Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat 2011 und 2012 mehr als 400 Priester wegen Kindesmissbrauchs ihres Amtes enthoben. Das gehe aus einer Statistik des Vatikans hervor, die der Nachrichtenagentur AP vorliegt. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zahl deutlich gestiegen: 2008 und 2009 sind nur 170 Priester verstoßen worden, wie aus der Statistik hervorgehe.

2008 gab der Vatikan erstmals die Zahl der Priester bekannt, die wegen diverser Sexskandale auf der ganzen Welt ihres Amts enthoben wurden. Das Dokument wurde für den vatikanischen Botschafter in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi, vorbereitet, der diese Woche zu den Missbrauchsvorwürfen vor dem Menschenrechtskomitee der Vereinten Nationen Rede und Antwort stehen musste.

Als Joseph Ratzinger 2001 noch Präfekt der Glaubenskongregation war, entschied er, dass Bischöfe nicht mit dem Kirchenrecht gegen Priester vorgehen sollten, denen sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde. Der Vatikan wies die Bischöfe damals an, alle einschlägigen Fälle an die Glaubenskongregation zu übermitteln. Die von Ratzinger eingeleiteten Reformen gaben den Bischöfen in jedem von der Kongregation geprüften Fall vor, wie sie vorzugehen hatten.

Als Papst bekannte sich Ratzinger zu den Missbrauchsfällen

Erst 2005 – als Ratzinger Papst wurde – begann die Kongregation, die Zahl der Fälle mitzuteilen, die ihr übermittelt wurden. Über die dabei gefällten Urteile wurden jedoch keine Angaben gemacht.

2008 änderte sich der Umgang des Vatikans mit den Vorwürfen völlig. Benedikt reiste in die USA und erklärte, er sei beschämt über das Ausmaß des Missbrauchs. Er könne es nicht fassen, wie Priester auf derartige Weise versagen könnten. In dem Jahr stellte der Vatikan erstmals klar, dass Opfer von sexuellem Missbrauch durch Kirchenverfahren nicht daran gehindert würden, sich an die Polizei zu wenden. Und erstmals veröffentlichte der Vatikan die Zahl der Priester, die wegen solcher Vorwürfe verstoßen wurden: 68. Daraufhin wurden 191 neue Fälle gemeldet.

2010 stieg die Zahl der Vorwürfe mit Skandalen in Europa und anderen Teilen der Welt stark an. 527 Fälle wurden der Kongregation gemeldet. 2011 nahm die Zahl der verstoßenen Priester auf 260 zu, 404 neue Fälle wurden gemeldet. Gegen 419 Priester wurden in Missbrauchsverfahren Strafen unterhalb der Amtsenthebung ausgesprochen.