HomosexualitätMerkel lobt Hitzlspergers Coming-out

Niemand dürfe wegen seiner Sexualität Angst haben, sagt Merkels Sprecher. Exminister Westerwelle hofft auf "Ermutigung" für Homosexuelle, der DFB sagt Unterstützung zu. von  und

Kanzlerin Angela Merkel (CDU)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)  |  © Odd Andersen/AFP/Getty Images

Die Bundesregierung begrüßt das Coming-out des früheren Fußball-Nationalspielers Thomas Hitzlsperger. "Wir leben in einem Land, in dem niemand Angst haben sollte, seine Sexualität zu bekennen aus Angst vor Intoleranz", sagte der Sprecher der Bundeskanzlerin, Steffen Seibert. Es sei gut, dass Hitzlsperger über etwas "spricht, was ihm wichtig ist, was ihn möglicherweise auch befreit". In den vergangenen Jahren habe Deutschland bei der Anerkennung Homosexueller schon enorme Fortschritte gemacht. "Wir leben im Großen und Ganzen im Respekt voreinander, unabhängig davon, ob der Mitmensch Männer liebt oder Frauen liebt." 

Der ehemalige Außenminister Guido Westerwelle (FDP) deutete hingegen an, dass ein Coming-out auch heute noch schwer ist. "Dieser Mut verdient größten Respekt", sagte Westerwelle ZEIT ONLINE. "Der Schritt in die breite Öffentlichkeit liest sich viel leichter, als er tatsächlich ist." 

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Der ehemalige Fußball-Profi und Nationalspieler Thomas Hitzlsperger spricht in einem Interview mit der ZEIT erstmals offen über seine Homosexualität. Lange habe er sich nicht getraut, diese öffentlich zu machen, nach dem Ende seiner Laufbahn als Fußball-Profi sei jetzt ein guter Zeitpunkt dafür. "Die Olympischen Spiele von Sotschi stehen bevor, und ich denke, es braucht kritische Stimmen gegen die Kampagnen mehrerer Regierungen gegen Homosexuelle", fügte Hitzlsperger hinzu.

Westerwelle betonte, er erhoffe sich von Hitzlspergers Entscheidung "Ermutigung, Respekt und Anerkennung für die vielen, die im Hinblick auf ihre gleichgeschlechtliche Orientierung noch mit sich, ihrem Umfeld und der Gesellschaft ringen". Der FDP-Politiker hatte seine Homosexualität im Jahr 2004 bekannt gemacht.

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger sagte ZEIT ONLINE: "Endlich hat ein Fußballer den Mut, seine Homosexualität öffentlich zu machen – zumindest in engem Zeitabstand zu seiner Karriere." Hitzlspergers Coming-out habe "hoffentlich eine positive Wirkung auf die Gesellschaft und den Profifußball der Männer. Der ist nämlich nach wie vor ein hartes Geschäft, ein offener Umgang mit Homosexualität ist leider immer noch nicht selbstverständlich".   

Fußballer appellieren an Verantwortung der Klubs

Zwanziger ist heute Mitglied im Fifa-Exekutivkomitee. Seiner Meinung nach bleibt es ein Risiko für einen aktuellen Spieler, offen homosexuell zu leben. "In einem Mannschaftsverband finden sich Spieler aus vielen Kulturkreisen, auch aus Kulturkreisen, die Homosexualität ablehnen. Aber ich bin zuversichtlich, dass sexuelle Neigungen im Fußball bald kein Thema mehr sind", sagte Zwanziger.

Ligapräsident Reinhard Rauball sprach von einem "großen und mutigen Schritt", der "im Kampf gegen Homophobie sicherlich wegweisend" sei. Wenn sich ein aktiver Profi oute, seien die Folgen weiterhin nur schwer kalkulierbar. "In dieser Hinsicht tragen die Klubs als Arbeitgeber eine außerordentliche Verantwortung", sagte der Präsident des Bundesligisten Borussia Dortmund ZEIT ONLINE. Der Generaldirektor des Deutschen olympischen Sportbundes (DOSB) Michael Vesper, ehemaliger Grünen-Politiker, erklärt sich die Tabuisierung vom Homosexualität damit, "dass homosexuelle Männer oft damit konfrontiert sind, als weich oder gar feminin zu gelten, und ich vermute, dass dies dem Bild eines erfolgreichen Athleten in noch zu vielen Köpfen widerspricht."

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach, sagte Hitzlsperger seine Unterstützung zu. "Er war zu seiner Zeit als Nationalspieler immer ein Vorbild, vor dem ich den höchsten Respekt hatte – und dieser Respekt ist jetzt noch weiter gewachsen", sagte Niersbach. "Als Thomas noch aktiver Nationalspieler war, hatten wir von seiner Homosexualität keine Kenntnis. Er hat sich erst nach seinem Karriereende an uns gewandt und uns darüber informiert", erklärte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff.

Nationalspieler Lukas Podolski lobte seinen ehemaligen Teamkollegen und sprach von einem "wichtigen Zeichen in unserer Zeit". "In der heutigen Zeit sollte es eigentlich zur Normalität werden, aber ich weiß, dass es vor allem jetzt in der Fußball-Community viele Diskussionen darüber geben wird", sagte Fredi Bobic, seit 2010 Sportdirektor des VfB Stuttgart ZEIT ONLINE. "Möglicherweise ermutigt Thomas' Schritt auch andere", betonte auch Nationalspieler Simon Rolfes.

Lob aus Großbritannien

Auch den englischen Profisport beschäftigt das Coming-out des früheren Aston-Villa- und West-Ham-United-Spielers. Hitzlsperger ist dort bekannt unter dem Namen "Hitz the Hammer". Die englische Fußball-Legende Gary Lineker gratulierte Hitzlsperger via Twitter zu dessen Mut, sich als erster ehemaliger Premier-League-Spieler  geoutet zu haben. Auch der britische Vize-Premierminister Nick Clegg äußerte sich. Hitzlsperger werde mit seinem Coming-out wichtige "Barrieren" einreißen, twitterte der  Vorsitzende der Liberaldemokraten. 

Leserkommentare
  1. Der Fussball kommt in der modernen Zeit an.

    Warum nur in aller Welt Katar als offen homophobes Land die WM halten darf bleibt schleierhaft.

    11 Leserempfehlungen
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    • TDU
    • 08. Januar 2014 14:18 Uhr

    Wo wollen Sie dann etwas veranstalten, wenn sie Entscheidungen an Weltanschauung bzw. die genaue Einhaltung unseres Begriffs von Menschenrechten fordern.? Sie müssen sich auch mal vorstellen, die Fifa wäre von einem andern Kulturkreis dominiert. Vielleicht würde uns eine "lasche Haltung" vorgehalten.

    Was man gegen die Ablehung der Homosexualität tun könnte, ist m. E. eine andere Frage. Und die Ansicht, das Abendland bevorzugt das Abendland würde den Homosexuellen in den Ländern überhaupt nicht helfen. Im Gegenteil. Sie wären auch noch schuld, dass man leer ausgeht.

  2. Finde ich super, dass endlich mal ein Fußballer zu seiner Homosexualität steht! Man kann Thomas Hitzelsperger dankbar dafür sein, dass er dieses Tabu nun gebrochen hat.

    [...]

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    3 Leserempfehlungen
  3. berichten Sie dauernd über die abgewählte FDP?

    14 Leserempfehlungen
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    Gehirn einschalten, Artikel nochmal lesen, dann Kommentar schreiben.

    Es geht nicht um die FDP, sondern um Reaktionen öffentlicher Personen.
    Ob man die FDP bzw. Herr Westerwelle mag oder nicht, als erster homosexueller Außenminister bzw. Regierungsmitglied hat er, u.a. auch wie Wowereit, Homosexualtität als etwas völlig Normales publik gemacht.

    Hier jetzt wieder irgendetwas mit der FDP verbinden zu wollen oder schlecht zu reden, zeugt einfach von Engstirnigkeit und mangelnder Weitsicht.

    Es sind eben Europa- und Landtagswahlen, und da möchte man seitens der Zeit natürlich, dass die FDP nicht wieder knapp die Latte reisst (pun NOT intended).

    Aber immerhin hier ist es ja nicht völlig an den Haaren herbeigezogen, denn WW war ja immerhin eine Art "Botschafter" für die "Community" als Bundesminister usw., was ja z.B. der Ex-Umweltminister (als ggf. gar nicht Betroffener) z.B. nicht sein wollte.

    Insofern hat er sich dann doch eine gewisse Glaubwürdigkeit erworben, die es m.E. absolut gerechtfertigt erscheinen lässt, seine Meinung zur Fussballcausa zu veröffentlichen.

    Und jedermann sollte sich fragen, WARUM WOHL damals, vor 4 Jahren, die Hotel-MWSt-Affäre wie Pech an der FDP, nicht aber an der (genauso schuldigen oder gar noch schuldigeren) CSU hängengeblieben ist - nur wg. FDP-automatisch-bäh und CSU-kann-sich-alles-erlauben (Mollath, anybody?)?

    Oder vielleicht auch wg. der doch recht generalisierten Gleichsetzung der FDP, seit damals, mit "Westerschwester" usw. usw. - ich könnte hier noch jede Menge solcher beleidigender "Spitznamen" aufführen, die immer wieder zu lesen waren?

    Mit anderen Worten, das Wissen um WW's Homosexualität hat der FDP massiv geschadet, und das ist der eigentliche Skandal. Klaro: Um die Leute "ist es nicht schade" - dumm nur, dass auch all diese Leute in D das Wahlrecht haben, und so haben auch Stimmen aus jenem Moral-Asi-Lager der FDP gefehlt.

    Und jetzt vergleichen Sie das mal mit Bundesligavereinen und dem, was die zu verlieren haben

  4. aber Sie brauchen nicht zu "bekennen",
    einfach nur erzählen, wäre angemessener

    dass Herr Westerwelle sich aus dem OFF dazu positiv äußert, naja

    was sagt eigentlich Dieter Bohlen dazu ? Das wäre interessant.

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    Guido Westerwelle war bis vor Kurzem deutscher Außenminister. Dass Sie mit Dieter Bohlen und dem Supertalent mehr anfangen können, bleibt Ihnen natürlich unbenommen.

    Sie haben mich nicht verstanden

    ich wollte zum Ausdruck bringen, dass

    Herr Westerwelle als Schwuler eine andere Sichtweise hat,
    als Herr Bohlen als Frauen-Macho

    • TDU
    • 08. Januar 2014 14:07 Uhr

    Es einem glatt so vor, als würden ein paar auf den Zug aufspringen, aber ich denke das macht Mut. Außerdem werden sie an ihren Worten gemessen werden.

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    auch wenn Sie das wohl nicht gemeint haben, ist Angela Merkel. "Die Kanzlerin lobt das coming-out" - Pah! Blanke Heuchelei. Dann kann sie sich jetzt gefälligst mal dazu äußern, warum nach Auffassung ihrer Partei Herr Hitzlsperger und sein Lebensgefährte nicht geeignet sind, ein Kind zu adoptieren.

  5. ...weiter Wahlwerbung für die korrupte Lobbyistentruppe zu machen.

    Westerwave hat den Schwulen einen Bärendienst erwiesen.[...] 

    Es hätte ja auch ein sympathischer und kompetenter Schwuler sein können. da gibts viele von. Aber Westerwave ist und bleibt eine Zumutung. Hoffentlich verschwindet er bald aus der Presse.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

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    • TDU
    • 08. Januar 2014 14:26 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

    Entfernt. Bitte achten Sie auf einen sachlichen Kommentarstil. Danke. Die Redaktion/kvk

    OMG! Sie sollten Ihre Meinung mal selbst reflektieren...

    Westerwelle ist btw. nicht unbeliebt, weil er schwul ist, ganz im Gegenteil. Ich kenne viele Leute, die empfanden es als den positivsten Effekt an Westerwelle, dass Deutschland damit einen bekennenden Schwulen als Außenminister hatte... das hat international ja durchaus für eine gewisse Resonanz gesorgt. Politisch hat er dann nicht so viel gerissen als Minister und Englisch kann er auch nicht wirklich, aber was solls. WW ist eh Geschichte und völlig egal.

    wenn sich schon ein prominenter Schwuler outet, dann muss es ein - in Ihren Augen selbstverständlich - "Sympathieträger" sein ???

    Weiter kein Kommentar zu Ihren lichtvollen Äußerungen; mir fehlen sowie so die Worte ...................

    Wieso fokussieren Sie sich auf die Person Westerwelle, nur weil der mal ein hohes Amt bekleidete, steht er doch nicht stellvertrend für alle Homosexuellen. Oder steht Hitler für alle Heteros? Und was ist der Unterschied zwischen "bekennen" und erzählen?

    • gorgo
    • 08. Januar 2014 17:23 Uhr

    Sie schreiben "Es hätte ja auch ein sympathischer und kompetenter Schwuler sein können" - und "den Schwulen einen Bärendienst erwiesen..."

    Wer so tickt, dem würde ich Mal stecken, dass Heterosexualität längst ausgestorben wäre, wenn ihre Akzeptanz davon abhängig wäre, dass es sympatische öffentliche Vertreter/inn/en dafür gäbe - von Politiker/inn/en vom Schlage Westerwelle ganz zu schweigen ;-)!

    • TDU
    • 08. Januar 2014 14:18 Uhr

    Wo wollen Sie dann etwas veranstalten, wenn sie Entscheidungen an Weltanschauung bzw. die genaue Einhaltung unseres Begriffs von Menschenrechten fordern.? Sie müssen sich auch mal vorstellen, die Fifa wäre von einem andern Kulturkreis dominiert. Vielleicht würde uns eine "lasche Haltung" vorgehalten.

    Was man gegen die Ablehung der Homosexualität tun könnte, ist m. E. eine andere Frage. Und die Ansicht, das Abendland bevorzugt das Abendland würde den Homosexuellen in den Ländern überhaupt nicht helfen. Im Gegenteil. Sie wären auch noch schuld, dass man leer ausgeht.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Überschrift"
    • TDU
    • 08. Januar 2014 14:26 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

    9 Leserempfehlungen
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    Tatsächlich ist die heutige Situation aber die, dass eine ganze Menge Leute in der Bevölkerung "vorzeigbare Schwule" weit eher zu akzeptieren bereit sind, als solche, die bestimmte Negativ-Klischees noch aktiv bedienen.

    Und in dem Zusammenhang wäre natürlich Herr von Beust zu erwähnen ("heiratet", mit um die 60 Jahren, seinen ca. 20-jährigen "langjährigen Freund"), oder auch der Berliner Oberbürgermeister, der bei der klassischen, verklemmten Kleinbürgerbevölkerung erst einmal ganz erstaunlich gut "ankam", das aber systematisch durch seinen (anscheinenden, scheinbaren?) fehlenden Arbeitseifer auch angesichts allergrösster Probleme kaputtgemacht hat und weiter kaputtmacht:

    Immer wieder Grinsemann-Photos (= "offenbar" weiter "Party ohne Ende"?), da kann BER noch so teuer werden, ja? Und unter dem Aspekt hat WW gar nicht mal SO schlecht abgeschnitten, auch wenn man sich gewünscht hätte, er sei etwas kompetenter und weniger humorlos rübergekommen.

    Aber allein schon "die Tatsache, dass" schadet massiv auch der Partei, und Sie dürfen sicher sein, dass sich dieser automatisierte Effekt erst dann abschwächt, wenn verstärkt in der Öffentlichkeit (auch) "Homos" auftreten, denen man KEIN "charakterliches Problem" o.ä. nachsagt -

    und da scheint der Ex-Fussballer hier doch (bislang) ein wunderschönes Beispiel.

    Mehr davon!

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