Sebastian Edathy © Thomas Trutschel/Photothek/Getty Images

Ermittler haben ein weiteres Büro des früheren SPD-Innenpolitikers Sebastian Edathy durchsucht. In seinem niedersächsischen Heimatort Rehburg hätten Beamte "Dinge sichergestellt", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover.  

Laut Informationen der Zeitung Die Welt sind ein Computer und eine große Kiste mit Unterlagen abtransportiert worden. Die Zeitung berichtete außerdem, das durchsuchte Büro liege im selben Haus wie die Wohnung des Politikers, die bereits am Montag Ziel der Fahnder war. Die Staatsanwältin sagte, die Existenz des weiteren Büros sei erst durch die Durchsuchung am Montag bekannt geworden. 

Die Zeitung zitierte Sicherheitskreise, dass Edathy Kunde bei einem kanadischen Onlineshop gewesen sein soll, der kinderpornografisches Material angeboten hatte. Laut dem NDR-Magazin Panorama geht aus dem richterlichen Beschluss für die Durchsuchung hervor, dass Edathy zwischen Oktober 2005 und Juni 2010 Film- und Fotosets mit Nacktaufnahmen von Kindern bestellte.  

Wie Panorama aus Ermittlerkreisen erfahren haben will, soll es sich bei den Nacktbildern um Aufnahmen der sogenannten Kategorie 2 handeln. Bei denen stehen die Genitalien nicht im Vordergrund. Die Bilder zeigen unbekleidete Jungen im Alter von ungefähr 8 bis 14 Jahren. Sexuelle Handlungen werden nicht dargestellt. Der Besitz solcher Aufnahmen ist in Deutschland nicht strafbar.

Laut Welt gehen die Ermittler zudem Hinweisen nach, denen zufolge Edathy das Material teilweise über einen Internetserver des Bundestags gekauft haben soll. Diesen Angaben zufolge hat er offenbar seine Kreditkarte eingesetzt. Die entscheidenden Hinweise kamen laut Berichten von kanadischen Ermittlern.  

Auf Nachfrage wollte sich Edathy nicht dazu äußern. Am Montag hatte er Berichte zurückgewiesen, gegen ihn werde wegen Kinderpornografie ermittelt. "Die öffentliche Behauptung, ich befände mich im Besitz kinderpornografischer Schriften bzw. hätte mir diese verschafft, ist unwahr", erklärte der 44-Jährige auf seiner Facebook-Seite. "Ich gehe davon aus, dass die Unschuldsvermutung auch für mich gilt."  

Der Innenpolitiker hatte sich vergangenen Freitag nach 15 Jahren im Bundestag mit sofortiger Wirkung zurückgezogen. Er gab dafür gesundheitliche Gründe an.