Im Katastrophengebiet auf den Philippinen ist nach dem Taifun Haiyan Chaos ausgebrochen. Überlebende suchen verzweifelt nach Angehörigen und Nahrung. Rettungsteams konnten auch zwei Tage nach einem der schwersten Stürme aller Zeiten in dem Land längst nicht in alle betroffenen Regionen vordringen. Zerstörungen an Flugplätzen, Häfen und Straßen behinderten am Sonntag die Hilfe. Augenzeugen berichteten von Plünderungen, das Rote Kreuz von Überfällen auf Hilfskonvois. Die Polizei schickte Verstärkung in das Krisengebiet. Helfer fühlen sich an den Tsunami 2004 erinnert.

In der Provinz Leyte, die am härtesten von dem Tropensturm getroffen wurde, gehen die Behörden von 10.000 Toten aus. Bislang wurden mehr als 300 Leichen geborgen, aber es sollen noch unzählige unter den Trümmern liegen. Mehr als 80 Prozent der Gebäude dort wurden zerstört, berichten Helfer. Der Strom ist ausgefallen, Nahrung und Trinkwasser fehlen. Nach Angaben der Regierung brauchen 4,3 Millionen Menschen Hilfe. 800.000 waren geflüchtet, viele von ihnen dürften ihr Hab und Gut verloren haben. 330.000 harrten in Notunterkünften aus.

Innenminister Mar Roxas sagte, eine groß angelegte Rettungsaktion sei auf den Weg gebracht. Die Katastrophe sei "wirklich entsetzlich. Es ist eine große humanitäre Tragödie." Die meisten Opfer seien ertrunken oder durch eingestürzte Gebäude erschlagen worden, hieß es. Auf der Insel Samar, die Tacloban gegenüberliegt, wurde der Tod von 300 Menschen bestätigt. 2.000 weitere werden vermisst.

Falls die Zahl der Toten bestätigt wird, wäre dies die schlimmste Naturkatastrophe auf den Philippinen. 1976 waren rund 5.800 Menschen einem Erdbeben der Stärke 7,9 und einem anschließenden Tsunami zum Opfer gefallen. Während des schlimmsten Taifuns starben 1991 rund 5.100 Menschen.

"Es ist wie der Weltuntergang"

Hohe Wellen hätten ganze Küstenorte weggeschwemmt, teilte die Polizei mit. Viele Opfer ertranken in den Wassermassen, die sich mit zahlreichen Trümmerteilen einem Tsunami gleich den Weg ins Landesinnere bahnten.

"Es ist wie der Weltuntergang", sagte eine Geschäftsreisende aus China, die in der Küstenstadt Tacloban drei Stunden lang durch Schlamm und Trümmer zu einer Rettungsstation des Militärs am zerstörten Flughafen watete. Augenzeugen zufolge lagen Hunderte Leichen in den Straßen und unter eingestürzten Häusern der Provinzhauptstadt. Auf Fernsehbildern waren Kinder zu sehen, die sich auf Hausdächern festklammerten. Umgeknickte Strommasten und Bäume blockierten die Straßen. Helfer konnten die Überlebenden daher nur schwer mit Lebensmitteln versorgen.

Das tatsächliche Ausmaß der Schäden ist noch nicht abzuschätzen. Im ebenfalls vom Sturm bedrohten Vietnam kehrten unterdessen Hunderttausende Menschen in ihre Häuser zurück. "Haiyan" wechselte über dem Südchinesischen Meer die Richtung und schwächte sich überdies deutlich ab. In der Nacht zum Montag erreichte er knapp 150 Kilometer südöstlich von Hanoi die Küste.

Internationale Hilfe zugesagt

Internationale Hilfe lief an, Caritas und Unicef riefen zu Spenden auf. Deutschland stellte zunächst 500.000 Euro als Soforthilfe zur Verfügung, wie Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte. Vom Frankfurter Flughafen aus wurden am Sonntag 25 Tonnen Hilfsgüter auf die Philippinen geflogen, darunter mehr als 5.000 Decken, 3.000 Zelte sowie Medizintechnik.

Die USA schickten Soldaten, die bei der Suche nach Vermissten und bei Rettungsaktionen helfen sollen. Auch Vereinte Nationen und EU sagten Hilfe zu. Das Hilfswerk Unicef geht davon aus, dass 1,7 Millionen Kinder von der Katastrophe betroffen sind. Die Organisation schickte 60 Tonnen Hilfsgüter auf die Philippinen, die am Dienstag dort eintreffen sollen.

Papst Franziskus betete für die Opfer des Sturms und kündigte Unterstützung für die Menschen in dem mehrheitlich katholischen Land an. Auf den Philippinen leben die meisten Katholiken in Asien. Zudem stellen sie die größte Einwanderer-Gemeinde Roms.