Genderfragen haben derzeit Hochkonjunktur. Kaum ein Tag vergeht, an dem sich nicht Leitartikel, Talkshows oder Konferenzen mit dem Thema beschäftigen. Es geht um die Gleichstellung der Geschlechter, um Frauenförderung und Frauenquoten, um geschlechtsspezifische Auswirkungen von Gesetzen, um sexuelle Belästigung von Frauen und sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen. 

Dabei wird harsche Kritik geübt an den Barrieren, die Frauen in der Männerwelt noch immer den Weg verstellen, und es wird ihnen Mut gemacht, die sogenannte gläserne Decke zu durchstoßen, die sie abschottet von den oberen Etagen des geschäftlichen, akademischen oder behördlichen Daseins. 

Rund tausend Firmenchefinnen und Managerinnen aus aller Welt trafen sich vor Pfingsten in Paris zu einem Global Summit of Women; Frankreichs Außenminister Laurent Fabius war einer der Hauptredner. Wieder ging es um die leidige Tatsache, dass Frauen bei der Vergabe von Top-Jobs oder bei der Gehaltszahlung weiterhin  benachteiligt sind – behindert durch die Schwierigkeit, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen, oder vorsätzlich diskriminiert. Abermals wurde die Forderung erhoben, dass sich die Karrierestrukturen in der Wirtschaft, im öffentlichen Dienst und an den Hochschulen ändern müssten. Und wiederum ging man in dem Bewusstsein auseinander, dass es bis zur wirklichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern in den westlichen Gesellschaften noch eine gute Weile dauern werde.  

Gewalt, die Leib und Leben bedroht

Am heutigen Dienstag tritt nun im Londoner Excel-Zentrum eine Gipfelkonferenz zusammen, die sich der Lage des weiblichen Geschlechts in anderen Teilen der Welt widmet – in Gegenden, wo Frauen nicht nur benachteiligt sind, sondern immerfort um Leib und Leben bangen müssen.

In letzter Zeit hat da vor allen Dingen Indien von sich reden gemacht. Mehrere brutale Vergewaltigungen mit Todesfolge haben die Regierung endlich bewogen, schärfere Gesetze zu verabschieden und auf entschlossenere Strafverfolgung zu dringen. Allein mit schärferen Gesetzen wird das Problem freilich nicht zu lösen sein. Es wurzelt in tieferen Schichten traditioneller Gewohnheiten. In ihrem Buch Pink Sari Revolution gibt Amana Fontanella-Khan dem Kastensystem die Schuld an der massenhaften sexuellen Gewalt. Vergewaltigung sei eine Waffe, zitiert sie eine Aktivistin der Unberührbaren, um die Angehörigen niederer Kasten zu ducken, zu demütigen und botmäßig zu halten. Georg Blume und Christoph Hein liefern in ihrem jüngst erschienenen Werk Indiens verdrängte Wahrheit ebenfalls bestürzende und empörende Details über alltägliche Gewalt gegen Frauen, über Mitgiftmorde und über millionenfache Abtreibung weiblicher Föten.

Weit schlimmer noch ist es allerdings in Ländern, in denen Bürgerkrieg herrscht: in Syrien, im Südsudan, der Demokratischen Republik Kongo oder der Zentralafrikanischen Republik. "Dort ist systematische Vergewaltigung die Norm", schreibt der Leitartikel des Guardian, "eine leicht einsetzbare, billige Kriegswaffe". Janet Benshoof vom Global Justice Center in New York spricht von strategic rape – Vergewaltigung als militärische Waffe.

Den Vereinten Nationen zufolge wird sie eingesetzt, um bestimmte ethnische Gruppen oder religiöse Gemeinschaften zu erniedrigen, in Angst und Schrecken zu versetzen, zu demoralisieren und zu unterjochen. Zigtausende von Frauen und Mädchen sind zwischen 1980 und 2010 in 45 Ländern zum Opfer solch krimineller Strategie geworden. Sieben Entschließungen des UN-Sicherheitsrates haben daran nichts ändern können. 

Veranstalter und Gastgeber der heute beginnenden Londoner Konferenz sind der britische Außenminister William Hague und die amerikanische Schauspielerin Angelina Jolie, die seit Jahren gegen sexuelle Gewalt in Konfliktzonen zu Felde zieht. Die Entführung von 200 christlichen Schulmädchen durch die islamistische Boko Haram im Norden Nigerias gibt der Tagung an der Themse einen erschreckend aktuellen Fokus.

Der Minister und der Filmstar werden sich nicht einbilden, dass ihre Diskussion die grausige Realität sexueller Gewalt in Kriegsregionen über Nacht verändert. Aber sie haben sich vorgenommen, Wege und Verfahren aufzuzeigen, wie sich die Dinge auf lange Sicht doch verbessern lassen – etwa durch Schaffung eines neuen Schwerpunktes bei der Ausbildung von fremden Militärs und UN-Blauhelmen an westlichen Kriegsschulen.

Auf jeden Fall haben sie das Thema prominent auf die Tagesordnung gesetzt. Dies hat entschieden mehr Sinn als der blödsinnige Feminismus, der die Universität Leipzig auf die Schnapsidee gebracht hat, die deutsche Sprache verhunzend und jede Logik verhöhnend, den "Herrn Professor" fortan als "Herr Professorin" anzureden und anzuschreiben.