Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat seiner krebskranken Frau Anne zugesichert, sie im Ernstfall in ihrem Wunsch nach Sterbehilfe zu unterstützen. "Das wäre zwar völlig gegen meine Überzeugung", sagte Schneider der ZEIT. "Aber am Ende würde ich sie wohl gegen meine Überzeugung aus Liebe begleiten. (...) Die Liebe ist entscheidend."

Der EKD-Chef sagte, grundsätzlich gelte für ihn die Regel: "Wenn Schmerzmittel nicht mehr wirken, dann geht Schmerzfreiheit vor Lebenszeit." Mit dem Töten dürfte kein Geld verdient werden, sagte Schneider. Und es dürfe "kein anonymisiertes Sterbehilfe-Modell geben".

Schneider hatte Ende Juni seinen Rücktritt zum 10. November erklärt. Er wolle sich voll und ganz seiner kranken Frau widmen. Das Ehepaar hatte im Jahr 2005 eine Tochter an Leukämie verloren. 

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Im selben ZEIT-Interview sagte Schneiders Frau Anne, sie habe die drei Jahre Ratsvorsitz ihres Mannes nach dessen Pensionierung als ihr Geschenk an ihn empfunden. "Jetzt sehe ich es als Gegengeschenk an mich, dass du bereit bist, das letzte Jahr zu kippen", sagte sie.

Zur Bedeutung des Glaubens für die Bewältigung der Krankheit sagte Anne Schneider: "Ich bete mit der Gewissheit, dass die Erhörung des Gebetes nicht eine Belohnung ist für guten und richtigen Glauben. (...) Die Vorstellung, wenn ich nur richtig glaube, werde ich den Krebs überstehen, ist furchtbar. Ich glaube nicht an einen Gott, der Bedingungen stellt für sein heilendes Handeln."

Nikolaus Schneider sagte dazu: "Ich sehe Krankheit als Ausdruck unserer Geschöpflichkeit. (...) Aber wenn Anne sterben würde, das fände auch ich unfair. Die Begrenzung unserer Beziehung hätte etwas Gewalttätiges. (...) Ich würde mich weigern, dem einen Sinn zu geben."

Nächstenliebe statt Selbsttötung

Andere Vertreter der Evangelischen Kirche (EKD) sind der Ansicht, dass "intensive und liebevolle Begleitung von Menschen auf ihrer letzten Wegstrecke den Gedanken an Suizid nicht selten 'verscheucht'", sagte im Januar der damalige EKD-Sprecher Reinhard Mawick. Die Kirche lehne Selbsttötung und die Hilfe zum Suizid ab und befürworte stattdessen den Ausbau der Palliativmedizin.