Im Korruptionsprozess gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff hat eine frühere Sekretärin des mitangeklagten Filmmanagers David Groenewold die Darstellung der Anklage gestützt. Groenewold habe 2008 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten auf die Hilfe des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff gesetzt, sagte die Zeugin vor dem Landgericht Hannover: "Er hat zu mir gesagt, dass er sicher ist, dass Herr Wulff helfen kann."

Nach ihrer Erinnerung habe sie im September 2008 einen entsprechenden Brief im Auftrag Groenewolds an Wulff geschickt, sagte die Sekretärin. Das Schreiben sollte den Siemens-Konzern dazu bringen, ein Filmprojekt des Groenewold-Unternehmens Odeon Film zu fördern: "Das war für Odeon wirtschaftlich sehr bedeutsam." Die Aktie habe in dem Herbst stark an Wert verloren. Groenewold habe sie persönlich mit dem Brief beauftragt. "Es war eine wichtige Sache, er hätte mir den Kopf abgerissen, wenn ich es nicht gemacht hätte." Die Verteidigung hatte erklärt, der Bittbrief sei zwar geschrieben, aber nie an Wulff versandt worden.

Laut Briefkopf stammte das Schreiben von Ende September. Es wurde damit kurz nach dem gemeinsamen Oktoberfestbesuch von Wulff und Groenewold verfasst. Laut Staatsanwaltschaft hatte sich Wulffvon Groenewold Kosten rund um einen Wiesn-Besuch in München bezahlen lassen. Im Gegenzug soll er bei Siemens für das Filmprojekt geworben haben. Beide stehen gemeinsam vor Gericht. Die Angeklagten bestreiten den dienstlichen Zusammenhang der Einladung und erklären sie mit ihrer persönlichen Freundschaft.

Ebenfalls als Zeuge gehört wurde der frühere Wulff-Vertraute Olaf Glaeseker. Dieser sagte, er habe von Aktivitäten des Ministerpräsidenten zu Gunsten Groenewolds nichts gewusst. Als Regierungssprecher sei er überhaupt nicht mit Vorgängen zur Filmförderung in der Staatskanzlei befasst gewesen. "Ich weiß darüber gar nichts", sagte er.

"Ich fühlte mich freundschaftlich verbunden"

Gefragt nach seinem Verhältnis zu Wulff sagte Glaeseker: "Ich fühlte mich ihm über viele Jahre freundschaftlich verbunden." Bekannt ist, dass die beiden Männer jetzt keinen Kontakt mehr miteinander haben. Mit dem Mitangeklagten Groenewold ist Glaeseker nach eigener Einschätzung dagegen weiterhin befreundet. "Er ist sicher ein Freund, weil wir auch privat Zeit miteinander verbringen, das dauert bis heute an", sagte er.

Wulff ist wegen Vorteilsannahme angeklagt und Groenewold wegen Vorteilsgewährung. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte Groenewold im September 2008 Teile der Kosten einer Reise des Ehepaares Wulff nach München übernommen und Wulff sich im Gegenzug bei Siemens für die finanzielle Unterstützung des Filmprojekts eingesetzt.

Kurz vor Weihnachten hatte die 2. Große Strafkammer in einer Zwischenbilanz die Einschätzung geäußert, dass der Korruptionsvorwurf gegen die beiden Angeklagten nicht zu beweisen sei. Die vom Gericht vorgeschlagene Einstellung des Verfahrens lehnten aber sowohl die Angeklagten als auch die Staatsanwaltschaft ab.

Nun plant das Gericht nach Angaben des Vorsitzenden Richters Frank Rosenow, über noch offene Beweisanträge am 6. Februar zu entscheiden. Am 20. Februar soll dann die Beweisaufnahme geschlossen und mit den Plädoyers begonnen werden. Am 27. Februar könnte das Urteil gefällt werden.