Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat die jüngsten Anschläge auf Christen im Irak scharf verurteilt. "Es ist furchtbar, dass die Täter noch nicht einmal am Weihnachtstag vor blutigen Anschlägen gegen Christen zurückschrecken", sagte Steinmeier. Der Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien verstärke die Instabilität im Irak. Der Minister appellierte an die irakische Regierung, ihrer Verantwortung zum Schutz von Minderheiten im Land gerecht zu werden und mit aller Konsequenz gegen Terrorismus vorzugehen.

Das irakische Innenministerium bestritt, dass die Attentate gegen Christen gerichtet gewesen seien. "Der Anschlag richtete sich gegen den Markt und nicht gegen eine Kirche", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Saad Maan, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Der Markt werde sowohl von Muslimen als auch von Christen gern besucht.

Auch der assyrische Priester Temathius Esha betonte: "Die Kirche hat nichts mit dem Anschlag zu tun. Der Anschlag richtete sich gegen den Markt." Ähnlich äußerte sich der chaldäische Patriarch Louis Sako: "Der Angriff richtete sich gegen arme Menschen an einem Ort in der Nähe der Kirche."

Am Weihnachtstag waren bei zwei Anschlägen mindestens 30 Menschen getötet und mehr als 50 Menschen verletzt worden. Eine Bombe war vor einer Kirche im südlichen Stadtteil Dora detoniert, die in der Nähe des Marktes liegt. Daher wurde vermutet, dass es sich um gezielte Anschläge auf Christen handeln könnte.

"Weltweite Christenverfolgung"

Der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover sagte: "Dieser Anschlag ist ein bewusster Affront gegen den Geist des Weihnachtsfestes, das zu Frieden und Versöhnung aufruft. Die weltweite Christenverfolgung, die besonders in einigen muslimischen Ländern besorgniserregend ist, muss uns alle aufrütteln." Er appellierte an die christlichen Gemeinden, in den kommenden Gottesdiensten für die Opfer und ihre Familien zu beten.

Seit dem Sturz des Diktators Saddam Hussein 2003 werden die Christen im Irak immer wieder Opfer gewalttätiger Übergriffe. Im November 2010 starben 52 Menschen bei einer Geiselbefreiung in einer katholischen Kirche in Bagdad. In den vergangenen zehn Jahren sank die Zahl der Christen Schätzungen zufolge von 1,2 Millionen auf weniger als die Hälfte. Mit geschätzt 500.000 Gläubigen stellen die Christen knapp zwei Prozent der irakischen Bevölkerung.