In Zeiten wie diesen vermisse ich meine alte Heimat Hawaii.

Nicht, weil Weihnachten am Strand einfach schöner ist. Das sowieso. Nein, ich vermisse die Gespräche über Gott und die Welt.

Okay, auch hierzulande gibt es Gespräche genug über Gott und die Welt, vor allem jetzt in der Adventszeit. Aber auf Hawaii hatten sie einen anderen Ton, etwas Schwebendes, Spielerisches, was ich hier nicht finde. Ich glaube, es hatte etwas mit dem friedlichen Zusammenleben von Glauben und Wissenschaft zu tun. Darin war das Leben auf den Inseln einzigartig.

Auf Hawaii ist so gut wie jeder gläubig, wenn nicht gar abergläubisch: Kein Mensch kann nachts am Strand stehen, vor dem unendlichen Meer, unter dem spektakulären Sternenhimmel und sich dabei dem Gedanken verschließen, dass es irgendwo da draußen mehr gibt als nur das, was man sieht.

Gleichzeitig ist Hawaii aber auch voller Wissenschaftler. Sie wissen ja: Wer in den Fächern Meeresbiologie, Astronomie, Ethnologie oder Linguistik forscht, hat irgendwann im Leben mit den beiden Unis auf Hawaii zu tun.

Dazu kommt, dass ich auch noch als Mormone groß geworden bin, und Mormonen pflegen traditionell eine starke Affinität zur Bildung. In der Kirche saß ich zwischen Professoren und Wissenschaftlern. Da kommt man schnell auf das Thema: Lässt sich die Evolution mit der Bibel vereinbaren?

Wer brachte die Evolution in Gang?

Ein Biologe weiß ja, dass die Evolution das beste Modell ist, das wir haben, aber er weiß auch, dass die Evolution nicht alles erklärt. Wie das Ganze angefangen hat, woher das allererste Leben kam, der erste Funke, die dumme Idee der Sterblichkeit, die erste Zelle, die sich teilte, der erste Sex – das kann auch die Evolutionstheorie nicht zufriedenstellend beantworten. Sorry, Darwin.

Also spekulierte man halt drauf los: Hat Gott die Welt erschaffen, indem er die Evolution in Gang brachte? Wenn ja, ab wann entsprach der Mensch "seinem Ebenbild", wie es in der Bibel so schön heißt? War auch der Neandertaler ein Kind Gottes? Oder nur der Homo Sapiens?

Was war mit den Dinosauriern? Waren sie Teil eines früheren göttlichen Experiments, das schiefgegangen war? Die Idee, dass selbst Gott "learning by doing" praktizierte, und dabei gar Fehler machte, hat bei uns auf Hawaii niemanden schockiert: Wie soll eine so komplizierte Schöpfung wie unsere Welt ohne Experimente möglich gewesen sein? Jetzt mal ehrlich, liebe Fundamentalisten.