Menschen in Haiti, die seit dem Erdbeben obdachlos sind © Marie Arago/Reuters

Vier Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti leben nach Angaben von Entwicklungshelfern noch rund 172.000 Menschen in Zeltlagern. Trotzdem habe sich die Lage im Karibikstaat leicht verbessert, teilte die Hilfsorganisation Oxfam zum vierten Jahrestag der Katastrophe mit. 89 Prozent der Betroffenen hätten inzwischen ihre provisorischen Unterkünfte verlassen können.

Auch die Zahl der Cholera-Erkrankungen habe sich mit rund 57.000 Cholera-Fällen im Jahr 2013 im Vergleich zu 2010 halbiert. 2014 werde aber immer noch mit 45.000 Ansteckungen gerechnet.

Zum Gedenken an die mehr als 200.000 Todesopfer der Katastrophe sollen in dem Karibikstaat heute zum Zeichen der Trauer die Flaggen auf halbmast wehen. Die offizielle Gedenkveranstaltung findet nach Angaben der Zeitung Le Nouvelliste am zentralen Champ de Mars vor dem ehemaligen Präsidentenpalast in der Hauptstadt Port-au-Prince statt. Demnach wird Präsident Michel Martelly einen Kranz am Massengrab von Saint-Christophe nördlich von Port-au-Prince niederlegen. Der Opfer soll auch mit einer Schweigeminute um 16.53 Uhr (22.53 Uhr MEZ), dem genauen Zeitpunkt der Katastrophe, gedacht werden. 

Die Aufbauarbeiten im Land gehen nur schleppend voran. "Wir werden aufs Gaspedal drücken, um die laufenden Arbeiten zu beschleunigen. Die Haitianer werden stolz sein auf den Wiederaufbau", sagte Regierungschef Laurent Lamothe am Freitag. Während er Journalisten Modelle öffentlicher Gebäude präsentierte, die derzeit restauriert werden, sind der Präsidentenpalast und die Kathedrale in der Hauptstadt Port-au-Prince weiter Ruinen.

Appell an Weltgemeinschaft

Angesichts der Kritik am langsamen Wiederaufbau appellierte Lamothe an den Zusammenhalt der Haitianer. "Der Wiederaufbau ist die Angelegenheit aller und betrifft nicht nur Präsident Michel Martelly oder die Regierung", sagte Lamothe. Er rief die internationale Staatengemeinschaft auf, ihre Zusagen von neun Milliarden Dollar (6,6 Milliarden Euro) einzuhalten und mehr Geld bereitzustellen. "Wäre die internationale Gemeinschaft ihren Verpflichtungen nachgekommen, hätten wir zehnmal mehr schaffen können."

Der Oppositionspolitiker Dieudonné Saincy warf der Regierung dagegen schwere Versäumnisse vor. Der mit den Geberländern ausgehandelte Plan zum Wiederaufbau sei nicht befolgt worden, sagte Saincy. Zudem blockiere die derzeitige politische Krise das Land.

In dem verarmten Karibikstaat starben am 12. Januar 2010 bei einem Erdbeben der Stärke 7,0 mehr als 200.000 Menschen, etwa 1,3 Millionen wurden obdachlos. Im Oktober 2010 ist in dem Land zudem eine Cholera-Epidemie ausgebrochen.