Muslime beim Freitagsgebet während des Ramadan in Duisburg © Oliver Berg/dpa

Ein muslimischer Feiertag – das ist sicher nicht das, was Muslime ganz dringend für ihr Wohlergehen brauchen. Mal ganz abgesehen davon, dass Buddhisten sicher auch gerne einen Feiertag hätten und er für Arbeitgeber teuer wird. Aber dieser freie Tag, wie ihn die Türkische Gemeinde wünscht, wäre ein Geschenk an alle, ganz gleich, ob und an was sie glauben. Er könnte integrierend wirken in beide Richtungen.

Zeichen dieser Art können den einen (den Durchschnittsmuslimen) Wertschätzung zeigen und den anderen (den Durchschnittschristen oder -nichtgläubigen) ein wenig Angst vorm Islam nehmen. Vielleicht machen die Rituale des Zuckerfestes manch einem Christen, Buddhisten, Hinduisten oder Atheisten ja genauso viel Spaß wie vielen Muslimen in Deutschland der Weihnachtsbaum?

Der Nebeneffekt: Da muslimische Verbände und der neue Innenminister vorhaben, wieder miteinander zu reden, kann die Diskussion um einen Feiertag ein guter Neustart für die Islamkonferenz werden. Denn solche Ideen kreisen um das konkrete Miteinanderleben, erschöpfen sich nicht in alljährlichen lauten Bekenntnissen, Vorwürfen oder Forderungen. Thomas de Maizière will zurück zur Anfangsidee der Islamkonferenz: ganz offiziell ins Gespräch zu kommen mit den zwischenzeitlich auf Abstand gegangenen Islamverbänden. Sie sollen seiner Ansicht nach ab jetzt Regeln und Themen stärker mitbestimmen können. Das ist gut.

Themen für eine Fortsetzung der Islamkonferenz gibt es noch immer genug: Wie können Hochschulen in Zukunft ohne große Zerwürfnisse den Islam erforschen und lehren? Kopftücher und Beträume in Schulen und anderen Institutionen – wer will was und worauf kann man sich einigen? Wie können Krankenhäuser, Pflegeheime, Gefängnisse und die Bundeswehr auf Muslime zugehen? Unter anderem dank der Islamkonferenz gibt es jetzt schon in einigen Bundesländern Islamunterricht an den Schulen. Daran kann man anknüpfen.

Extremismus wird ein Thema bleiben

Der Umgang mit Islamismus wird allerdings immer auch Teil einer solchen Konferenz bleiben müssen. Warum zieht der Terror manche junge Männer und Frauen an? Wie kann man dem entgegenwirken? Wie distanzieren sich Mainstream-Muslime von Extremisten? De Maizières Vorgänger Hans-Peter Friedrich hatte einige muslimische Verbände und Teilnehmer verjagt, weil er die Innere Sicherheit derart ins Zentrum der Islamkonferenz gestellt hatte, dass es am Ende so klang, als seien alle Muslime irgendwie gefährlich.

Deshalb wäre es am besten, wenn die Muslime sich das Thema selbst zu eigen machen. Kirchen haben Sektenbeauftragte nicht, um Polizeiarbeit zu machen, sondern vielmehr um dafür zu sorgen, dass ihnen die Gläubigen nicht an obskure Heilsversprecher abhanden kommen. Muslimische Organisationen können also auch in ihrem Sinne aufklären, Präventionsprojekte initiieren oder unterstützen. Nicht weil sie selbst verdächtig sind, sondern weil sie Teil der Gesellschaft sind, sollten sie sich klar positionieren und alle isolieren, die vom Grundgesetz nichts halten.

Und schließlich muss die Islamkonferenz, obwohl Muslime im Zentrum stehen, nicht Halt machen vor großen Themen, die auch andere, nicht muslimische Migranten betreffen: die Flüchtlingspolitik etwa, die doppelte Staatsangehörigkeit oder was Einwandererkinder aus armen Familien brauchen, damit sie bessere Chancen haben in der Schule.

Streit wird es also weiter geben, erst einmal um einen Feiertag, später dann vielleicht auch um die doppelte Staatsbürgerschaft, immer auch um abgehängte Jugendliche. Aber am besten respektvoll und kontinuierlich in Arbeitsgruppen – statt nur einmal im Jahr.