Visafreiheit für alle!

Anna, Tom und Dumitru trafen sich 2007 im Gebäude des Europäischen Parlaments in Brüssel, auf einer von etlichen Jugendkonferenzen. Anna kam aus Polen, Tom aus Deutschland und Dumitru aus Moldaw... äh, nein, nein, aus Rumänien! So stand es in den offiziellen Papieren, denn eingeladen zur Konferenz waren ja nur Teilnehmer aus EU-Ländern.

Anna und Tom küssten sich im Aufzug des Parlaments, auf dem Weg zu einer Rede über das Europa ohne Grenzen. Dumitru war da schon abgereist. Er musste einen billigeren Flug nach Bukarest kriegen, und dann noch einen Bus zurück nach Chisinau in Moldawien.

Um überhaupt nach Brüssel zu dürfen, brauchte Dumitru natürlich ein Visum für Belgien. Dafür musste er erst von Chisinau nach Bukarest, denn in Moldawien gibt es keine belgische Botschaft. Um nach Bukarest zu dürfen, brauchte er ein Visum für Rumänien. Dafür musste er mehrere Nächte an der rumänischen Botschaft in Chisinau verbringen. So ging das jahrelang. Manchmal hatte Dumitru Pech, und manchmal hatte er Glück und tourte zu europäischen Konferenzen, offiziell immer als rumänischer Teilnehmer.

 Als Anna und Tom in Berlin heirateten und all die internationalen Freunde kamen um zu feiern, war Dumitru nicht dabei. So kurzfristig hatte er kein Visum bekommen. Aber nicht nur er fehlte, auch Aygen aus der Türkei. Und Masha aus Russland. Warum? Wegen des Visums, natürlich.

Aber als Anna und Tom ihr erstes Kind bekamen, kam auch Dumitru nach Berlin. Mit gefälschten Papieren, denn es gibt kein Visum um Freunde zu besuchen, die gerade Eltern geworden sind, klar. 

Unsere Tochter Mila ist jetzt vier Jahre alt und war schon in 37 Ländern, natürlich auch in Moldawien. Sie hat Glück, weil sie einen deutschen und einen polnischen Pass hat. Und doch fühlen wir uns jedes Mal schlecht, wenn wir wieder an der Schlange vorbei in die Botschaft gehen dürfen, wenn wir einfach unseren Pass am Flughafen stempeln lassen können, während andere gar nicht erst einreisen dürfen. Das ist nicht fair! Niemand kann etwas dafür, wo er geboren ist.

Also lasst uns endlich alle gleich sein! Wir müssen keine Angst haben vor Menschen, die durch Europa reisen, egal woher sie kommen.

Anna und Thomas Alboth reisen mir ihren beiden kleinen Kindern um die Welt, auf ihrer Website The family without borders berichten sie darüber.

Bildungsgutscheine für Arbeitslose Jugendliche!

Europa-Idee - Bildungsgutscheine für arbeitslose Jugendliche

Unabhängigkeit für Katalonien!

Europa hat in den vergangenen 150 Jahren Staaten und Imperien zerfallen sehen, neue kleine Staaten sind entstanden, Irland und Slowenien, beispielsweise. Trotzdem wurden einige Staaten zurückgelassen, die jetzt immer noch um Anerkennung ihrer nationalen Identität kämpfen. Das ist zum Beispiel bei den Basken, Schotten und Katalanen der Fall.

Ich würde mir wünschen, dass die EU eine Lösung für den Wunsch dieser Menschen nach Selbstbestimmung findet. Ein möglicher Weg wäre eine "innere Erweiterung": Die internen Grenzen der EU würden verändert und die autonomen Rechte dieser Region ausgeweitet. Eine solche Reform würde die Europäische Union nicht gefährden und man sollte es nicht für ein größeres Drama halten als es ist.

Denn tatsächlich hat es solche Veränderungen schon einige Male gegeben, in der Geschichte der USA. Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden vier neue Staaten. Maine, Kentucky, West Virginia und Vermont haben sich von anderen Staaten losgesagt, sind aber Mitglieder der USA geblieben. Das sollte auch in der EU möglich sein, so lange der Prozess demokratisch und gewaltfrei ist.

Zumindest könnte die EU einen besonderen Status für die Nationen schaffen, um deren Klagen zu entsprechen. Zum Beispiel wir Katalanen: Es ist einfach nicht fair, dass unsere Sprache, die von mehr als 10 Millionen Menschen gesprochen wird, keine Amtssprache in der EU ist, Maltesisch aber schon, obwohl das nur 300.000 Menschen sprechen.

Der Spanier Ricard Gonzales arbeitet als Journalist in Kairo.