Das Inkrafttreten eines international scharf kritisierten Anti-Homosexuellen-Gesetzes hat für Uganda hohe finanzielle Einbußen zur Folge. Nachdem am Donnerstag bereits Norwegen, Dänemark und die Niederlande ihre Hilfszahlungen für das verarmte Land eingestellt oder zusammengestrichen hatten, hat nun auch die Weltbank entsprechende Schritte angekündigt. Die Organisation mit Sitz in Washington hält einen Kredit in Höhe von 90 Millionen Dollar zunächst zurück.

"Wir haben das Projekt zurückgestellt, um sicherzustellen, dass das Gesetz die Entwicklungsziele nicht beeinträchtigt", sagte ein Sprecher der Weltbank. Der Kredit sollte ursprünglich dabei helfen, das Gesundheitssystem in Uganda zu stärken. Nun müsse aber sichergestellt werden, dass die neue juristische Lage "sich nicht nachteilig auf die Entwicklungsziele auswirken wird".

Die Ankündigung der Weltbank ist ungewöhnlich, hält sie sich doch traditionell aus der Innenpolitik der Länder heraus, die ihre Dienste in Anspruch nehmen. Dies gilt auch für die Debatte über die Rechte von Schwulen und Lesben. Damit sollen Kontroversen unter den 188 Mitgliedsstaaten vermieden werden.

Nun allerdings schrieb der Chef der Weltbank, Jim Yong Kim, in einer E-Mail an die Mitarbeiter, das Gesetz in Uganda sei kein Einzelfall. In 83 Staaten stehe Homosexualität unter Strafe und in mehr als 100 würden Frauen diskriminiert. In den kommenden Monaten werde das Institut deshalb eine ausführliche interne Debatte über den Umgang mit Diskriminierung führen, hieß es in dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur Reuters vorlag. "Der Zeitpunkt für diese Diskussion ist gekommen."

Kerry vergleicht Gesetz mit NS-Rassengesetzen

In Afrika ist Homosexualität in 37 Staaten verboten und in fast allen ein Tabuthema. Zuletzt hatte Ugandas Präsident Yoweri Museveni ein Gesetz unterzeichnet, das die ohnehin vergleichsweise strengen Gesetze des Landes zur Homosexualität weiter verschärft. Sie sehen nun für gewisse Handlungen eine lebenslängliche Haft vor.

Menschenrechtler und westliche Regierungen übten harte Kritik an dem Kurs der ugandischen Staatsführung. US-Außenminister John Kerry hatte das Gesetz am Mittwoch mit den antijüdischen Rassengesetzen im Dritten Reich und der gegen Schwarze gerichteten Gesetzgebung während der Apartheid in Südafrika verglichen. Ugandas Regierungssprecher wies die Kritik am Donnerstag zurück: "Der Westen kann seine Hilfe für Uganda wegen der Homos behalten, wir werden uns auch ohne sie entwickeln", twitterte er.