12. Februar 2016: Die Bundesschiedskommission der SPD entscheidet sich in einer Anhörung Edathys im Willy-Brand-Haus gegen einen Parteiausschluss Edathys. Er muss seine Mitgliedsrechte aber länger als in der ersten Instanz entschieden ruhen lassen: Fünf Jahre. Mit entscheidend dafür war, dass Edathy sagte, "dass sein Verhalten den sozialdemokratischen Grundwert des Schutzes von Minderjährigen berührt hat" und dass er das bedauert.

2. März 2015: Das Verfahren gegen Sebastian Edathy wird gegen Zahlung von 5.000 Euro eingestellt.Edathy betont, das bedeute kein Schuldeingeständnis. Er gab lediglich zu, Fehler gemacht zu haben. Seine Parteimitgliedschaft ruht.

Donnerstag, 18. Dezember 2014: In einer zwei Stunden dauernden Pressekonferenz erhebt Edathy schwere Vorwürfe gegen den früheren Chef des Bundeskriminalamts, Jörg Zierke. Er gehe davon aus, dass Ziercke wollte, dass er über die Ermittlungen informiert sei, sagte Edathy. Damit steht der Verdacht des Verrats von Dienstgeheimnissen im Raum. Denn wie es Edathy darstellt, hatte Ziercke einen Vertrauten Edathys informiert – den Innenpolitiker Michael Hartmann. Der wiederum sprach mit Edathy darüber. Ziercke ist SPD-Mitglied, könnte gehandelt haben, um die Partei zu schützen. Zierke bestreitet das. Dem damaligen SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann warf Edathy vor, Hartmann benutzt zu haben, um ihn zum Verzicht auf sein Bundestagsmandat zu bewegen.

Mittwoch, 17. Dezember 2014: Um seine Version der Geschehnisse zu belegen, hat Edathy dem Stern mehrere SMS übermittelt, die er von Parteikollegen erhielt. Sie zeigen seiner Ansicht nach, das er vor den Ermittlungen gewarnt war. Die Kommunikation soll auch belegen, dass einige Parteikollegen nicht die Wahrheit sagen, wenn es um die Geschehnisse zwischen Mitte Oktober 2013 und Mitte Februar 2014 geht, allen voran SPD-Politiker Michael Hartmann und der heutige Fraktionschef Thomas Oppermann.      

Dienstag, 18. November 2014: Das Landgericht Verden lässt die Anklage wegen Besitzes von Kinderpornografie zu. Edathy muss vor Gericht. Der erste Verhandlungsterminist  für den 23. Februar angesetzt.

Montag, 13. Oktober 2014: Ein Leck im Bundeskriminalamt wird bekannt: Laut der Grünen-Abgeordnete Irene Mihalic hat eine BKA-Sachbearbeiterin am 1. Februar 2012 versehentlich eine Liste aller deutschen Kunden des kanadischen Kinderporno-Rings an die Staatsanwaltschaft Mainz geschickt. Deutlich mehr Menschen könnten so von den Ermittlungen gegen Edathy gewusst haben, bevor diese im Februar 2014 bekannt wurden.

Freitag, 29. August 2014: Das Bundesverfassungsgericht weist Edathys Beschwerde gegen die Durchsuchung seiner Wohnungen zurück. Die erhobenen Rügen "haben keine hinreichende Aussicht auf Erfolg", teilt das Gericht mit. "Sie sind teilweise unzulässig, im Übrigen unbegründet."

Donnerstag, 17. Juli 2014: Die Staatsanwaltschaft Hannover klagt Edathy an. Grundlage sind Links zu kinderpornografischen Websites, die die Ermittler in einer Sicherungskopie der Daten eines Laptops fanden, den Edathy als gestohlen gemeldet hatte. Das Gericht hat zu entscheiden, ob es einen Prozess eröffnet. Edathy bestreitet die Vorwürfe. 

Mittwoch, 2. Juli: Im Bundestag beginnt ein Untersuchungsausschuss seine Arbeit. Das von Grünen und Linken beantragte Gremium will die bisherige Aufklärungsarbeit des Innenausschusses fortsetzen.  Es soll klären, warum das Bundeskriminalamt zwei Jahre benötigte um den Fall Edathy zu entdecken, wie die Informationsweitergabe innerhalb der ermittelnden Behörden erfolgte und an wen.

Freitag, 9. Mai: Edathy fordert in einem Brief an das niedersächsische Innenministerium, die Staatsanwaltschaft Hannover von den Ermittlungen gegen ihn zu entbinden.  Mit der Durchsuchung seiner Privat- und Büroräumen am 10. Februar habe die Behörde die Verfassung gebrochen. Es geht ihm um die Frage, ob er zum Zeitpunkt der Durchsuchung noch den Schutz der Immunität als Abgeordneter genoss. Sein am 7. Februar erklärter Mandatsverzicht sei nämlich erst am 10. wirksam geworden, argumentiert Edathy – durch eine Bestätigung des Parlamentspräsidenten.

Montag, 5. Mai: Die Verfassungsklage Edathys geht in Karlsruhe ein. Edathy will sich mit der Verfassungsbeschwerde einem Bericht des Spiegel zufolge gegen die Februar erlassenen Durchsuchungsbeschlüsse zur Wehr setzen. Die Ermittler hätten "zu Unrecht einen Anfangsverdacht angenommen", sagte sein Anwalt Christian Noll. Sie hätten "aus einem nicht strafbaren Verhalten, nämlich den viele Jahre zurückliegenden Bestellungen in Kanada, auf das aktuelle Vorliegen einer Straftat geschlossen". Das sei nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts aber nicht zulässig.

Parallel wird bekannt, dass Grüne und Linke im Juni einen Untersuchungsausschuss im Bundestag einsetzen lassen wollen. Zu klären sei die unter anderem Rolle des Bundeskriminalamtes in der Angelegenheit und "warum die Abgeordneten trotz mehrerer Innenausschusssitzungen zum Thema viele Informationen erst aus der Presse erfahren haben", hieß es.

Dienstag, 4. März: Auch ein Beamter des Bundeskriminalamts hat kinderpornografisches Material besessen. Die Staatsanwaltschaft Mainz bestätigt, dass der 2013 aus dem Dienst ausgeschiedene Mann bereits Ende 2012 einen Strafbefehl akzeptierte und mittlerweile eine Therapie absolviert hat. 

Donnerstag, 27. Februar: Edathy wehrt sich gegen den entstandenen Eindruck, er habe in seiner durchsuchten Wohnung geheime Unterlagen aus dem NSU-Untersuchungsausschuss aufbewahrt: Bei den von der Staatsanwaltschaft an den Bundestag zurückgegebenen Papieren könne es sich nur um nicht-geheime Verschlusssachen handeln, die er bei sich haben und aufbewahren durfte, schreibt er auf Facebook. Die Staatsanwaltschaft habe sich "völlig verrannt".

Mittwoch, 26. Februar: Die Staatsanwaltschaft Hannover durchsucht bei ihren Ermittlungen nun auch Bundestags-Computer des ehemaligen SPD-AbgeordnetenEdathy. Die Ermittler übergaben dem Bundestag zudem Unterlagen aus Edathys Arbeit als Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses. Die zum Teil als geheim eingestuften Unterlagen hatte das niedersächsische Landeskriminalamt bei der Durchsuchung von Edathys Wohnung gefunden.

Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt nun auch gegen Ex-Innenminister Hans-Peter Friedrich. Es geht um den Anfangsverdacht, der CSU-Politiker habe Dienstgeheimnisse verraten.

Montag, 24. Februar:
Edathy stellt Strafanzeige gegen die Staatsanwaltschaft Hannover. Er verlangt, die Staatsanwälte in Hannover und die der vorgesetzten Behörde Celle vom Verfahren abzuziehen. Sie hätten die Unschuldsvermutung missachtet und seine Privatsphäre verletzt. Ermittlungsakten seien an Medien gelangt, etwa an die FAS.  

Die SPD bestätigt, ein Parteiausschlussverfahren gegen Edathy eingeleitet zu haben.

Sonntag, 23. Februar: Es wird bekannt, dass Bundeskriminalamt und Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt schon im Oktober 2013 einen Anfangsverdacht dafür gesehen haben, dass Edathy kinderpornografisches Material besessen hat. Laut FAS existieren in beiden Behörden entsprechende Vermerke. Damit korrigiert sich der bisherige Informationsstand, erst in der Staatsanwaltschaft Hannover sei dieser Verdacht aufgekommen. Das BKA war von der Polizei in Nienburg alarmiert worden, wo ein Beamter Edathys Namen in Ermittlungsakten auf einer Liste von Verdächtigen entdeckt hatte. 

Mittwoch, 19. Februar: Der Innenausschuss des Bundestages befasst sich mit dem Fall. Neben SPD-Chef Gabriel sind unter anderem BKA-Chef Ziercke und SPD-Fraktionschef Oppermann vorgeladen. Der Immunitätsausschuss des Bundestages entscheidet, die Computer Edathys zur Überprüfung freizugeben.  

Dienstag, 18. Februar: Die Staatsanwaltschaft Berlin gibt bekannt, dass sie den Anfangsverdacht eines Verrats von Dienstgeheimnissen durch den ehemaligen Bundesminister Hans-Peter Friedrich prüft. Friedrich hatte im Oktober 2013 die SPD-Spitze darüber informiert, dass im Zusammenhang mit Kinderporno-Ermittlungen in Kanada der Name Edathys gefallen sei.

Der Bundestag bestätigt, dass Edathy am 12. Februar der Parlamentsverwaltung seinen Laptop als gestohlen gemeldet hat. Damit ist möglicherweise ein wichtiges Beweismittel verschwunden. Laut Bundespolizei ist er während einer Zugfahrt Edathys nach Amsterdam verschwunden. Die Bundespolizei fahndet.

Die Staatsanwaltschaft Hannover bittet die Bundestagsverwaltung, die Computer und Speichermedien Edathys überprüfen zu dürfen. Parallel läuft die Debatte über eine mögliche Verschärfung der Gesetze gegen Kinderpornografie und sogenannte Posing-Bilder.  

Montag, 17. Februar: CSU-Chef Seehofer benennt den früheren Staatssekretär im Entwicklungsministerium, Christian Schmidt, als Nachfolger des zurückgetretenen Landwirtschaftsministers Hans-Peter Friedrich.

Edathy legt Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Staatsanwaltschaft Hannover ein, weil sie "bewusst unrichtig" über das Verfahren gegen Edathy informiert habe. Hintergrund ist die Einordnung der von Edathy bestellten Bilder als strafrechtlich nicht relevant.

Der SPD-Parteivorstand beschließt, die Mitgliedsrechte Edathys ruhen zu lassen.

Die Bundestagsverwaltung räumt Edathys Dienst-Computer auf Bitten seiner Nachfolgerin Groneberg aus dem Abgeordnetenbüro und verwahrt ihn sicher.

Sonntag, 16. Februar: SPD-Fraktionschef Oppermann reagiert auf die Vorwürfe gegen ihn und weist jegliche persönliche Schuld im Fall Edathy von sich. Er sei sich "der Brisanz der Informationen" des damaligen Innenministers Friedrich sehr bewusst gewesen und habe sich "in jeder Hinsicht gesetzeskonform verhalten". Er beteuert außerdem, dass Edathy weder direkt noch indirekt aus der SPD gewarnt worden sei. Für die kommende Woche kündigt er eine Stellungnahme im Bundestag an.

Samstag, 15. Februar: Nach dem Rückzug von Friedrich geht CSU-Parteichef Horst Seehofer mit dem Koalitionspartner ins Gericht. Der SPD-Parteiführung um Oppermann wirft Seehofer "Geschwätzigkeit" und "Vertrauensbruch" vor. Auch Friedrich greift den SPD-Fraktionschef an: Dieser habe ein gezieltes Ablenkungsmanöver gefahren, um seine eigene Karriere zu retten – "das ist nicht ganz fein". Edathy selbst meldet sich im Spiegel zu Wort und bestreitet, vorab über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn gewarnt worden zu sein. Auch habe er kein Beweismaterial vor der Durchsuchung seiner Wohnung vernichtet.

Freitag, 14. Februar: Friedrich gerät unter Druck. Nach einer Beratung der Koalitionsspitze sagt er, er trete erst zurück, wenn die Justiz gegen ihn ermitteln sollte. Er widerspricht der Darstellung Oppermanns vom Vortag, es würden möglicherweise strafrechtliche Ermittlungen gegen Edathy folgen. Kurz darauf die Wende: Friedrich tritt vor die Presse und kündigt seinen Rücktritt als Agrarminister an – auch wenn er nach wie vor überzeugt ist, "politisch und rechtlich richtig gehandelt" zu haben.

Die Staatsanwaltschaft Hannover informiert in einer Pressekonferenz über den Fall Edathy. Man habe sich nach ausführlicher Überlegung entschieden, gegen ihn zu ermitteln, weil nach kriminalistischer Erfahrung Personen, die nicht strafwürdiges pornografisches Material erwerben oder besitzen, oft auch mehr hätten, begründet Behördenchef Jörg Fröhlich.

Donnerstag, 13. Februar: Die SPD-Spitze gibt zu, bereits seit Oktober über mögliche Ermittlungen gegen Edathy im Bilde zu sein. Dass der damalige Bundesinnenminister Friedrich die Informationen weitergab, grenzt nach Ansicht der Ermittler in Hannover an Strafvereitelung. SPD-Fraktionschef Oppermann bestätigt, dass Friedrich im Oktober SPD-Chef Gabriel informierte. Er selbst habe sich den Verdacht von BKA-Chef Ziercke bestätigen lassen, sagt Oppermann. Das BKA bestreitet aber, diese Bestätigung gegeben zu haben. Oppermann schreibt auch, es sei bei den Ermittlungen um nicht strafwürdige Inhalte gegangen. Möglicherweise würden aber strafrechtliche Ermittlungen folgen.

Bekannt wird auch, dass Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius durch den Göttinger Polizeipräsidenten seit Oktober von einem möglichen Verdacht gegen Edathy wusste.

Mehrere Justizbehörden prüfen Ermittlungen gegen die Personen, die Informationen über den Verdacht gegen Edathy weitergegeben haben könnten. Ziel könnte auch der frühere Innenminister Friedrich sein. Wegen möglichen Verrats von Dienstgeheimnissen zuständig wäre die Berliner Staatsanwaltschaft. 

Mittwoch, 12. Februar: Edathy erhebt Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft Hannover. Die Razzien in seiner Wohnung und Büros seien unverhältnismäßig und widersprächen rechtsstaatlichen Grundsätzen. Ermittler durchsuchen ein weiteres Büro Edathys in Rehberg.

Dienstag, 11. Februar: Edathy weist via Facebook den Verdacht auf Besitz von Kinderpornografie zurück.

Montag, 10. Februar: Die Polizei durchsucht in Rehburg vier Büro- und Wohnräume von Edathy in seinem Heimatort Rehberg. Die Ausbeute ist mit zwei Computern laut Staatsanwaltschaft "sehr mager". Intakte Festplatten seien nicht dabei, lediglich Reste. Die Ermittler machen bis zu diesem Zeitpunkt keine Angaben, was sie Edathy zur Last legen.

Der Fall wird erstmals öffentlich bekannt. SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Lambrecht sagt, dass sie die Ermittlungsgründe nur aus Medienberichten kenne. Die SPD sieht keinen Widerspruch dazu, dass Lambrecht bereits über den Verdacht informiert war.

Freitag, 7. Februar: Edathy legt nach 15 Jahren sein Bundestagsmandat nieder und nennt dafür gesundheitliche Gründe. Unklar ist, ob er von dem Ermittlungsverfahren wusste, davor gar gewarnt wurde und einer Aufhebung seiner parlamentarischen Immunität zuvorkommen wollte.

Donnerstag 6. Februar: Die Staatsanwaltschaft Hannover informiert den Bundestagspräsidenten über das Ermittlungsverfahren gegen Edathy. Es geht dabei noch nicht um eine Aufhebung der Immunität des Abgeordneten. Der mit gewöhnlicher Post an Norbert Lammert verschickte Brief ("persönlich/vertraulich") erreicht den Parlamentspräsidenten aber erst fünf Tage später. Die Hannoveraner Justiz rätselt über die Ursachen der Verzögerung und erwägt laut Behördenchef Fröhlich, künftig einen verlässlicheren Postweg zu nutzen.