Vollzeit zu arbeiten, ist für den übergroßen Teil der Väter immer noch selbstverständlich. 89 Prozent von ihnen gehen laut einer Forsa-Umfrage unverkürzt arbeiten. Daran hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert. Nur ein Drittel der Väter bevorzugt Teilzeit, die meisten davon wiederum eine Wochenarbeitszeit von 30 bis 35 Stunden. 

Dass nur wenige Männer bereit sind, bei der Arbeitszeit Abstriche zu machen, rührt nicht daher, dass Väter dem Kinderstress zu Hause entfliehen wollen – das entlarvten 2013 Meinungsforscher des Allensbach-Institutes als Mythos. Eine wahrscheinliche Ursache ist, dass sich das Rollenverständnis unter Eltern nur sehr langsam wandelt.

Noch immer liefen Väter Gefahr, in die tradierte Ernährerfunktion hineinzurutschen, sagt Oliver Steinbach, Leitender Redakteur der Zeitschrift Eltern, die die Forsa-Umfrage in Auftrag gab. Zwar werde Erwerbsarbeit von Frauen nach der Geburt heute als normal angesehen. "Das hat allerdings von den fünfziger Jahren bis heute gedauert", sagt Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki. Der Kölner Soziologe Thomas Gesterkamp nennt es ein "historisches Phänomen", dass heute Väter über Kinder im Säuglingsalter Verantwortung übernähmen. Dazu haben aus Sicht der Forscher auch das Elterngeld und die Vätermonate beigetragen.  

Praktische Folgen im Hinblick auf die Wochenstundenzahl lassen aber nach wie vor auf sich warten: Vor allem in der Oberschicht und in den weniger bildungs- und einkommensstarken Milieus sei traditionelle Arbeitsteilung stark verankert, sagt Gesterkamp. Das liegt der Studie nach auch an den Vätern selbst: Denn der Wunsch nach Teilzeitarbeit ließe sich leicht erfüllen: Die Hälfte der Unternehmen, in denen die Befragten arbeiteten, ermöglichten 20-, 30- oder 35-Stunden-Jobs. Die Unternehmen scheiden als alleinige Ursache daher aus.  

Der Edeka-Vermerk droht

Viel stärker wirken sich dem Forscher nach die gefühlten Faktoren aus: In vielen Unternehmen arbeiteten laut dem Soziologen Gesterkamp sogenannte Dinosaurier-Dads – Väter, die lieber karrierewirksam Überstunden machen, als sich ihren Kindern zu widmen. Männer, die gerne in Teilzeit arbeiten würden, gerieten dadurch unter Druck: Resultat sei eine Anwesenheitskultur, in der sich keiner traue, zu familienfreundlicher Zeit Feierabend zu machen. Schnell trage ein teilzeitwilliger Vater den Edeka-Vermerk: Das Ende der Karriere drohe, sagt Gesterkamp. 

Auch Frauen haben ihren Anteil daran, dass Väter weniger gern ihre Arbeitszeit reduzieren: Eine Allensbach-Umfrage unter 1.500 repräsentativ ausgesuchten Deutschen ergab Ende 2013, dass nur 48 Prozent der weiblichen Befragten es gut fanden, wenn ihre Partner berufliche Abstriche machten. 1993 waren es noch 53 Prozent. 

Hinzu kommen gesellschaftspolitische Umstände: Schließlich fördert der Staat seit Jahrzehnten etwa mit dem Ehegattensplitting die tradierte Arbeitsteilung: Mann arbeitet, Frau erzieht. Die schwarz-gelbe Koalition legte nach mit dem Betreuungsgeld, das Mütter erhalten können, wenn sie ihr Kind nicht in eine Tagesstätte bringen oder betreuen lassen. "Väter müssen stets gegen diese Anreizmodelle ankämpfen", sagt Gesterkamp.  

Massives Ost-West-Gefälle

So kommt es, dass die deutliche Mehrheit der Väter "zuhause nichts macht", wie die Forscher feststellten. 61 Prozent der Väter betätigen sich sehr wenig bis gar nicht am Herd, der Waschmaschine oder mit dem Staubsauger. Vor allem die 36- bis 55-jährigen Väter leiden unter Drückebergerei. "Da ist noch Luft nach oben", sagt Eltern-Redakteur Steinbach über das geringe Väter-Engagement.

Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall sei da noch immer ein "massives Ost-West-Gefälle" zu beobachten, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner: 44 Prozent der befragten Ost-Väter machen wenig bis keine Hausarbeit, im Westen gaben das 65 Prozent zu. Im Hinblick darauf sei "der Ost-Mann auf einer höheren Evolutionsstufe als der West-Mann", konstatiert Güllner.

Doch bald könnte sich all das ändern: In Kürze werde sich ein neuer Typ Väter bemerkbar machen, prognostiziert der Soziologe Gesterkamp. Die Generation der Elternzeit-Nehmer etwa, die dann in der Kita mit den Erziehern selbstbewusst auch pädagogische Probleme erörtern, statt nur beim Grillen oder Renovieren zu helfen. Da kommt "eine Papa-Welle" auf die Einrichtungen zu, sagt Gesterkamp. "Diese Väter müssen ernst genommen werden."