Die Dämme in der serbischen Hauptstadt Belgrad haben in der vergangenen Nacht dem Hochwasser standgehalten, doch für Dienstag rechnen die Katastrophenschützer im Land mit einem neuen Höchststand der Save. Bedroht sind neben Belgrad vor allem die serbischen Städte Šabac und Sremska Mitrovica sowie Orašje im Nachbarland Bosnien

In Serbien wurden bislang rund 30.000 Menschen vor den Fluten in Sicherheit gebracht, in Bosnien sogar mehr als 100.000.

Bislang gelang es den serbischen Einsatzkräften, das Kraftwerk Nikola Tesla in der Nähe der überschwemmten Stadt Obrenovac vor den Überschwemmungen zu schützen. Aus dem Wärmekraftwerk kommt die Hälfte des in Serbien produzierten Stroms. Energieminister Aleksandar Antic nannte den Schutz des Kraftwerks "entscheidend" für die Sicherheit der Energieversorgung. In Obrenovac mussten etwa 10.000 Menschen aus ihren Häusern.

Serbische Helfer befürchten weitere Überschwemmungen, wenn die Flutwelle der Save die Donau erreicht.

In Bosnien ist der Ort Orasje bereits vom Wasser eingeschlossen. Tausende Helfer sind im Nordosten des Landes im Einsatz, um die Dämme besonders in der Region von Bijeljina zu verstärken. Einsatzkräfte brachten landesweit etwa 11.000 Menschen in Sicherheit.

In Kroatien überschwemmte die Save mehrere Dörfer. Etwa ein Viertel der 3,8 Millionen Einwohner des Landes ist Behördenangaben zufolge von der Überschwemmung betroffen. Hunderte Erdrutsche zerstörten Häuser und Infrastruktur.

Bislang kamen in allen drei Ländern 47 Menschen ums Leben. Im stark verminten Bosnien sind die durch das Wasser freigelegten und fortgeschwemmten Landminen eine zusätzliche Gefahr. 2013 waren etwa 2,4 Prozent des Landes vermintes Gebiet. Sie liegen dort seit Ende des Bosnien-Krieges 1994.

Fachleute warnen die beiden Staaten vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe: "In überfluteten Gebieten wissen wir also nicht mehr, wo Minen zu finden sind, und wir wissen auch nicht, wo und wie wir danach suchen sollen", sagte Alma Al-Osta, Expertin der Organisation für die Gefahr von Landminen. Die Menschen im Hochwasser sollten ihre Häuser mit äußerster Vorsicht reinigen und nicht durchs Wasser waten.