Die Resonanz auf die Hilfsfonds für die Opfer von Missbrauch in Kinder- und Jugendheimen während der 1950er und 1960er Jahren in der früheren DDR und Bundesrepublik ist geteilt: Während der Geldtopf für Ostdeutschland dringend aufgestockt werden muss, ist der für die Opfer aus dem Westen noch gut gefüllt. Offenbar scheuen hier viele frühere Heimkinder den Schritt an die Öffentlichkeit.

"Ich kann nur an alle appellieren, die Scham zu überwinden und die Chance zu nutzen, das einzufordern, was uns zusteht", sagt die Mitinitiatorin des Fonds Heimerziehung West, Heidelore Rampp, die als Jugendliche selbst in mehreren kirchlichen Heimen misshandelt und ausgebeutet worden war.

Mit dem Geld aus den Hilfsfonds sollen diejenigen entschädigt werden, denen frühere Drangsalierung, Misshandlung und teilweise auch Ausbeutung das Leben bis heute schwer macht. Wenn beispielsweise ein Heim jugendliche Schützlinge nachweislich zur Arbeit zwang und keine Sozialleistungen abführte, stehen den Betroffenen heute pro Arbeitsmonat 300 Euro aus dem Fonds als Rentenersatzleistung zur Verfügung. Für Therapien, medizinische Hilfsmittel oder anderes können sie bis zu 10.000 Euro erhalten.

Ost-Fonds längst ausgeschöpft

Wie das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln mitteilte, sind aus dem Hilfsfonds für Opfer im Westen in den ersten beiden Jahren erst Leistungen für 66 Millionen Euro beantragt worden, weitere 54 Millionen Euro stünden noch bereit. Bislang haben sich 6.320 Betroffene radikaler Erziehungsmethoden beim Fonds gemeldet, die Antragsfrist endet Ende dieses Jahres.

Der mit rund 40 Millionen ausgestattete Fonds Heimerziehung in der DDR in den Jahren 1949 – 1990 dagegen ist längst ausgeschöpft und soll womöglich aufgestockt werden. Das Bundesfamilienministerium und die Ost-Länder beziffern den weiteren Bedarf auf 200 Millionen Euro. Eine genauere Bedarfsprognose sollen die Landesjugendbehörden bis zum Frühjahr erarbeiten.