schließt er nicht aus, dieses müsste stärker an heutige Anforderungen angepasst werden.
Papst Franziskus im Vatikan © Tony Gentile/Reuters

Papst Franziskus hat sich zu einer Reformierung seines Amtes bereit gezeigt. Er sei offen für Vorschläge, wie das Papstamt stärker an die von Jesus Christus gewollte Bedeutung und die heutigen Notwendigkeiten der Evangelisierung angepasst werden könne, teilte er in einem Dokument mit dem Titel Evangelii Gaudium (Freude des Evangeliums) mit. Radio Vatikan veröffentlichte eine Zusammenfassung.

Franziskus sprach sich für Reformen auf "allen Ebenen" der katholischen Kirche aus. Er lädt laut Mitteilung dazu ein, mutig und kreativ an einer Neuausrichtung der Ziele sowie der Methoden der Verbreitung des Evangeliums mitzuarbeiten.

Die Vollversammlung der Bischofssynode hatte bereits im Oktober zu der Frage getagt, wie eine Neuevangelisierung in einer säkularisierten und globalisierten Welt aussehen könnte. Das jetzt veröffentlichte Dokument basiert auf der Arbeit der Vollversammlung, enthält aber auch neue Ansätze.

"Notwendigkeit einer heilsamen Dezentralisierung"

In dem Schreiben gibt der Papst allgemeine Orientierungen vor, erwähnt aber auch eigene Ideen. So geht er in weiten Passagen auf die Verpflichtung der Gläubigen ein, sich den Armen zu widmen. Eine Kirche, die auf die Straße gehe sei ihm lieber als eine, die krank und verschlossen sei.

Mit Blick auf die Kompetenzen der Bischöfe erwähnte Franziskus die "Notwendigkeit einer heilsamen 'Dezentralisierung'". Die Bischöfe sollten die im Kirchenrecht vorgesehenen Mitspracheregelungen nutzen und im Dialog mit den Gläubigen alle anhören und nicht nur einige, die ihnen "Komplimente machen".

Bei den bereits von Papst Johannes Paul II. vorangetriebenen Bestrebungen einer Reform des Papstamtes gab es Franziskus zufolge nur ungenügende Fortschritte. Insbesondere die Forderung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) nach einer Stärkung der Bischofskonferenzen bei Entscheidungsprozessen habe sich nicht erfüllt, teilte er mit.

Papst bittet um Religionsfreiheit in islamischen Staaten

Die islamischen Staaten bat Franziskus "demütig", den Christen in ihrem Land die freie Ausübung ihrer Religion zu ermöglichen. Er erinnerte daran, dass auch die muslimischen Gläubigen in den westlichen Ländern Religionsfreiheit genössen. Besorgt zeigte sich der Papst über jüngste gewaltsame fundamentalistische Vorfälle, warnte aber gleichzeitig vor "abscheulichen Verallgemeinerungen". Der wahre Islam lehne jede Form von Gewalt ab, teilte er mit.

Nach Angriffen einer radikalislamischen Rebellengruppe auf ein christliches Dorf in Syrien sowie einem Selbstmordanschlag auf eine Kirche in Pakistan hatte auch das EU-Parlament im Oktober über Übergriffe gegen Christen geklagt.

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Kommentare

88 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Interesante Sichtweise

Meinen sie also wirklich das das Eigenkapital des IOR hier aussagekräftig ist? Die Bank hat alleine 1,2 Milliarden an Krediten vergeben. Vereinfacht also müssen sie diese Forderung auf das Haben der Bank anrechnen.

Und was den Reichtum der Kirche im allgemeinen angeht, ist das Institut für die religiösen Werke der kath. Kirche auch nicht der Maßstab.
Alleine das Vermögen der kath. Kiche in Deutschland beläuft sich auf ca. 170 Milliarden. Dazu gehöhren Geldreserven, Grundbesitz (ohne Kirchen), Firmen (z.B. Weltbild), Aktien usw.

Einfach mal das Violettbuch Kirchenfinanzen lesen.

MfG

Lärmige Propaganda ...

"Das würde bei einem aktuellen Eigenkapital von 769 Millionen Euro gerade mal die Hartz IV Kosten in Deutschland für _einen_ Tag decken."

Hoppala! Haben wir tatsächlich 60 Millionen Hartz IV-Bezieher in Deutschland? Da haben uns die Medien wohl nicht hinreichend informiert – ein einzelner Hartz IV-Bezieher bekommt nämlich rund 12,70 € pro Tag. Multipliziert mit 60 Millionen kommen wir da in etwa auf die von Ihnen erwähnten 769 Millionen Euro pro Tag.

Vatikan_Bank auflösen

Falls Sie es nicht gemerkt haben: Dieser Kommentar war offensichtlich ironisch gemeint - hier sollte der tatsächlich sagenhafte Reichtum von Firmenbeteiligungen, Immobilienbesitz etc. eben an die Armen verteilt werden. Aber das hat dieser Verein mit Sicherheit nicht im Sinn. Mir würde es zunächst einmal reichen wenn in Deutschland nicht mehr mit Steuergeldern eben diese Kirche unterstützt würde und z.B. die ganzen Protz-Bischöfe vom Staat bezahlt werden. Die Vereinsmitglieder können dann selbst entscheiden was in Ihrem Club passieren soll. Ich und eben viele andere die dieser seltsamen Organisation schon seit Jahren den Rücken gekehrt haben möchten wenigstens finanziell nichts mehr mit diesem Verein zu tun haben. Mit den Missbrauchsopfern vor allem der katholischen Kirche muss sich die Gesellschaft ja trotzdem auseinandersetzen und ihnen selbstverständlich helfen

@Guido007 #1

1) Die gesamten Einlagen der Vatikanbank betragen ~6Mrd. Euro [FAZ]. In Bayern hat jedes Dorf eine Volks.- und Raiffeisenbank mit höherer Bilanz. Die sagenhaften Reichtümer der Kirche sind genau das, nämlich sagenhaft.

2) Ja - dir Kirche hat große Immobilienbesitztümer. Nein, die lassen sich nicht monetisieren. Die Kirche könnte natürlich den Kölner Dom verkaufen, abreißen und dort durch einen Investor eine neue City-Galerie hochziehen lassen. Irgendwas sagt mir, dass den Leuten das auch nicht Recht wäre. 95% des kirchlichen Besitzes betrifft Immobilien, die nur faktisch einen Wert besitzen.

3) Der Statt unterstützt die Kirche in ihrer kirchlichen Arbeit mit keinen einzigen Cent, sondern lediglich kirchliche Einrichtungen, insofern diese auf das Gemeinwohl zielen, also Schulen, Altenheime und so weiter.. By the way: Atheistische Einrichtungen fördert der Staat natürlich auch. Wo ist ihr Problem? Soll der Staat sich aus der Förderung der sozialen Arbeit zurückziehen? Oder nur diejenigen fördern, die bestimmten ideologischen Leitlinien entsprechen?

4) Bischöfe sind in Deutschland staatlichen Beamte Punkt Beamte haben in Deutschland Anrecht auf Besoldung Punkt Noch mal: Was wollen sie sagen? Das nur noch bestimmte, ihnen ideologisch genehme Beamte bezahlt werden? Alle anderen können sich zum betteln auf die Straße setzen?

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von ..."Armut und Verachtung"..des Auszug aus Wiki. zeigt aber ,daß katholische Priester mehr als Teil (hier von Teilen im waren Sinne) der Glaubensgemeinschaft wahrgenommen werden und auch aus dieser Finanziert werden,klar gibt es Gebiete wo das besser klappt und wo nicht,ein Prinzip daraus aber abzuleiten das eben die These "Armut und Verachtung" stützt,kann ich in den Gemeinden die ich kenne nicht sehen und selbst wenn,dann würde ich mir nicht anmaßen, daraus ein Prinzip zu erheben.