Kampagne gegen Einwanderung: In Zürich ist ein Kampagnenplakat für die Begrenzung von Einwanderung in die Schweiz zu sehen. © MIchael Buholzer/Getty Images

Der Autor arbeitet als Wissenschaftler an der Universität Zürich. Der Name ist der Redaktion bekannt.

Wie man als Deutscher in der Schweiz behandelt wird, kommt sehr auf den Kontext an. Ich wohne etwa in einem sehr kosmopolitischen und multikulturellen Teil von Zürich. Dort gibt es sehr viele Deutsche und andere Ausländer. Es ist ein bisschen wie das Kreuzberg von Zürich. Ich wurde dort sehr gut aufgenommen. Aber das ist überhaupt nicht repräsentativ für den Kanton Zürich oder den Rest des Landes.

Die Deutschenfeindlichkeit ist auch immer wieder Thema in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Ich kenne eigentlich nur Leute, die die Schweiz wieder verlassen wollen. Ich bin 2010 wegen der hervorragenden Arbeitsbedingungen hierher gekommen. Das sind sie auch, emotional will ich aber auf jeden Fall wieder zurück nach Deutschland.

Zu Schweizern habe ich kein enges Verhältnis. Es ist schwierig, mit ihnen in Kontakt zu kommen, auch wenn man sich bemüht. Was ich versucht habe. Aber ich habe eine große Reserviertheit erlebt.

Meine Erfahrung als Deutscher in der Schweiz ist: Man eckt immer wieder an. Grundsätzlich wird man meistens freundlich empfangen und angelächelt, bis man den Mund aufmacht und Hochdeutsch spricht. Dann verschwindet oft das Lächeln und die Atmosphäre wird eisiger.

Es gab auch extreme Ausnahmesituationen, in denen ich auf der Straße beschimpft worden bin. Da können Worte fallen wie man solle "Heim ins Reich" gehen oder "verpiss dich in deine Heimat". Ich saß zum Beispiel einmal im Flugzeug von Hamburg nach Zürich. Nach der Landung stand ich offenbar nicht schnell genug auf für meinen Schweizer Sitznachbarn. "Wir sind nicht mehr in Deutschland", blaffte der mich an. Das sind absolute Ausnahmen, das möchte ich noch einmal betonen. Aber solche Vorfälle nagen trotzdem an einem.

Jung, gebildet, ausländerskeptisch

Zudem spielt auch in meinem Job meine Herkunft eine Rolle. In der Schweiz ist es mittlerweile ein Politikum, ob eine Professur mit einem Deutschen besetzt wird. Die Diskussion dreht sich tatsächlich darum, ob die Deutschen in der Wissenschaft den Schweizern ihre Arbeitsplätze wegnehmen.

Was mich verwundert in der Schweizer Debatte: Die Deutschen- und Ausländerfeindlichkeit ist nicht eine Sache ungebildeter Bauern aus Appenzell, sondern wird mitunter auch von jungen, gebildeten Wissenschaftlerinnen vertreten. Das heißt, das Abstimmungsergebnis gibt eine breitere Meinung wieder. Es entsteht wirklich das Gefühl, als Deutscher in der Schweiz nicht willkommen zu sein. Insofern hat das Referendum auch einen symbolischen Wert, das nehme ich durchaus auch persönlich. Auch wenn ich im Abstimmungsergebnis vor allem auch ein Versagen der Politik sehe, die die Ängste der Schweizer nicht ernst genommen hat.

Leben Sie als Ausländer in der Schweiz? Wie bewerten Sie das Ergebnis der Volksabstimmung? Schreiben Sie uns. Entweder hier im Kommentarbereich oder über das Leserartikel-Formular, Stichwort "Schweiz".