Edward Snowden im Video-Interview des "Guardian" (Screenshot) © The Guardian/ Screenshot: ZEIT ONLINE

Der frühere NSA-Mitarbeiter Edward Snowden hat mit dem britischen Guardian über seine aktuelle Situation in Russland, seine Zukunft und die Folgen einer möglichen Rückkehr in die USA gesprochen. Er habe nicht wirklich Angst, sagte er. "Wenn ich in Ketten in Guantánamo enden würde, könnte ich damit leben", sagte Snowden den Journalisten. 

Er sei zufriedener in Russland, als wenn er in einem anderen Land mit einem "ungerechten Prozess" rechnen müsste. "Ich bin sehr glücklich, hier Asyl bekommen zu haben." Zugleich gehe er aber davon aus, dass er überwacht werde. Das gelte für jeden, der in seiner Position sei.  

Gefragt nach den Konsequenzen, die ihn bei einer Rückkehr in die USA drohen könnten, sagte Snowden, er gehe davon aus, dass man nur schwerlich die zwölf Leute für eine Jury finden würde, die nicht sagen würden, dass die Enthüllungen über die Überwachungsprogramme von öffentlichem Interesse seien. Auch wenn er nicht über das Urteil einer Jury spekulieren wolle, würde ein solches Verfahren doch schwerwiegende Fragen zu den Überwachungsprogrammen aufwerfen.

Geführt haben das Video-Interview der Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger und Geheimdienstkorrespondent Ewen MacAskill am 10. Juli in Moskau. Im Video ist ein Edward Snowden ohne Brille zu sehen, der deutlich professioneller und geschulter auftritt, als zum Beispiel im ersten Video zu seinen Enthüllungen vor mehr als einem Jahr. Im Unterschied wirkt er nun auch deutlich zielgerichteter und selbstbewusster – damals hatte er mit seiner sofortigen Festnahme gerechnet. 

Snowden hatte vor mehr als einem Jahr mit seinen Enthüllungen die Affäre um die Abhöraktionen des US-Geheimdienstes NSA ausgelöst; auf seiner Flucht saß er zunächst einen Monat auf dem Moskauer Flughafen fest, bevor er Anfang August 2013 für ein Jahr Asyl erhielt. In den USA gibt es gegen Snowden einen Haftbefehl: Sie wollen ihn wegen Spionage vor Gericht bringen.

Weitergabe von Nacktbildern bei NSA

Zu den immer wieder aufkommenden Spekulationen, er sei ein russischer Spion, sagte Snowden dem Guardian, das sei verrückt. Wenn die US-Regierung auch nur den kleinsten Hinweis auf irgendeine Art der Kooperation mit Russland hätte, würde das sofort auf der Titelseite der New York Times landen, sagte er. 

Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter erzählt zudem vom verantwortungslosen Verhalten einiger NSA-Mitarbeiter. Die jungen Analysten dort seien schlicht überfordert. So würden die oftmals 18- bis 20-Jährigen zum Beispiel Nacktfotos aus der Überwachung untereinander weitergeben. "Intimste Momente" würden ohne jeden Anlass gesichert und ausgewertet. Das zeige, was der staatliche Zugriff auf private Daten anrichten könne. Snowden spricht von der "Vergewaltigung von Grundrechten".

In der ersten Version des Artikels war fälschlicherweise von einem "internationalen Haftbefehl" der USA die Rede. Den Fehler haben wir korrigiert.