ZEIT ONLINE: Herr Handwerg, Sie sind selbst Pilot. Können Sie eine Maschine verschwinden lassen?

Jörg Handwerg: Ein Flugzeug kann nicht unsichtbar werden. Wir Piloten haben zwar das Sekundärradar, den Transponder, an Bord. Das können wir natürlich ausschalten. So etwas wie das elektronische ACARS, das die Systemdaten des Flugzeugs an die Bodenstationen schickt, schaltet man normalerweise nicht ab. Der Pilot könnte dies aber. Doch selbst wenn der Pilot Transponder und ACARS abstellen würde, gibt es immer noch den Primärradar, und der ist völlig unabhängig vom Pilot. Komplett verschwinden kann man nur, wenn man das Radar unterfliegt.

ZEIT ONLINE: Also ist es doch möglich?

Handwerg: Die Vorstellung, dass jemand länger das Radar unterfliegt, ist unrealistisch. Die großen Verkehrsflugzeuge sind dafür nicht gebaut. Je nach Gebiet muss man wirklich sehr weit runter, auf vielleicht Hundert Meter über dem Boden. Kampfflugzeuge haben einen Autopiloten, der schnell genug reagiert, um nicht am nächsten Hindernis kleben zu bleiben. Das haben wir in Verkehrsflugzeugen nicht. Außerdem bliebe es kaum unbemerkt, wenn Sie mit einer großen Passagiermaschine über bewohntem Gebiet fliegen würden. Das ist so laut, da würde jeder sofort nach oben blicken und sich fragen, was denn da gerade passiert. Sofort würde jemand bei der Polizei anrufen: Da stimmt was nicht.

ZEIT ONLINE: Warum gibt es dann die Möglichkeit, Transponder und ACARS einfach abzuschalten?

Handwerg: Das hat mit der technischen Sicherheit zu tun. Alle Geräte an Bord sind mit einer Sicherung versehen. Wenn es mal zu einem Kurzschluss kommt, muss es diese Sicherung geben, damit es nicht zum Brand kommt. Und am Boden, in der Parkposition, wird der Transponder generell ausgeschaltet, weil er mit seinen Signalen nur die Flugsicherung stören würde.

ZEIT ONLINE: Haben die Piloten der verschwundenen malaysischen Maschine die Kommunikation selbst gekappt?

Handwerg: Das weiß kein Mensch. Das ist eine Vermutung, die inzwischen als Fakt dargestellt wird. Die Geräte können genauso gut ausgefallen sein. Selbst wenn es stimmen sollte, dass das ACARS zehn Minuten nach dem Transponder keine Signale mehr sendete, kann man davon nicht automatisch auf ein absichtliches Ausschalten durch die Piloten schließen. Außerdem soll die Maschine ja noch mehrere Stunden Funk-Signale gesendet haben. Wie das gehen soll, wenn das ACARS abgeschaltet ist, erschließt sich mir bisher nicht. Fakt ist: Vom Flughafen aus kann man nicht feststellen, ob es ausgefallen ist oder der Pilot es ausgeschaltet hat.