Die Hamburger Polizei räumt ein, den Angriff auf die Davidwache an der Reeperbahn am 28. Dezember falsch dargestellt zu haben. Die Opfer der Attacke seien keine Beamten der Davidwache gewesen, sondern drei Beamte einer Streifenwagenbesatzung, zitiert Spiegel Online Pressesprecher Mirko Streiber. Die Attacke habe auch nicht vor der Wache, sondern 200 Meter entfernt an der Ecke Hein-Hoyer-Straße und Seilerstraße stattgefunden.

Bislang hatte die Polizei angegeben, 30 bis 40 vermummte Autonome hätten die Davidwache an der Reeperbahn angegriffen und Steine geworfen auf Polizisten, die aus der Wache gekommen waren. Dabei sei ein Polizist schwer verletzt worden.

Streibers neue Darstellung der Geschehnisse bestätigt in Teilen die Vorwürfe, die der prominente Anwalt der linken Szene, Andreas Beuth, gegen die Polizei erhebt: Mit "gezielter Desinformation" habe sie den Angriff auf die Davidwache auf der Reeperbahn am 28. Dezember "bewusst falsch dargestellt", sagte Beuth der Hamburger Morgenpost.

Seine Mandanten schildern die Ereignisse wie folgt: "Vor der Wache ist nichts passiert. Es gab einen lockeren Zusammenhang von Leuten, die auf der Reeperbahn Party gefeiert haben. Die wollten sich über die Straße bewegen. Möglicherweise haben die Beamten das als unangemeldete Demo gedeutet. Zu keinem Zeitpunkt hat es Stein- oder Farbbeutelwürfe gegeben." Dass der verletzte Beamte zur Davidwache gehöre, sei "reine Spekulation", sagte Beuth.

Beuth wirft Polizei Kalkül vor

Der Anwalt vermutet hinter den Angaben der Polizei Kalkül: Die Polizeiführung und die Gewerkschaften wollten "den Angriff auf die Wache nutzen. Sie versprechen sich davon mehr Stellen und eine bessere Bezahlung sowie Ausrüstung", sagte Beuth.

Weil in den vergangenen Wochen immer wieder Polizisten und Einrichtungen angegriffen worden waren, hatte die Polizei am Freitag mehrere Stadtteile zum "Gefahrengebiet" erklärt. In Teilen Altonas, St. Paulis und Sternschanze dürfen Polizisten seitdem Personen und "mitgeführte Sachen" überprüfen, Platzverweise aussprechen und Menschen in Gewahrsam nehmen.