Papst Franziskus hat in Bethlehem ein Ende des Nahost-Konflikts und eine Zwei-Staaten-Lösung gefordert. Es sei an der Zeit, der Situation, die "immer unerträglicher" werde, ein Ende zu setzen, sagte der Papst bei dem Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Westjordanland. Franziskus lud Abbas und den israelischen Staatschef Schimon Peres zudem zu einem gemeinsamen Gebet im Vatikan für den Frieden ein.  

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nahm die Einladung von Papst Franziskus an. Abbas habe dem Papst zugesagt und werde am 6. Juni nach Rom reisen, sagte der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat. Peres' Sprecher sagte, der israelische Präsident begrüße die Einladung, ein Zusage sei bislang aber nicht gemacht worden. Die Amtszeit von Peres endet Ende Juni.

Franziskus hatte die Einladung überraschend bei einer Messe unter freiem Himmel auf dem Krippenplatz in Bethlehem ausgesprochen. Abbas und Peres seien im Vatikan willkommen, um "gemeinsam mit mir ein intensives Gebet zu erheben und von Gott das Geschenk des Friedens zu erflehen". Als Ort für "dieses Gebetstreffen" bot Franziskus sein Haus im Vatikan an.

Franziskus forderte außerdem, alle Beteiligten müssten den "Mut" zum Frieden aufbringen, der auf dem Recht zweier Staaten beruhen müsse, "in Frieden und Sicherheit und innerhalb international anerkannter Grenzen zu existieren und zu leben". Er erneuerte damit die Forderung des Vatikans nach einer Zwei-Staaten-Lösung im Nahost-Konflikt.

Abbas warf Israel vor, Christen und Muslime aus Jerusalem verdrängen zu wollen. Er habe den Papst über die "tragische Situation in Jerusalem informiert", sagte Abbas. Israel versuche "systematisch", die Identität und den Charakter Ost-Jerusalems zu verändern. Dazu schneide es sowohl christlichen als auch muslimischen Palästinensern "die Luft ab" – mit dem Ziel, sie aus dem Ostteil der Stadt zu verdrängen.

Nach dem Treffen mit Abbas legte Franziskus auf dem Weg zum Krippenplatz in Bethlehem einen ungeplanten Zwischenstopp an der israelischen Sperranlage zum Westjordanland ein. Wie Korrespondenten berichteten, stieg der Papst aus seinem weißen Papamobil aus und ging zu Fuß zu der acht Meter hohen Betonmauer, wo er einige Minuten lang zum Gebet verweilte.

Auf dem Krippenplatz am angeblichen Geburtsort Jesu will der Papst am Vormittag eine Messe unter freiem Himmel feiern und anschließend zurückgezogen in der Geburtsgrotte beten. Einen politischen Höhepunkt seiner dreitägigen Nahostreise bildet die anschließende Begegnung mit 100 palästinensischen Flüchtlingskindern.

In der Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt steht am Abend das ökumenische Gebet mit dem orthodoxen Patriarchen Bartholomeos im Mittelpunkt. Auch eine gemeinsame Erklärung der beiden Kirchenführer wird dort unterzeichnet.

Radikale Demonstranten festgenommen

Der Besuch des Papstes wird von Protestaktionen begleitet. Die israelische Polizei hat vor dem Eintreffen von Franziskus in Jerusalem 26 jüdische Extremisten verhaftet. Die radikalen Demonstranten seien am Davidsgrab festgenommen worden, bestätigte ein Polizeisprecher. Nach Medienberichten waren etwa 150 Menschen an Ausschreitungen beteiligt.      

Die Demonstranten hätten sich in der heiligen Stätte verschanzt und unter anderem Flaschen auf Sicherheitskräfte geworfen. Dabei seien zwei Polizisten leicht verletzt worden. Unter den Festgenommenen sei auch ein Soldat, der die Polizisten mit seiner Waffe bedroht habe.       

Auf dem Berg Zion außerhalb der Jerusalemer Altstadt befindet sich eine religiöse Stätte, die von Christen, Juden und Muslimen verehrt wird. Die Christen glauben, dass Jesus an diesem Ort das Abschiedsmahl mit seinen Jüngern einnahm, auf die hier 50 Tage später der Heilige Geist niederkam. Die Juden beten dort am vermuteten Grab ihres biblischen Königs David. Die Muslime errichteten an dieser Stätte im 16. Jahrhundert eine Moschee zu Ehren Davids, den sie als Propheten achten.

Papst Franziskus wird das Bauwerk am Montag besuchen. Im Abendmahlsaal, der das erste Stockwerk einnimmt, wird er zum Abschluss seiner Reise ins Heilige Land eine Messe feiern. Fanatische nationalreligiöse Juden hatten vor dem Papstbesuch den Widerstand gegen Pläne verstärkt, den Christen mehr Nutzungsmöglichkeiten zu gewähren. Bisher dürfen sie an ihrer zweitheiligsten Stätte nach der Grabeskirche nur am Gründonnerstag und Pfingstsonntag Liturgien feiern.