Screenshot aus dem Video der Freitagspredigt © Screenshot: Memri TV/ZEIT ONLINE

Gaza ist für die Berliner Polizei überall, auf der Straße und im Internet. Seit dem Wochenende ist bei Youtube ein Video der Freitagspredigt in der Neuköllner Al-Nur-Moschee zu sehen. "O Allah, destroy the Zionist Jews", ruft der Prediger darin. Hintergrund könnte der derzeitige Militäreinsatz Israels gegen Tunnel der extremistischen Hamas im Gazastreifen sein. Die Armee fliegt dort seit Tagen Angriffe. Bodentruppen versuchen, Hamas-Kämpfer zurückzudrängen. Die Zahl der Todesopfer stieg jüngst auf 600. 

Veröffentlicht wurde das Video von Memri TV einer jüdischen Organisation in den USA, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Stimmung in arabischen Ländern zu dokumentieren. Nach Angaben eines Polizeisprechers liegen mittlerweile zehn Strafanzeigen aus der Bevölkerung vor, darunter eine des Berliner Abgeordneten Burkard Dregger (CDU).

Auch der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen. Nach dem derzeitigen Stand gehe man von einem volksverhetzenden Inhalt aus, hieß es. Derzeit werde eine professionelle Übersetzung des arabischen Originaltons gefertigt.

Das Video ist von Memri TV mit englischen Untertiteln versehen, eine Übersetzung durch den Tagesspiegel ergab eine weitgehende Übereinstimmung zwischen Original und Untertitel. Demnach sagte der Imam unter anderem über Juden: "kill them to the last", also: "Tötet sie bis zum Letzten".

Treffpunkte vom Verfassungsschutz beobachtet

Nach Angaben von Memri TV soll es sich um die Freitagspredigt letzter Woche handeln; die Polizei versucht jetzt, dafür einen Beweis zu finden. Der Prediger stammt nach Erkenntnissen des Staatsschutzes aus Dänemark und soll sich am Montag nicht in Berlin aufgehalten haben. Unklar blieb, ob bekannt ist, wann Bilal Ismail zuletzt in Berlin war.

Der Berliner Verfassungsschutz zählt zwei Moscheen in Berlin zu den Treffpunkten von Salafisten, darunter die Neuköllner Al-Nur-Moschee.

Das American Jewish Committee (AJC) verurteilte die Hasspredigt auf das Schärfste und forderte, dass mit allen rechtlichen Mitteln gegen den Imam vorgegangen wird. "Die Hasspredigt des Berliner Imam ist ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Sie muss nun mit aller Härte des Gesetzes gegen den Prediger vorgehen. Der Aufruf zum Mord ist mit nichts zu rechtfertigen", sagt Deidre Berger, Direktorin der Berliner AJC-Vertretung. 

"Scheiß Jude, wir kriegen dich"

Die Staatsanwaltschaft wollte sich nicht äußern, sie wartet auf die bestätigte Übersetzung der Polizei. Davon unabhängig hat sich das Polizeipräsidium am Sonntag an Youtube gewandt, mit der Bitte das Video zu sperren. Bis Montagnachmittag war es jedoch noch zu sehen.

Am Sonnabend war ein israelisches Ehepaar am Rande einer Gaza-Solidaritätsdemonstration beschimpft worden, unter anderem mit "Scheiß Jude, wir kriegen dich". Nach Polizeiangaben konnten Polizisten verhindern, dass Demonstranten den Mann, der an seiner Kippa als Jude zu erkennen war, körperlich angreifen. "In diesem politischen Klima verwundert es nicht, dass Aktivisten auch dazu bereit sind, Gewalt anzuwenden" sagte Deidre Berger weiter. "Der Antisemitismus wird von Tag zu Tag auf Europas Straßen immer offener skandiert." Politik und Sicherheitsbehörden müssten frühzeitig einschreiten, um Schlimmeres zu verhindern.