Diese Hoffnung G.s erfüllte sich während der mehr als zehnstündigen Sitzung des Ausschusses nicht. Von den etwa ein halbes Dutzend weiteren Polizeibeamten, die am Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss aussagten, belastete kein weiterer Jakstat. Zwar wollten mehrere Beamte G. auch nicht in den Rücken fallen. Wenn der sage, ein solches Gespräch mit diesem Inhalt entgegengenommen zu haben, dann müsse man das zur Kenntnis nehmen, hieß es mehrfach. Aber an mehr konnte oder wollte sich kein Polizist erinnern.

Damit steht zu diesem Vorwurf weiterhin Aussage gegen Aussage. Wie schon in der Vergangenheit bestritt Jakstat nämlich auch am Donnerstag bei seiner Vernehmung durch das Gremium vehement, einen solchen Anruf getätigt zu haben. Er könne sich an kein Telefongespräch "erinnern", bei dem er Polizisten aufgefordert habe, einem Hinweis auf den möglichen Aufenthaltsort Böhnhardts nicht nachzugehen, sagte er. Ohnehin es sei "irrsinnig", anzunehmen, er habe eine solche Anweisung erteilt. Auf die Frage, welche Gründe G. haben solle, ihn mit falschen Aussagen zu belasten, antwortet Jakstat: "Er ist definitiv kein Freund meiner Person." Der gewerkschaftlich aktive Beamte habe in der Vergangenheit angekündigt, er werde ihn "hart anzugehen".

G. blieb auch bei seiner Darstellung, als er innerhalb weniger Stunden noch mal vor den Ausschuss musste, und damit konfrontiert wurde, dass Jakstat weiterhin angegebenen hatte, sich an dieses Telefongespräch nicht mehr zu erinnern; ja dessen Existenz überhaupt bestritt. 

Thüringer Polizei soll Hinweisen nicht nachgegangen sein

Die Kontroverse um das Telefonat oder Nicht-Telefonat überlagerte indes fast völlig, dass während der Sitzung auch mehrere Hinweise darauf auftauchten, dass die Thüringer Polizei 2003 bei der Fahndung nach dem Trio damals noch vorhandenen Hinweisen nicht konsequent nachging – entgegen anders lautender Beteuerungen ranghoher Polizisten aus den vergangenen Monaten.

Denn offenbar gab es damals eben nicht nur den Hinweis eines Bekannten von Böhnhardt, er habe diesen damals an einer Ampel in Jena gesehen; jener Hinweis, der mutmaßlich der Anlass für das angebliche Telefonat zwischen Jakstat und G. war. Dieser Bekannte Böhnhardts sagte am Donnerstag ebenfalls in Erfurt aus. Dabei erklärte er – dessen Glaubwürdigkeit nicht abschließend zu klären war –, diese Begegnung habe im Sommer 2003 und nicht wie von Report Mainz berichtet ein Jahr zuvor stattgefunden. Er und Böhnhardt hätten sich in Autos sitzend gesehen und gegrüßt. Anschließend seien sie auf einen Platz in der Innenstadt gefahren, um kurz miteinander zu sprechen. Dabei sei Böhnhardt überhaupt nicht hektisch gewesen, habe nicht gestresst gewirkt. Er habe sich nicht verhalten, wie einer, der da "zu den meistgesuchten Menschen Deutschlands" gehört habe.

So tauchte zum Beispiel auch der Hinweis auf, es habe 2003 eine weitere Polizeimaßnahme im Zusammenhang mit der Fahndung nach Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe gegeben, die nicht in den Akten zu finden ist. Ein Polizist sagte, er könne sich daran so genau erinnern, weil zwei seiner Kollegen dabei kugelsichere Westen angezogen hätten – er dies aber nicht habe tun können, weil er keine dabeigehabt habe.