Bischof Stephen Blaire der US-Diözese Stockton in Kalifornien © Debbie Noda/dpa

Aufgrund millionenschwerer Entschädigungszahlungen für Missbrauchsopfer ist die römisch-katholische Diözese Stockton in Kalifornien pleite. Sie hat deshalb in Sacramento Insolvenz angemeldet. "Wir sind in dieser Situation aufgrund der vielen Priester, die in unserer Diözese Kinder sexuell missbraucht haben", heißt es in einer Erklärung des zuständigen Bischofs Stephen E. Blaire. "Wir sollten niemals vergessen, dass diese bösen Handlungen – und nicht die Opfer des Missbrauchs – für unsere finanziellen Schwierigkeiten verantwortlich sind."

Blaire zufolge hat die Diözese inzwischen mehr als 14 Millionen Dollar (gut 10 Millionen Euro) an Entschädigungen gezahlt, weitere 18 Millionen überwiesen Versicherungen an die Opfer. Die Verbindlichkeiten belaufen sich nach Aussagen des Anwalts der Diözese auf rund 17 Millionen Dollar.  

"Wir haben mehr als 20 Jahre lang versucht, jeden Vorwurf von sexuellem Missbrauch zu begegnen, der bekannt geworden ist", schreibt Blaire in seiner Erklärung. Es sei schmerzhaft und schwierig, den Bankrott zu erklären. "Ich denke aber, es ist der richtige Weg", sagte er weiter. "Das wird uns erlauben, unsere Arbeit als Kirche fortzuführen."

Schon zehn US-Bistümer betroffen

Derzeit sind noch vier Missbrauchsfälle anhängig, in denen die Diözese aber laut Blaire keine weiteren  Entschädigungen mehr zahlen kann. Die Beträge in solchen Fällen beginnen bei etwa 1,5 Millionen Dollar (1,1 Millionen Euro), könne sich aber auch auf drei Millionen Dollar summieren.

Nach eigenen Angaben ist Stockton damit die zehnte US-Diözese, die in Folge des Missbrauchsskandals der Katholischen Kirche Insolvenz anmelden muss. Alle berufen sich dabei auf das Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts, das eine vom Gericht überwachte Reorganisation der Firmenfinanzen von Unternehmen regelt.