Ein französisches Gericht hat einen Arzt freigesprochen, der sieben todkranken Patienten Sterbehilfe leistete. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen Giftmordes angeklagt, weil er den Patienten tödliche Injektionen verabreicht hatte.   

Im Prozess in der südfranzösischen Stadt Pau hatten einige Angehörige der Patienten, denen der Arzt beim Sterben geholfen hatte, zu dessen Gunsten ausgesagt. Der Anwalt des Arztes nannte den Freispruch "enorm". Er hoffe, das Urteil werde die Debatte über die Legalisierung der Sterbehilfe beeinflussen. Der Fall hatte landesweit für großes Aufsehen gesorgt.     

In einem zweiten Fall erlitten die französischen Sterbehilfe-Befürworter einen Rückschlag: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte untersagte französischen Ärzten am späten Dienstagabend, die lebenserhaltenden Maßnahmen bei einem querschnittsgelähmten Koma-Patienten einzustellen.

Gerichtshof stoppt passive Sterbehilfe

Das Urteil erging Stunden, nachdem französische Richter ein Ende der Hilfen angeordnet hatten. Die Ärzte und seine Ehefrau hatten sich für eine solche passive Sterbehilfe eingesetzt. Bei dem 38-jährigen Patienten sind nach Angaben der Ärzte kaum mehr Bewusstseinsanzeichen vorhanden. Lamberts tief religiöse Eltern wehren sich gegen das Abschalten der Geräte und brachten die juristische Auseinandersetzung in Gang.   

In einer Erklärung des Europäischen Gerichtshofs hieß es, man werde so schnell wie möglich abschließend über den Fall entscheiden. Ein Sprecher räumte ein, das Verfahren könne Monate oder Jahre dauern. Der Patient war 2008 mit dem Motorrad verunglückt und liegt seitdem im Koma.

Die beiden Fälle haben die Debatte über Sterbehilfe in Frankreich wieder angefacht. Dort werden pro Jahr für bis zu 25.000 Menschen die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt. Präsident François Hollande hat angekündigt, die 2005 erlassenen Gesetze zu reformieren. Sie enthalten nach Ansicht von Experten juristische Grauzonen.

In Deutschland verboten

In den Niederlanden, Belgien und Luxemburg ist selbst die aktive Sterbehilfe – also das Töten auf Verlangen – legal. In Deutschland dagegen ist nur die passive Sterbehilfe – also das Beenden von lebenserhaltenden Maßnahmen – erlaubt. Aktive Sterbehilfe ist eine Straftat.

Auch in Deutschland wird immer wieder über das Thema diskutiert. Zuletzt forderte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CSU) Anfang des Jahres neue Gesetze, so solle etwa das Geschäft mit der Sterbehilfe bestraft werden.