Bürgermeister Richard Arnold beim Besuch eines Deutschkurses für Flüchtlinge in Schwäbisch-´Gmünd © Marijan Murat/dpa

Die Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd ist derzeit noch ein trister Streifen Gras mit einer Menge Zaun drumherum. Christopher soll das ändern: Ab dem 30. April werden Besucher hier ein Blumenmeer bestaunen können, gepflanzt unter anderem von dem Nigerianer. Er ist einer von 60 Asylbewerbern und Flüchtlingen, die der Stadt bei der Gartenschau aushelfen werden.

"So viele Namen", stöhnt Christopher und rollt belustigt die Augen. Ob er die Pflanzen je korrekt aussprechen kann? Deutsch ist kompliziert, aber Christopher mag Blumen. Für die Stadt hat er schon im Gartenbauamt gearbeitet. Ehrenamtlich – der Nigerianer hat keine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland, eine reguläre Arbeit ist ihm verboten.

Auch Amir aus dem Iran will etwas zur Landesgartenschau beitragen, als ehrenamtlicher Kartenkontrolleur. Dafür muss der 39-jährige Familienvater noch deutsche Dialoge üben. Zusammen mit Gerburg Maria Müller, die Flüchtlingsprojekte für die Landesgartenschau betreut, steht er in den Räumen der Arbeitslosenhilfe und macht ein Rollenspiel.

"Guten Tag, wo ist bitte die Toilette?" – "Geradeaus und dann rechts."

Und was soll er sagen, wenn er die Frage eines Besuchers nicht versteht?

"Können Sie bitte etwas langsamer sprechen? Ich bin noch am Lernen." 

Amir (links) möchte auch mit seiner Band aus Flüchtlingen und regionalen Musikern auf der Landesgartenschau auftreten. © Lisa Caspari/ZEIT ONLINE

Schwäbisch Gmünd und seine Flüchtlinge, das sei eine ganz besondere Beziehung. Da sind sie sich einig auf der Ostalb – der Bürgermeister, die Linkspartei und der Arbeitskreis Asyl, der sich für die Interessen der Flüchtlinge einsetzt. In der Staufferstadt leben rund 300 Asylbewerber. Die meisten von ihnen werden geduldet in Deutschland. Das bedeutet, dass ihr Asylantrag abgelehnt wurde und ihre Abschiebung nur ausgesetzt ist. Vieles, was die Situation der Flüchtlinge verbessern könnte, wie die strengen Einschränkungen bei der Arbeitssuche, regelt ein Bundesgesetz, Ausnahmen erteilen und Abschiebungen verhindern kann nur das Land.

Vorwurf der Sklaverei

In Schwäbisch Gmünd fühlen sie sich daher oft machtlos. "Es macht mich traurig, dass wir so eine technokratische Einwanderungspolitik haben", sagt Bürgermeister Richard Arnold. "Menschen werden von den Behörden zu Fällen degradiert." Die Klagen des CDU-Politikers bei der regierenden Bundespartei sind bislang verhallt. Der Mittfünfzigjährige seufzt und macht dann eine etwas übertriebene Geste mit den Armen: "Alle gehören zu dieser Stadt. Die Flüchtlinge haben so viele Talente, die nicht brachliegen sollten."

Arnold hat eine Vision. Er  will die Asylbewerber in das größte Freiwilligenprojekt integrieren, das Schwäbisch Gmünd zu bieten hat. Die Landesgartenschau, über Jahre vorbereitet und 120 Millionen Euro teuer. 166 Tage lang sollen die Flüchtlinge Besucher begrüßen, für sie singen, pflanzen, die Stadt mitrepräsentieren. "Flüchtlinge wurden nie für ein Prestigeprojekt wie dieses eingesetzt. Wenn es klappt, dann kann es künftig keine Argumente mehr geben, sie auszuschließen. Zum Beispiel vom Kirchentag", sagt Arnold. Und strahlt.

Mit der Außenwahrnehmung ihrer ambitionierten Flüchtlingspolitik haben Schwäbisch Gmünd und vor allem Arnold allerdings auch schon negative Erfahrungen gemacht. Im vergangenen Sommer provozierten die "Kofferträger von Schwäbisch Gmünd" einen regelrechten Shitstorm, sogar der Vorwurf der Sklaverei stand im Raum. 

Am Gmünder Bahnhof mussten Reisende damals wegen Bauarbeiten eine steile, provisorische Fußgängerbrücke überqueren. Es gab Beschwerden beim Bürgermeister. "Herr Arnold", wie ihn die Flüchtlinge nennen, fragte also, ob die Asylbewerber den Reisenden nicht mit ihrem Gepäck helfen wollten. Laut Bundesgesetz dürfen sie trotz Arbeitsverbot bei ehrenamtlicher oder kommunaler Arbeit 1,05 Euro pro Stunde dazuverdienen. Sie könnten sogar dazu verpflichtet werden. Aber von Pflicht, so Arnold, sei keine Rede gewesen.